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Über das Leben im Kreuzviertel

„Es ist die Einstellung, die einen ins Viertel zieht“

Dortmund Nirgendwo anders in Dortmund sind die Wohnungen so umkämpft. Im Kreuzviertel wohnen Jung und Alt in einem Haus. Jeder Mensch wird gleich behandelt, findet Sandra Bingel. Und will deswegen nie mehr wegziehen.

„Es ist die Einstellung, die einen ins Viertel zieht“

Sandra Bingel an „ihrer“ Lindemannstraße. Hier ist die 46-Jährige aufgewachsen. Weg will sie nicht mehr. Foto: Paulina Würminghausen

Sandra Bingel hat noch nie in ihrem Leben in einer anderen Straße als der Lindemannstraße gewohnt. Nur einmal ist sie umgezogen, vom Elternhaus in ihre eigene Wohnung. Die war sechs Häuser weiter. Heute, mit 46 Jahren, hat sie immer noch nicht genug von dem lebendigen Viertel.

Früher, als die Straßenbahn noch überirdisch fuhr und direkt vor der Haustür hielt und die Gehwege breit waren, als die junge Sandra mit den anderen Kindern Räuber und Gendarm im Innenhof spielte und es im Viertel noch genügend Parkplätze gab, da kamen ihr die Nachbarn „uralt“ vor. „Wir waren die einzig junge Familie in unserem Haus“, sagt die kaufmännische Angestellte.

Seitdem habe sich viel geändert: Heute würden sehr viele junge Familien hier wohnen, aber auch Studenten und Senioren, beobachtet sie. Nicht das Alter, sondern die Einstellung ziehe einen in dieses Viertel – oder lässt einen nie mehr weg. Sie selbst brauche es, mitten im Leben zu sein. „Menschen, die mittendrin stehen, die Gesellschaft wollen, wohnen hier. Und klar, sie müssen auch geräuschunempfindlich sein“, sagt die Bewohnerin. Sie verstehe es „ehrlich gesagt“ nicht, wenn jemand hier hinzieht und sich dann über die Lautstärke beschwere.

Raus aus dem Kreuzviertel und wieder zurück

Sandra Bingel hat viele Freunde, die noch nie woanders gewohnt haben. Die immer im Kreuzviertel geblieben sind. Und wenn sie doch weggezogen sind, dann haben sie es bereut und wollten wieder zurück, so die 46- Jährige. Dann werde sie schon mal gebeten, „Augen und Ohren offen zu halten“. Beim Bäcker oder Friseur. Auf anderem Wege sei es in dem umkämpften Viertel sowieso schwierig, eine Wohnung zu finden. Ein paar ihrer Freunde hätten es wiederum „nicht weit gebracht“, seien zum Beispiel vom Kreuzviertel an den nicht weit entfernten Tremoniapark gezogen.

Ein großer Nachteil im Kreuzviertel zu wohnen, sei die Parkplatzsituation: „Die ist einfach eine Katastrophe“, sagt Sandra Bingel knapp. Autos stehen kreuz und quer auf Bürgersteigen, hier ist jeden Tag BVB-Heimspiel. Besucher schrecke das oft ab. Aber man merkt, Sandra Bingel kann allem eine gute Sache abgewinnen: Man lerne beim Parken im Kreuzviertel „diesen Blick“, mit dem man sofort sehe, dass ein anderer jetzt gleich in sein Auto steigt und wegfährt. Und dieses Vorurteil, dass Frauen nicht einparken könnten, das stimme auch nicht. Zumindest wenn man im Kreuzviertel aufwächst. „Meine Schwester, meine Mutter und ich sind alle drei exzellente Einparker“, sagt Sandra Bingel, nicht ganz ohne Stolz.

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Das Viertel ist stadtbekannt für die vielen „BVB“-Kneipen wie B-Trieb, Schilling und Bürgermeister Lindemann, in denen man vor und nach dem Stadionbesuch sein Bier trinkt, aber es ist auch wegen hipper Cafés wie dem Kieztörtchen und Froilein Meier beliebt. Wer wie Sandra Bingel schon ein paar Jahrzehnte im Kreuzviertel wohnt, der hat schon viele Inhaberwechsel in den Bars und Kneipen miterlebt.

„Der Millionär sitzt neben dem Hartz-IV-Empfänger“

Sie kann sich an fast alle erinnern: Das Schilling hieß früher Pökelfass, das Kumpel Erich hatte Vorgänger wie die Westfalenschänke und das immer gut besuchte Bar Rock. In diesen Bars sehe man heute auch viele junge Leute, so die Mutter. „Früher waren Kneipen wie der Lindenkrug alles Kneipen ab 50. Da sind keine jungen Leute hingegangen“, sagt sie. Zumindest sie nicht. In den 90ern feierten sie und ihre Freunde stattdessen in Clubs und Kneipen im ehemaligen Ostwallviertel. Natürlich sei man zwischendurch auch mal ins Kreuzviertel gegangen, ins ehemalige Ufo oder auch ins B-Trieb. Doch der richtige „Boom“ für junge Leute kam erst mit Bars wie Uncle Tom‘s und Bar Rock, die 2003 und 2004 eröffneten, ist sie der Meinung.

Was sie außerdem so sehr am Kreuzviertel liebt, ist diese Unkompliziertheit, oft ja auch typisch für den Fußball. „Der Millionär sitzt neben dem Hartz-IV-Empfänger, es wird zusammen gefeiert und jegliche Konvention ist aufgehoben.“ Und das sagt sie, weil sie das wirklich schon gesehen habe. „Da wird nicht gefragt: Wer bist du und woher kommst du?“

Sorge vor fehlendem Mix

Wegen dieser vielen Gründe, vor allem wegen dieses Mitten-im-Leben-Gefühls, habe sie noch nie aus der Lindemannstraße, aus dem Kreuzviertel wegziehen wollen. Darüber nachgedacht hat sie allerdings schon: „Als ich schwanger war, hatte ich schon ein bisschen Angst, dass es mit einem Kind hier nicht klappt. Aber mit den ganzen Cafés und Spielplätzen hat die sich schnell wieder gelegt“, sagt Sandra Bingel. Wenn sie ihre Schwester in Wichlinghofen besuche, dann fände sie es dort zwar super schön, aber zu einsam.

Als Kind habe sie immer mit anderen Kindern im Innenhof gespielt und viel Zeit draußen verbracht. „Das war bei meinem Sohn nicht so, aber das liegt, denke ich, am allgemeinen Wandel der Zeit“, sagt Sandra Bingel. Die Generation Smartphone spielt nicht mehr draußen.

Sorge machen der Kauffrau die steigenden und horrenden Mietpreise: „Ich habe Angst, dass das Kreuzviertel zu elitär wird und hier kein bunter Mix mehr wohnt.“ An Laternenpfählen sehe sie öfters Wohnungssuchende, die schreiben: „Zwei Akademiker suchen...“ Das verstehe sie nicht. „Und was macht der Straßenfeger?“ Der möchte sich irgendwann in seiner Wohnung im Kreuzviertel sitzend auch an früher erinnern, als die Straßenbahn noch überirdisch fuhr und die Gehwege breit waren und es im Viertel noch genügend Parkplätze gab. 

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