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Grenzenlose Romantik: Die Ausstellung "Evet - Ja, ich will!" in Dortmund

DORTMUND Ja, diese Schau ist etwas für Romantiker. Wer Hochzeitskleider mag, kann hier in Schleppen und Schleiern, glitzernden Brautkronen und goldenen Stickereien schwelgen. Aber die Ausstellung "Evet - Ja, ich will!" will noch etwas anderes: Sie bringt Deutsche und Türken einander näher.

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Auch ein kostbarer osmanische Fächer aus dem 19. Jahrhundert ist in Dortmund zu sehen.

Rustikal: Das türkische Brautgewand aus Keles.

Prächtig: Die Lindhorster Tracht entstand um 1920.

Das Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) feiert seinen 125. Geburtstag. Und es schenkt den Besuchern diese sehenswerte Ausstellung über "Hochzeitskultur und Mode von 1800 bis heute". Eine Schau, die türkische und deutsche Exponate einander gegenüberstellt - und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Rechts die farbenfrohe westfälische Brauttracht von 1920, links der osmanische Brautmantel. Wunderschön sind beide.

"Evet - Ja, ich will" ist das erste interkulturelle Projekt seiner Art. "Das ist Völkerverständigung", sagte der türkische Genalkonsul Hakan Akbulut gestern. "Wir hatten uns immer ein prägnantes Thema gewünscht, um ein deutsch-türkisches Projekt zu verwirklichen", fügte Dortmunds Kulturdezernent Jörg Stüdemann hinzu. Und was wäre prägnanter als der "schönste Tag im Leben"?

100 historische Hochzeitsroben, aber auch Schleier und Diademe, Schuhe, Schmuck und osmanische Fächer (Foto) lassen einem nun auf 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche die Augen übergehen. Bei der Finanzierung halfen Sparkasse Dortmund und der Energieversorger DEW21 mit je 150 000 Euro. In enger Zusammenarbeit mit den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim haben 500 Exponate den Weg nach Dortmund gefunden.

Henna-Abend

Die ländliche Brauttracht aus Keles ist ebenso reizvoll wie das Hochzeitskleid mit Goldfadenstickerei aus dem Atelier Bindalli Nakis, wie es noch heute getragen wird. Und ganz nebenbei lernen wir türkische Bräuche kennen - zum Beispiel den Henna-Abend, eine Art von Junggesellinnen-Abschied. Zu den verblüffenden Gemeinsamkeiten der Kulturen gehört auch, dass die Brautkleider früher alles andere als weiß waren. Erst um 1820 setzte sich zuerst in Europa, später dann auch in der Türkei das helle Festkleid durch. Aber noch 1905 vermählte sich die Dortmunderin Helene Steinhausen (verh. Finkeldei) in einem extravaganten schwarzen Seidenkleid.

Keine Kostümparade

Außergewöhnlich sind auch die Roben, die Modedesignerinnen wie Anja Gockel entworfen haben. Aus privaten Kleiderschränken stammen nicht minder zauberhafte Exemplare. "Hinter vielen dieser Kleider verbergen sich bewusste Entscheidungen", betont Gisela Framke (MKK), die die Schau gemeinsam mit Petra Hesse-Mohr verantwortet. Die beiden weisen auf ein Brautkleid mit Hut hin - die Trägerin heiratete zum zweiten Mal und empfand einen Schleier nicht mehr als angemessen.

Der Dialog der Kulturen hebt die Ausstellung weit über eine Kostümparade heraus. Auch das letzte Kabinett mit den Berichten deutsch-türkischer Brautpaare vom Tonband gibt Denkanstöße. Dass alle Info-Materialien konsequent zweisprachig sind, lässt hoffen, dass auch viele türkischstämmige Besucher ins Museum kommen.

Nur eine kritische Anmerkungen sei erlaubt: Plakat und Titelbild des Kataloges zeigen ein Hochzeitsfoto, das eher für ein Brautmoden-Geschäft oder eine Hochzeitsmesse werben könnte. Das hat die Schau eigentlich nicht verdient. Museum für Kunst- und Kulturgeschichte Dortmund, Hansastraße 3, 17.8.2008 bis 25.1.2009, Katalog 19,90 €. Geöffnet Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr, Erwachsene 8 €, ermäßigt 5 €, Familienkarte 8 € bzw. 16 €. Eröffnung 16.8., 18 Uhr im Konzerthaus Dortmund. Tag der offenen Tür mit freiem Eintritt und buntem Programm 17.8., 10-18 Uhr. Führungen in deutscher Sprache: Do 18.30 Uhr, So 15 Uhr, 3 € zzgl. Eintritt. Führungen in türkischer Sprache: 17.8., 13.30 Uhr & 17 Uhr, sowie 11.9., 23.10., 6.11., 4.12., 22.1. um 18.30 Uhr. Familienführungen an jedem ersten Sonntag im Monat, 11 Uhr, Tel. (0231) 50 26 028. Umfangreiches Begleitprogramm zum Beispiel mit dem Theaterstück „Hochzeit alla turca“ oder dem Kabarettisten Fatih Cevikkollu.

 

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