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Wie wird man Fan?

Hoppys Karriere begann mit gestopften Socken

DORTMUND/HOLZWICKEDE Die Fußballgeschichte von "Hoppy" begann auf der Straße, wo noch Schutt zerbombter Häuser lag. Von der Straße zum FC Merkur 07 und von dort aus zum BVB. So wurde er Fußballstar. Und Fan. Der mobile Reporter Nico Drimecker hat den Dieter Kurrat getroffen und gefragt: Wie wird man Fan?

Hoppys Karriere begann mit gestopften Socken

Dieter "Hoppy" Kurrat (70) spielte erfolgreich für den BVB.

„Die Power ist raus“, sagt die 70-jährige BVB-Legende. Für den Fußball schon lange, vor 40 Jahren endete seine Karriere als Mittelfeldspieler und Verteidiger beim BVB. Aber auch für das Restaurant „Hoppy’s Treff“ reicht die Kraft nicht mehr.

Heute sitzt Hoppy dort regelmäßig als Gast. Vor einem halben Jahr hat er seine Wirtschaft an seinen damaligen Koch, Karsten Hönes, abgegeben. Noch immer schlägt das Herz des Ur-Dortmunders für den BVB, ein wenig auch für den „Treff“ an der Ecke der Kreuzung in Holzwickede. Obwohl sein Herz schwächer geworden ist. Wenn er heute ein Spiel des BVB von der Haupttribüne West verfolgt, fährt er danach oft in „Hoppy’s Treff“.

Wie man zum Fußball-Fan wird, ist für Hoppy, den hier im „Treff“ alle duzen, klar: „Wir hatten damals nichts Anderes.“ Drum wurden die alten Socken in der Dortmunder Nordstadt zum Ball und die Konservendosen für Erbsen und Möhren auf dem Asphalt zu Pfosten.  So kämpften sie um Tore, auch damals beim Spiel Sunderweg gegen Schillerstraße. „Da haben uns dann ein paar 14-, 15-Jährige angehauen: Kommt doch zu uns in den Verein!“ Für einen Jahresbeitrag von ein paar Mark spielte Hoppy auf einem richtigen Rasen, ein Trikot des FC Merkur 07 gab’s auch dazu. Die Stollen an den Schuhen haben die Jungs zum Teil beim Schuhmacher machen lassen oder sich selbst geholfen. „Dann ging es rund, jeden Samstag.“  

 Schon bevor Dieter Kurrat das erste Mal den Sockenball ins Dosentor schoss, schaute er Cowboyfilme, am liebsten „Hopalong Cassidy“. Der amerikanische Schauspieler William Boyd verkörperte die Filmfigur. „Der hat ’se alle fertig gemacht, die Räuber.“ Vom Namen „Hopalong“ wurde „Hoppy“ abgewandelt. Wie für den Cowboy im Film war für Kurrat auf dem Grün kein Gegner zu stark. Hoppy war flink, schnell. Er trat gegen Weltklassespieler an, Wolfgang Overath, Eusébio. „Die habe ich alle ausgeschaltet“, sagt Hoppy trocken.

Erinnerungen an diese Zeit hängen viele in der Gaststätte. Die Nische mit zwei Tischen rechts vom Eingang ist Hoppy’s Ecke: An der Wand hängen Schwarzweiß-Fotos, Wimpel und in einem Glaskasten Stecknadeln mit den Wappen vieler Vereine. Aber sein Stammplatz ist an einem anderen Tisch.  Bis er 15 war, spielte er beim FC Merkur 07. Die drei Kilometer zum Sportplatz musste er laufen – ein Training vor dem Training. „Auch zu den Auswärtsspielen musste ich zu Fuß“, sagt er. „Fahrrad hatten wir nicht.“

Auswärts wurde er schließlich entdeckt, Spiel: Merkur gegen BVB. Er spielte Werner Fialkoswki aus, der damals für die erste Mannschaft vorgemerkt war. „Das war ein starker Mann. Den hab ich stehen lassen.“ Grund für BVB-Trainer Max Merkel, ihm zu sagen: „Komm zu uns!“ Kurz darauf spielte Dieter „Hoppy“ Kurrat in der Verteidigung und im Mittelfeld der ersten Mannschaft des BVB. Und fährt viele Erfolge ein. Allen voran den ersten Europapokalsieg 1966. „Das war das größte Ding außer Weltpokal.“

Nur ein wenig Wehmut kommt auf, wenn Hoppy an 1963 denkt. „Da hätten wir auch schon den Double-Sieg haben können.“ Erlebt hat er ihn trotzdem. Als Fan. 

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