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Ein alltäglicher Skandal

Ein alltäglicher Skandal

<p>Groß und Klein mahnten mehr Solidarität an. Foltynowicz</p>

"Armut grenzt aus, Armut stigmatisiert." So benannte Bürgermeisterin Birgit Jörder am Samstagabend auf dem Friedensplatz das zentrale Problem einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. Als Schirmherrin des Dortmunder Beitrags zur bundes- und europaweiten Aktion "Eine Million Sterne" rief sie deshalb alle Bürger auf, gemeinsam an einer solidarischen Gemeinschaft zu bauen.

So wie auf zahlreichen weiteren Plätzen in Deutschland demonstrierten die 600 Teilnehmer im Schein ihrer Topfkerzen allgemein für eine gerechtere Welt. Zugleich hörten sie bei eisigen Temperaturen auch konkretere Auseinandersetzungen mit der aktuellen Situation in Dortmund.

Im kürzlich veröffentlichten Landessozialbericht und den daraus hervorgehenden Aktionsplänen sah Jörder einen guten Ansatzpunkt. Vor allem Gruppen wie Alleinerziehende und ihre Kinder seien von Benachteiligung und Ausgrenzung bedroht. Für sie einzustehen sei eine Verpflichtung der Stadt. Da Armut sich in manchen Stadtteilen konzentriere, sei hier besonderer Handlungsbedarf gegeben.

Zwischen kirchlichen Liedern und dem gemeinsamen Gebet für mehr Gerechtigkeit wies auch Georg Rupa, Geschäftsführer des Caritasverbands, auf die Verschärfung des Problems hin. "Die Zahl der Dortmunder Bürger, die am Rande stehen, nimmt zu. Die Alltäglichkeit der Armut ist ein Skandal", sagte er. Bei der Entwicklung geeigneter Gegenmaßnahmen wollte er vor allem nicht die Frage nach der Finanzierung an den Anfang gestellt wissen. Er betonte die Bedeutung der Lichteraktion als Zeichen für Hoffnung.

Die Kerzen, deren Verkaufserlös für die Opfer des Tropensturms in Bangladesh bestimmt war, nahmen nicht alle mit nach Hause. Viele wünschten sich scheinbar ein etwas bleibenderes Zeichen für Solidarität. Auf der Rathaustreppe bildeten sie eine Reihe von Lichtern, die auch nach der Auflösung der Veranstaltung noch größere Gerechtigkeit anmahnte. SEN

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