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Wie wird man Fan?

Großer Fußball im Schlamm oder der Rausch des Spiels

DORTMUND Unser Redakteur Nico Drimecker fragt Menschen in der Region: Wie wird man Fußball-Fan? Bei einem Spiel der Nordstadtliga erlebt er großen Fußball im Schlamm, wird hineingesogen in den Rausch des Spiels. 600 Jungs aus 35 Nationen wollen nichts als Fußball spielen.

Großer Fußball im Schlamm oder der Rausch des Spiels

In der Nordstadtliga spielen 600 Jungs aus 35 Nationen in 30 Mannschaften.

Schlaff, schwer, nass hängen die Hosen und Shirts herunter, kleben am Körper der Jungs. Der Torwart der „Free Styler“ zieht die matschige, Regen getränkte Jogginghose hoch. Seit Stunden regnet es, Flüsse und Seen zerstückeln den Boden des Asche-Platzes, der Himmel ist grau, die Gesichter sind dreckig, abgekämpft, aber gezeichnet vom Rausch des Fußballs. Dieses Spiel der Nordstadtliga wirkt wie Showdown und Apokalypse.

Der Dortmunder Schauspieler Rainer Kleinespel und andere Fußball-Fans rieten mir, ein Spiel live anzugucken, wenn ich Fan werden will. Gesagt, getan. Am Wochenende war ich bei der Nordstadtliga am Jugendtreff Konkret. Das Spiel zwischen Free Styler und Street Diamonds sollte wegen Unbespielbarkeit des Asche-Platzes abgesagt werden. Aber die Jungs machen weiter. Sie wollen. Abdel Salhi, Spitzname Abdul, pfeift. Seit fünf Jahren macht er den Schiri. Der gebürtige Marokkaner sieht weniger abgekämpft aus als die Jungs. Die Ausnahme dieses Schiris: Er kommentiert auch. „Schöner Schuss“ oder „sauber gemacht“, sagt er. Es scheint mir mehr, dass der 35-Jährige vor allem das Spiel als Fan verfolgt und nebenbei pfeift. Er trainiert auch einige der Jugendlichen, etwa die Street Diamonds. Es ist ein U 18-Liga-Spiel, die Saison hat im Mai begonnen. Es ist die Vorrunde, etwa das 60. Spiel unter den 30 Mannschaften, die sich aus 600 Jungs und 35 Nationen zusammensetzen. Jedes Wochenende bis November pfeift Abdul Spiele, dann steht der Erstplatzierte fest.

Die Nordstadt-Jungs kicken Sechs gegen Sechs. Die Liga, oder zumindest diese Begegnung, hat alles vom „großen Fußball“. Doppelpässe, Tricks, Grätschen, alles im Dreck, der allen egal ist. Der Torwart springt zum Ball und landet in der Pfütze vorm Tor, ein Jugendlicher kickt mit dem rechten Fuß an der linken Wade vorbei den Ball kraftvoll ins Tor, wo das Leder ins Netz, dann in den Matsch klatscht. Ein Unterschied zwischen Nordstadt- und Profi-Fußball: Free Styler und Street Diamonds klagen weniger über Schiri-Entscheidungen als die Spieler, die zurzeit in Osteuropa kicken. Die Free Styler sind etwas verbissener, ärgern sich, wenn Pässe ins Leere gehen, obwohl sie nach zweimal 25 Minuten 23:2 gewinnen.

„Jeder darf in der Nordstadtliga mitspielen“, sagt Abdul. Auch ich, wäre ich jung genug. Das Fair-Play und besonders der Dreck sind verlockend. Es gibt Trend-Sportevents, die nennen sich zum Beispiel Indoor-Trail – wem das Laufen am Phönix-See zu monoton, zu unspektakulär, zu leicht ist, nimmt an solchen Hindernis-Parcours teil. Wem der normale große Fußball nicht reicht, der spielt in der Nordstadt-Liga. Schade, dass ich nicht mehr U 18 bin.

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