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Vicente Castillo versteigert sein Kunstwerk

Hombrucher Künstler spendet für das Gast-Haus

Hombruch Seit Dienstag steht Vicente Castillos Kunstwerk in der Boutique Elisa im Hombrucher Zentrum zur Versteigerung bereit. Er hofft auf viele Gebote – und, dass die Botschaft ankommt.

Hombrucher Künstler spendet für das Gast-Haus

Der Künstler Vicente Castillo (2.v.r.) hofft gemeinsam mit Katrin Lauterborn (l., Gast-Haus), Tanja Höher (2.v.l., Boutique Elisa) und Jens Küchenthal (r., Boutique Elisa) auf zahlreiche Gebote für das Kunstwerk „El camino“. Foto: Carolin West

Der Weg – so heißt Vicente Castillos Kunstwerk „El camino“ auf Deutsch. Dazu inspiriert hat ihn der Jakobsweg, den er im März dieses Jahres ging (wir berichteten). Und mit seinem Kunstwerk, einer circa 120 Zentimeter hohen, 60 Zentimeter breiten und 40 Zentimeter tiefen Stele, möchte er nun Gutes tun. Gutes in Form einer Versteigerung zugunsten der Wohnungslosen-Initiative „Gast-Haus statt Bank“.

Und da ist die Spende sehr willkommen. „Wir sind ja ein rein spendenfinanzierter Verein“, erzählt Katrin Lauterborn, die Geschäftsführerin der Wohnungslosen-Initiative. „Es gibt zwar aktuell kein akutes Projekt, für das wir das Geld brauchen, aber für den täglichen Bedarf benötigen wir immer etwas.“ Der tägliche Bedarf, das sind vor allem Lebensmittel und Medikamente.

Im vergangenen Jahr nahmen 110.000 Menschen die Angebote des Gast-Hauses in Anspruch. Eine halbe Million Euro an Spendengeldern war 2017 für die Versorgung aller Gäste nötig. „Wir bekommen viele Sachspenden, wie Lebensmittel, und all unsere Mitarbeiter sind Ehrenamtliche“, erklärt Katrin Lauterborn das geringe pro Kopf Budget von circa 4,50 Euro.

Im Gast-Haus ist man Mensch

Trotzdem müssen ja erst einmal 500.000 Euro zusammenkommen. Einen Beitrag dazu möchte Vicente Castillo leisten. Der Künstler aus Schönau hat sich das Gast-Haus aus einem bestimmten Grund als Spendenempfänger ausgesucht: „Ich weiß, was dort geleistet wird“, sagt er, „dass da Menschen zu Zeiten für die Obdachlosen im Einsatz sind, zu denen andere noch schlafen. Und im Gast-Haus wird jeder bedient. Man ist dort Mensch – egal, woher man kommt.“

Solche Orte habe er auch auf seiner Pilgerreise gesucht. „Aber ich wusste ja, dass ich nur für eine gewisse Zeit unterwegs bin, und dann wieder nach Hause kann“, sagt Vicente Castillo.

Hombrucher Künstler spendet für das Gast-Haus

Das Kunstwerk „El camino“ trägt die Botschaft, die es vermitteln soll, in schwarzen Lettern und drei Sprachen auf seiner Vorderseite: „Europa ist auf der Pilgerschaft geboren“. Foto: Carolin West

Diesen Luxus haben die meisten Besucher des Gast-Hauses nicht. Wobei inzwischen nicht mehr nur Obdachlose die Einrichtung aufsuchen. „Armut wird differenzierter, beispielsweise durch Altersarmut“, sagt Katrin Lauterborn. „Zu uns kommen die, denen nach allen Abzügen nichts mehr von ihrer Rente bleibt.“ Grundsätzlich sei jeder im Gast-Haus willkommen. Menschen aller Nationalitäten und Kulturen, jeden Alters und vor allem Menschen mit verschiedenen Schicksalen.

95 Prozent friedlich

Trotz aller Unterschiede gehe es im Gast-Haus aber meist friedlich zu. „Natürlich gibt es auch Ärger bei so vielen Menschen auf engem Raum, aber das macht nur etwa fünf Prozent der Zeit aus“, sagt Katrin Lauterborn. Die Gäste regulieren sich selbst, denn alle möchten sich zuhause fühlen.

Die Initiative „Gast-Haus statt Bank“ sei in ihrer Komplexität deutschlandweit einzigartig, so Lauterborn. Neben Essen und medizinischer Versorgung bietet das Gast-Haus unter anderem Gesprächskreise, die Möglichkeit, sich zu duschen oder Wäsche zu wechseln an. „Dortmund ist aber generell eine sehr engagierte Stadt mit vielen, die sehr gute Arbeit leisten.“

Jeder kann mitbieten

Das Kunstwerk, dessen Versteigerungserlös die Initiative unterstützen soll, steht seit Dienstag im Schaufenster der Boutique Elisa im Hombrucher Zentrum. „Wir haben hier eine große, präsente Fläche“, sagt Tanja Höher, der das Geschäft gemeinsam mit Jens Küchenthal gehört. Zu den Öffnungszeiten der Boutique (montags bis freitags von 9.30 Uhr bis 18 Uhr, samstags bis 15 Uhr) kann jeder ein Gebot für das Kunstwerk abgeben.

„Das ist nicht nur eine Stele“, sagt Vicente Castillo, „sie soll auch eine Botschaft vermitteln. Gerade jetzt, wo Europa so ein Thema ist.“ Und diese Botschaft steht auch auf dem Kunstwerk: „Europa ist auf der Pilgerschaft geboren“. Will heißen: Jeder ist willkommen.

Wer ein Gebot für das Kunstwerk „El camino“ abgeben möchte, kann dies in der Boutique Elisa an der Harkortstraße 50 tun.

Dort liegen entsprechende Zettel aus, auf denen man Gebot und Kontaktdaten eintragen kann.

Das Mindestgebot liegt bei 1500 Euro.

Es können sowohl Privatpersonen als auch Firmen mitbieten.

Alle Gebote werden bis Mittwoch (27.6.) um 12 Uhr in einer Box in der Boutique gesammelt.

Der gesamte Erlös kommt der ökumenischen Initiative „Gast-Haus statt Bank“ zugute.

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