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Ein Stück über das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft

Kinder- und Jugendtheater

Augmented Reality bedeutet: Ein Handy oder Tablet bildet die Realität ab und ergänzt es mit digitalen Bildern. Das Stück „Integration Baby!“ am Kinder- und Jugendtheater (KJT) geht noch weiter: Es ergänzt auch die Realität.

Dortmund

von Tilman Abegg

, 27.06.2018
Ein Stück über das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft

In dieser Szene von „Integration Baby!“ hinterfragen Schauspieler in Eulenmasken – Eulen gelten als weise – die deutsche Kultur. © Birgit Hupfeld

Die Realität ergänzen, das konnte das Theater schon immer. Ein Theaterstück auf einer Bühne ist etwas Greifbares, Körperliches, das in der wirklichen Welt passiert – eben nichts Digitales. Neu ist vielmehr, dass im Theater immer mehr digitale Dinge passieren, und auch das ist, zumindest am Theater Dortmund, inzwischen schon ein selbstverständliches Stilmittel.

Zum Teil gefilmt, zum Teil live gespielt

Was die Zuschauer bei „Integration Baby!“ erleben, ist zum Teil vorab gefilmt und zum Teil live gespielt. Das Thema des Stücks ist Integration. Aber die zentrale Frage, betont KJT-Direktor Andreas Gruhn beim Pressegespräch, laute nicht „Wie bin ich hier hergekommen?“, sondern: „Wie leben wir hier zusammen?“.

Regisseurin Clara Minckwitz von der Theatergruppe „pulk fiction“ präzisiert: „Nicht nur die Angekommenen kommen zu Wort, sondern auch die hier Geborenen. Alle.“

Zu zweit mit dem Tablet durch den Videowalk

Das Stück spielt weder im KJT an der Sckellstraße noch am Schauspiel. Die Veranstalter nennen es einen „Videowalk“ (Video-Spaziergang): Start- und Zielpunkt ist das Haus der Vielfalt an der Beuthstraße 21.

Die Zuschauer laufen jeweils zu zweit und mit einem Tablet los, alle drei Minuten eine Zweiergruppen. Das Tablet zeigt in einem vorab gefilmten Video den Weg und einzelne gespielte Szenen.

Aus dem Film in die Wirklichkeit

Zwischendurch überschneiden sich das vorab Gefilmte mit der echten Welt. Regisseur Norman Grotegut gibt ein Beispiel: Der Film folgt zwei Männern, nach einer Weile gehen die beiden aus dem Bild und stehen plötzlich in echt und in persona an der Straßenecke.

Der eine erzählt dem anderen, dass seine Mutter in Syrien ihm jeden Tag einen ermutigenden Aphorismus per SMS schickt, und auf dem Tablet der Zuschauer erscheint diese SMS.

Zweifache Integration

In dieser Szene wird, wenn man so will, gleich zweimal integriert: das Filmgeschehen in die wirkliche Welt, und der Zuschauer, als Empfänger der SMS, in die Rolle des aus Syrien hergekommenen Mannes.

Das Stück sei kein Versuch einer Interpretation von Integration, sagt Regisseur Grotegut. „Es soll den Zuschauern Erlebnisse ermöglichen. Erlebnisse, die im engeren oder weiteren Sinne mit Integration zu tun haben.“

Andreas Gruhn: „Eine Stärke des Theaters“

Das Stück sei keine Umsetzung einer wissenschaftlichen Untersuchung, sagt Gruhn. „Es ist ja gerade eine Stärke des Theaters nicht statistische Verallgemeinerungen zu bebildern, sondern einzelne Schicksale zu betrachten.“ Seit etwa vier Jahren machen Gruhn und das KJT regelmäßig Projekte mit Geflüchteten.

Seiner Meinung nach werde viel zu selten über die „wunderbaren Entwicklungen“ erzählt, die viele Menschen nach ihrer Ankunft hier vollbringen, die nach kurzer Zeit gut Deutsch sprechen, arbeiten und sich selbst versorgen.

„Projekte mit Geflüchteten sind inzwischen nicht mehr so wichtig“, sagt Gruhn. „Stattdessen sollte es mehr Projekte mit allen geben, mit Migranten und Einheimischen.“ So wie bei diesem Theaterstück.

  • Bei „Integration Baby!“ spielen 6 Schauspieler vom Ensemble des KJT mit und 19 weitere von Pottfiction und einem integrativen Jufgendprojekt des KJT.
  • Für das Stück hat das KJT mit dem Verbund der sozial-kulturellen Migrantenvereine (VMDO) kooperiert. Der VMDO sitzt im Haus der Vielfalt.
  • Premiere ist Freitag (29. 6.) um 20.30 Uhr. Weitere Termine: 30. 6./5., 8., 12. 7.
  • Karten für 4 Euro gibt es bis einen Tag vor der Vorstellung im Opernhaus und an der Abendkasse.
  • Gedacht ist das Stück ab 14 Jahren und ebenso für Erwachsene. Es dauert etwa eine Stunde.
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