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Gutachter haben wenig Bedenken gegen neue Möbelhäuser

Möbelhaus-Ansiedlungen

Gleich zwei neue Möbelhäuser sollen in Dortmund entstehen. Zur Frage, welche Auswirkungen die Neuansiedlungen am Indupark und in der Nordstadt haben, gibt es jetzt Gutachter-Empfehlungen.

Dortmund

von Oliver Volmerich

, 05.07.2018
Gutachter haben wenig Bedenken gegen neue Möbelhäuser

Der Indupark von oben. Hier liegt auf der Wiese am oberen rechten Bildrand einer der möglichen Möbelhaus-Standorte. © Oskar Neubauer

Die Politik hat sich bislang schwergetan mit einer Entscheidung. Gleich zwei Möbelhäuser sollen in Dortmund neu gebaut werden – XXXLLutz mit rund 40.000 Quadratmetern an der Bornstraße/Hildastraße in der Nordstadt und Segmüller mit 45.000 Quadratmetern am Sorbenweg am Rande des Induparks.

Mehr Informationen wurden bei der letzten Beratung im Planungsausschuss gefordert. Die gab es am Mittwoch in geballter Form. Für beide Standorte trugen Gutachter die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zur wirtschaftlichen Verträglichkeit und zu den Auswirkungen auf den Verkehr vor.

Umsatzverluste im Umland zu erwarten

Das kurzgefasste Ergebnis: Die bestehenden Möbelhäuser im Umland müssten deutliche Einbußen bis zu 30 Prozent hinnehmen. „Sie bleiben aber trotz hoher Umsatzverluste leistungsfähig“, stellte Monika Kollmar von der Gesellschaft für Markt und Absatzforschung (GMA) fest, die die Auswirkungen des geplanten Segmüller-Möbelhauses am Indupark untersucht hat.

Etwas kritischer sieht die Lage ihr Fachkollege Jörg Lehnerdt von der Handelsberatung BBE. Wenn beide Vorhaben umgesetzt werden, schließt er „existenzgefährdende Umsatzrückgänge bei den großen regionalen Wettbewerbern“ nicht aus.

Einig sind sich beide Gutachter in der Einschätzung, dass der City und den Dortmunder Nebenzentren keine Gefahr droht. Denn die sogenannten zentrenrelevanten Sortimente in den Möbelhäusern – von Bettwäsche bis Bilderrahmen – sollen streng begrenzt werden. Betroffen von den Neuansiedlungen würden vor allem die großen Möbelhäuser jenseits der Stadtgrenze – die aus Dortmunder Sicht bislang Kaufkraft aus der Stadt abziehen.

Aktuell wird so nur 60 Prozent der Kaufkraft im Bereich Möbel durch Anbieter in Dortmund gebunden. Mit der Ansiedlung der beiden Möbelhäuser würde die Kaufkraft auf 138 Prozent steigen. In Bochum würde die Kaufkraft-Bindung im Möbelbereich nach Berechnungen der GMA von jetzt 137 auf 112 Prozent sinken, in Witten von 255 auf 198 sinken.

Regionalplan-Änderung ist nötig


Da ist es verständlich, dass es aus den Nachbarstädten Bedenken gegen die Neuansiedlungen gibt. Im regionalen Arbeitskreis für den Einzelhandel gab es deshalb keinen Konsens. Muss es auch nicht. Was Dortmund aber braucht, ist die Zustimmung aus anderen Städten zur nötigen Änderung des Regionalplans in der Regionalversammlung.

Denn bislang liegen die Flächen für beide Ansiedlungen im Freiraum oder landwirtschaftlichen Bereich. Wenn der Plan wie gewünscht geändert wird, wären die Spielregeln des Regionalen Einzelhandelskonzepts eingehalten, betont Planungsdezernent Ludger Wilde.

Verkraftbar ist nach Ansicht der Verkehrsgutachter für beide Standorte der zusätzliche Autoverkehr, der mit den Möbelhäusern verbunden wäre. Der Standort Bornstraße/Hildastraße würde schon mit einer veränderten Ampelschaltung funktionieren, erklärte Gutachter Michael Vieten vom Büro IGS – und das auch ohne die als „Nordspange“ geplante Straße über die Westfalenhütte, die nicht vor 2025 fertig sein wird.

Verkehrsfluss im Indupark könnte verbessert werden

Etwas aufwendiger wäre es, die Straßen und Kreuzungen im Bereich Indupark für die Ansiedlung des Segmüller-Möbelmarktes fit zu machen. Aber auch das wäre mit neuer Ampelschaltung und zusätzlichen Spuren für Linksabbieger möglich, ist Verkehrexperte Philipp Ambrosius überzeigt. „Es kann an mehreren Knoten des Induparks trotz Verkehrszunahme sogar eine Verbesserung der heutigen Situation erreicht werden“, stellt er fest.

Gleichwohl sah die Politik bislang vor allem die Segmüller-Ansiedlung am Sorbenweg kritisch. Ob das so bleibt, wird sich im September zeigen, wenn die Politik eine Entscheidung über beide Standorte treffen soll.

Entsprechend legte sich Reinhold Güterbier als Vorstandssprecher des Familienunternehmens Segmüller ins Zeug, harte Argumente ins Feld zu führen. Er versprach mit einer 100-Millionen-Investition in Dortmund nicht nur „ein Möbelhaus der Extraklasse“, sondern auch 600 bis 800 Arbeitsplätze, von denen nicht zuletzt auch bislang Langzeitarbeitslose profitieren sollen.

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