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"Wilo-Valley"

Hier entsteht Dortmunds ungewöhnlichstes Städtebauprojekt

HÖRDE Es erinnert fast ein bisschen an Google: Pumpenhersteller Wilo will im Projekt "Vision 2020" in Hörde für seine Mitarbeiter einen eigenen Campus bauen: mit Unternehmensmuseum, Kindertegsstätte und Freizeitmöglichkeiten für die Mitarbeiter. Damit alles auf die geplante Fläche passt, baut Wilo auch gleich eine neue Straße.

Hier entsteht Dortmunds ungewöhnlichstes Städtebauprojekt

So könnte der geplante Wilo-Campus aussehen.

Da gibt es aus erster Hand Informationen über eines der ungewöhnlichsten Städtebauprojekte seit langem in Dortmund. Und was machen die Bürger? Sie ignorieren das. Als Wilo am Donnerstagabend seine ambitionierten Pläne für den Wilo-Campus im Bürgersaal der Bezirksverwaltungsstelle Hörde vorstellt, kommt nur eine Handvoll Interessierter. Was das Projekt nicht weniger bedeutend hat.

Wilo verändert mit dem Umbau seines Hauptsitzes innerhallb der nächsten vier Jahre das Bild eines markanten Teils von Hörde. Nichts bleibt unangetastet. Es entstehen neue Produktionshallen, die dann "Smart Factory" heißen. Und eine neue Verwaltungszentrale, die nicht zu übersehen sein wird, wenn man aus Richtung Süden nach Dortmund fährt. 

Unternehmen baut eine neue Straße

Und weil die Nortkichenstraße, Ende der 1950er-Jahre eröffnet, ziemlich störend mittendurch läuft, baut das Unternehmen einfach eine neue Straße. Diese soll dort entstehen, wo heute noch ein aus Resten der Hörder Hermannshütte aufgeschütteter Wall zwischen Phoenix-West und dem Wilo-Gelände liegt.

"Wir müssen auch wachsen, weil wir effektiver werden müssen", sagt Architekt Martin Linge-Boom aus dem "Group Location Management" des Unternehmens. "Wir haben großen Handlungsdruck. Die neue Produktion muss Mitte 2019 stehen." In Hörde, "genau hier", hätten sie "das Know-How für das, was wir brauchen", sagt er.

Deshalb die große, die umständliche, die insgesamt rund 100 Millionen Euro teure Lösung, die weit über die Sphäre des Unternehmens hinaus wirkt. Bemerkenswert ist vor allem die Verlegung der Straße, die allein etwa zehn Millionen Euro kostet.

Eine Art Tauschgeschäft

Im Falle von Wilo gibt es eine Art Tauschgeschäft. Die heutige Nortkirchenstraße wir privatisiert und erhält eine kontrollierte Einfahrt. Mitarbeiter, Fußgänger, Radler und die Busse der Linie 440 dürfen weiter durch – nach 22 Uhr, danach wird die Straße abgeschlossen. Alle anderen bekommen eine neue Umfahrung mit insgesamt drei Kreisverkehren.

Diese müssen sie mit 60 bis 80 Schwertransportern teilen, die das Wilo-Gelände täglich ansteuern. Das städtische Stadtplanungsamt, am Donnerstag ebenfalls mit Vertretern vor Ort, schließt deshalb nicht aus, dass sich Verkehr in Richtung Phoenix-West verlagern wird. Die heutige Nortkirchenstraße befahren zwischen 8000 und 10 000 Fahrzeuge pro Tage.

Kleingärten bleiben unangetastet

Die Bürger, die da sind, haben durchaus konkrete Fragen. Etwa, ob die benachbarten Kleingärten unangetastet bleiben (bleiben sie). Oder, ob sich die Situation für Radfahrer auf der dann privaten Nortkirchenstraße verändert (wird sie nicht). Ein Besucher wundert sich über den Begriff der "Vision 2020", mit dem Wilo in einer offiziellen Präsentation wirbt. "Sie haben recht. Es ist unsere klare Absicht, das zu tun", sagt Martin Linge-Boom. Für mehr kritischen Dialog fehlt schlicht das Plenum.

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