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Historisch oder neu?

SYBURG Ist die Reichsmarkstraße eine historische Straße, oder wird sie derzeit erstmalig ortsüblich ausgebaut? Die Antwort auf diese Frage ist für ihre Anwohner bis zu 40.000 Euro wert.

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Syburger wollen kein Pflaster auf der Reichsmarkstraße.

Alte Karten dienen als Beweis: Roswitha Clemens (vorn) und Ellen Hülsebusch wollen mit Karten und Dokumenten belegen, dass die Reichsmarkstraße bereits in der Vergangenheit erstmalig hergestellt war.

"Wenn wir für die Baumaßnahmen unserer mehr als 100 Jahre alten Straße wie in einem Neubaugebiet Erschließungsbeiträge in Höhe von 90 Prozent aller Kosten zahlen müssen, kommen auf einige Anlieger fast 50 000 Euro zu", verdeutlicht Georg Christoph Lichtenberg am Rande einer Anwohnerversammlung die Dimension der Zahlungen. "Das können sich viele ältere Leute, die hier wohnen, nicht leisten. Einzelne denken schon an Verkauf."

Vielleicht eine historische Straße

Würde die Straße als historische Straße anerkannt, die vor Inkrafttreten des Bundesbaugesetzes am 30.06.1961 bereits ortsüblich ausgebaut war, könnte die Stadt lediglich Straßenbaubeiträge geltend machen. Erfahrungsgemäß liegen diese deutlich unter 5000 Euro pro Grundstück.

Grund genug für mehr als 20 Anwohner, mit anwaltlicher Unterstützung nach den historischen Ursprüngen ihrer Straße zu forschen. "Die Geschichte der Straße und des Ortsteils spricht für Sie. In solchen Verfahren entscheidet oft die bessere Recherche", ermuntert Rechtsanwalt Alexander Puplick seine Mandanten zur Geschichtsforschung.

Stunde um Stunde hat Ellen Hülsebusch deshalb schon Archive durchforstet und alte Akten zusammengetragen, die belegen sollen, dass die Reichsmarkstraße bereits im 19. Jahrhundert erstmalig ausgebaut wurde und zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Feuerwehr sowie 28 Wohnhäusern für die damalige Zeit einen Siedlungsschwerpunkt darstellte.

Ungeliebtes Pflaster

"Seit Monaten wollen wir mit städtischen Vertretern über den Straßenbau sprechen und Akteneinsicht erhalten", sagt die 72-Jährige. Doch bisher ohne Erfolg. Denn abgesehen von der Frage der Beitragspflicht wollen die Anwohner auch bei der Art des Ausbaus mitreden. "Wir wollen keine gepflasterte Straße. Dann ist der durchfahrende Verkehr noch lauter und schneller als heute schon", vertritt Ellen Hülsebusch die Meinung zahlreicher Nachbarn.

Doch statt angehört zu werden, rollen Bagger vor ihren Haustüren und bereiten den Ausbau der Straße vor, auf den sie seit Jahrzehnten gewartet haben, den sie in der geplanten Form aber nicht wollen.

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