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Emschergenossenschaft: Deiche werden angepasst

IM WESTEN Die Emschergenossenschaft räumt zwar ein, dass solche Wassermassen, wie sie am 26. Juli vom Himmel kamen, nicht vollständig beherrschbar seien. Aber untätig ist das Unternehmen nicht.

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Dr. Steffen Bold (Emschergenossenschaft).

Seit 1937 zeichnet die Emschergenossenschaft Starkregen-Ereignisse auf. Das Diagramm zeigt, dass das Unwetter vom 26. Juli auch die angenommenen Niederschlagsmengen eines 1000-jährlichen Ereignisses um ein Vielfaches überstiegen hat.

Bilder, die nicht mehr aus dem Kopf gehen: Am 26. Juli überflutete das Wasser große Teile des Dortmunder Westens. Diese Wassermassen, sagt die Emschergenossenschaft, seien nicht zu 100 Prozent beherrschbar.

Immer wieder wurden während der Infoveranstaltung zum Thema Hochwasser Stimmen laut, die nicht glauben wollten, dass ein solches Ereignis wie das schwere Unwetter vom 26. Juli und vor allem seine Folgen nicht zu 100 Prozent beherrschbar sein soll. Das hatten Dr. Emanuel Grün, technischer Vorstand der Emschergenossenschaft, und Dr. Christian Falk, Leiter der Stadtentwässerung, am Dienstagabend erklärt.

Dr. Steffen Bold, Leiter der Hydrologie der Emschergenossenschaft, stellt sich im Gespräch mit RN-Redakteur Arndt Brede Fragen zur Zukunft.

Herr Dr. Bold, am 26. Juli liefen die Hochwasserrückhaltebecken In der Meile und am Schmechtingsbach über. Muss die Emschergenossenschaft die Dimensionen der beiden noch zu bauenden Becken in Mengede und Ellinghausen jetzt nicht noch mal überplanen?

Bold : Die beiden Becken direkt an der Emscher sind auch nach dem Ereignis vom 26. Juli noch sinnvoll und richtig ausgelegt. Die Hochwasserrückhaltebecken können ein extremes Hochwasser zwar nicht komplett fassen, haben jedoch auf jeden Fall einen positiven Effekt. Wichtig ist jedoch, dass die Becken auch bei einem extremen Hochwasser nicht zerstört werden.

Wie groß sind denn die Becken?

Bold : Jedes hat ein Fassungsvermögen von einer Million Kubikmeter. Zum Vergleich: Das Becken "In der Meile" liegt in einer Größenordnung von rund 50 000 Kubikmeter.

Und es hat das Poldergebiet Marten überflutet...

Bold : Marten wurde überflutet, weil die Kanalisation, das Pumpwerk und das Hochwasserrückhaltebecken "In der Meile" weit über den genehmigten Bemessungsgrenzen durch die extremen Niederschläge am 26.7. belastet waren.

Nun werden die beiden neuen Becken ja direkt an der Emscher liegen. In die die Becken ja im Extremfall überlaufen könnten. Sind denn die Deiche für den Fall solch starker Regenfälle hoch genug?

Bold : Die Deiche sind nach dem aktuellen Stand der Technik bemessen. Sie sind auch heute schon ausreichend hoch, wie der Hochwasseraktionsplan Emscher verdeutlicht. Die Deiche werden jedoch im Rahmen des Emscherumbaus auf das zukünftige System angepasst.

Gehören die Deiche in Marten auch dazu?

Bold : Ja.

Nochmal zu den beiden neuen Becken. Die können also tatsächlich auch überflutet werden, oder?

Bold : Jedes Hochwasserrückhaltebecken ist darauf ausgelegt, dass es überlaufen kann.

Mit anderen Worten, die Emschergenossenschaft kann nichts dagegen tun, um das Hochwasser komplett zu kontrollieren?

Bold : Eine extreme Katastrophe ist nicht 100-prozentig beherrschbar. Wir müssen das Bewusstsein der Menschen stärken, dass sie sich des Restrisikos bewusst sind.

Aber müssen sich nicht künftig bei den Planungen angesichts des Klimawandels mit Extremen wie am 26. Juli die Maßstäbe ändern?

Bold : Wie sich der Klimawandel auswirken wird, darüber herrscht noch Unsicherheit. Die Temperaturen werden aller Voraussicht nach steigen. Wie sich der Klimawandel auf das regionale Niederschlagsgeschehen auswirkt, darüber gibt es noch keine zuverlässigen quantitativen Aussagen. Wir reagieren aber jetzt schon, indem wir versuchen, dafür Sorge zu tragen, dass das Hochwasser gar nicht erst zu den Gewässern kommt.

Wie?

Bold : Indem etwa versiegelte Flächen von der Kanalisation abgekoppelt werden, Wasser also versickern kann und nicht in die Kanäle läuft. Das ist eine Möglichkeit, Wasser in der Fläche zurück zu halten, dem natürlichen Wasserkreislauf wieder zuzuführen und gleichzeitig die Kanäle zu entlasten. Dabei wird uns auch der in den nächsten Jahren sukzessive umgesetzte Umbau des gesamten Emschersystems helfen. Im übrigen favorisieren wir nachhaltige, anpassbare Strategien, die uns erlauben auf künftige Veränderungen, die sich jetzt noch nicht absehen lassen, flexibel zu reagieren. Sollte es der Klimawandel aus wasserwirtschaftlicher Sicht erforderlich machen, werden wir auch die Gewässerleistung erhöhen und als allerletzte Maßnahme über Deicherhöhungen oder -verlegungen nachdenken. Aber so weit sind wir noch nicht.

 

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