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Beerdigungskosten für totes Baby

Dortmunder Sozialamt räumt Fehler ein

DORTMUND Als Kind geflüchteter Syrer kam die kleine Khadija am 1. März 2016 zur Welt. Drei Tage später starb das Frühchen. Das Sozialamt weigerte sich, den Eltern die Beerdigungskosten abzunehmen. Jetzt räumt es im Umgang mit dem Vater des toten Babys etliche Fehler ein und bittet die Eltern um Entschuldigung.

Dortmunder Sozialamt räumt Fehler ein

Die kleine Kadija wurde gerade einmal drei Tage alt. Symbolbild: dpa

Das Sozialamt der Stadt Dortmund hatte nach einer ersten Anfrage unserer Redaktion zunächst bestritten, schon am 4. März 2016, also einen Tag nach Khadijas Tod, Kontakt zu dem Vater gehabt zu haben. Er sei erst am 9. März erschienen. Das erste Nein sei ein "großes Missverständnis". Neue Informationen über den zunächst gescheiterten Antrag der Eltern stellen die ersten Aussagen der Stadt Dortmund in ein anderes Licht.

Sozialamt hatte Termine bestritten

Der Dortmunder Kieferorthopäde Dr. Hisham Hammad hatte von dem Fall erfahren und unserer Redaktion berichtet, dass der 29-jährige Vater Ali Serwel am Freitag (4.3.), Montag (7.3.) und Dienstag (8.3.) beim Sozialamt gewesen sei. Angaben, die von der Pressestelle der Stadt Dortmund zurückgewiesen wurden. Das Amt habe erst am 9. März von dem Begehren des Vaters erfahren.

Brief des Amtes bestätigt Aussagen des Vaters

Sagte der Vater des verstorbenen Mädchens etwa nicht die Wahrheit? Damit konfrontiert lieferte Dr. Hammad einen Nachweis: Den schon am 8. März 2016 vom Sozialamt verfassten Brief mit der Absage. Das Sozialamt werde "keinerlei Kosten, wofür auch immer", übernehmen. Unsere Redaktion bat die Stadt Dortmund erneut um eine Stellungnahme. Die am Freitagnachmittag (11.3.) übermittelte Antwort fällt anders aus als die ersten Aussagen. Hier eine Zusammenfassung:

  • Einen Tag nach dem Tod seiner Tochter erscheint der Vater Ali Serwel am 4. März beim Dortmunder Sozialamt an der Luisenstraße. Er wird zurückgewiesen. Weil er keinen Termin hat. Wiederkommen soll er am folgenden Montag.Dazu die Stadt Dortmund: Weil der Vater einen "dringenden Fall" vortragen wollte, hätte das Amt ihn sofort anhören müssen.  
  • An jenem Montag spricht der 29-Jährige dort erneut vor, um einen Antrag auf Übernahme der Beerdigungskosten zu stellen. Das Sozialamt weist ihn erneut ab und schickt ihn zum Jobcenter.Dazu die Stadt Dortmund: Das ist die zweite Fehlentscheidung. Das Sozialamt sei "originär" zuständig.  
  • Im Jobcenter erfährt der Vater, dass auch dieses Amt nicht zuständig sei. Das Jobcenter verweist ihn zurück in das Sozialamt. Allerdings an eine falsche Abteilung (Abteilung Asylbewerberleistungsgesetz).Dazu die Stadt Dortmund: Zuständig ist die "zentrale Stelle des Sozialbüros" im Sozialamt. Man werde darüber mit dem Jobcenter sprechen.  
  • Erneut im Sozialamt, erhält der Vater die schriftliche Absage. "Wofür auch immer" Kosten anfallen würden - das Sozialamt werde sie ihm nicht erstatten.Dazu die Stadt Dortmund: Die Antwort ist sachlich falsch. Die Wortwahl sei nicht üblich und "absolut unglücklich gewählt".

"Wir müssen feststellen, dass verschiedene Fehler gemacht wurden. Wir bitten die Familie ausdrücklich um Entschuldigung", sagte eine Pressesprecherin der Stadt Dortmund. Das Sozialamt werde sämtliche Abläufe überprüfen, um weitere Fehler zu vermeiden. In diesen Fällen sei besondere Sorgfalt und Sensibilität erforderlich. Die sehr engagiert und über die Belastungsgrenzen hinaus arbeitenden Mitarbeiter im Asylbereich würden den Fall sehr bedauern.

Sterbeurkunde statt Geburtsurkunde

Dr. Hisham Hammad kommentierte die Entschuldigung so: "Dass das Sozialamt die Fehler einräumt, verdient Achtung. Die Eltern sind froh, dass das jetzt zu Ende gehen kann. Bisher war die Situation menschlich unerträglich. Nach der Geburt seiner Tochter wollte der Vater eine Geburtsturkunde ausstellen lassen. Nun hält er eine Sterbeurkunde in der Hand. Das zu überwinden braucht Kraft." Betreut werden Ali und Riim Serwel nicht.

Ihre Tochter Khadija wird am Montag (14.3.) beerdigt. Die Kosten trägt die Stadt Dortmund. Die aus Syrien geflüchteten Eltern besitzen das Geld dafür nicht.

 

 

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