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Totengebet auf Parkplatz

Islamischer Gemeindevorstand räumt mit Gerüchten auf

DORTMUND In Oestrich, Nette und Mengede kursieren Gerüchte über Totengebete der dortigen Türkisch-Islamischen Gemeinde. Verstorbene würden auf einem Supermarkt-Parkplatz im offenen Sarg aufgebahrt. Jetzt hat der Gemeindevorstand beim Ortstermin mit Gerüchten aufgeräumt.

Islamischer Gemeindevorstand räumt mit Gerüchten auf

Der Supermarkt-Parkplatz, auf dem die Totengebete stattfinden. Rechtlich ist daran nichts zu beanstanden.

Nachbarn wollten deshalb wegziehen, weil sie die vielen Toten nicht mehr sehen könnten. Am Dienstag gab es daraufhin ein Gespräch vor Ort mit dem Gemeinde-Vorstand, der Polizei und der Friedhofsverwaltung. Ergebnis: So wie in der Öffentlichkeit kolportiert, ist es nicht.

Seit nunmehr 30 Jahren verabschiedet die Türkisch-Islamische Gemeinde zu Mengede ihre Toten auf einem privaten Supermarkt-Parkplatz gegenüber der Mevlana-Camii-Moschee an der Hansemannstraße in Oestrich.

Vorsitzender erklärt den Ablauf

Das Prozedere hat der 1. Vorsitzende Muharrem Pazar den Behörden und dieser Redaktion gegenüber so erklärt: Stirbt jemand in der Gemeinde, wird die Sterbeversicherung angerufen, die alle Gemeindemitglieder haben. Die wiederum beauftragt ein Beerdigungsinstitut aus Köln, das den Verstorbenen abholt und zur Waschung in eine Moschee in Lünen-Brambauer bringt. „Wegen wiederholter Beschwerden durften wir das seit 2003 in unserer Moschee nicht mehr“, berichtet Muharrem Pazar. Danach wird der Verstorbene in einem fest verschlossenen Sarg auf den Parkplatz des Supermarktes gefahren, der der Gemeinde gehört.

Der geschlossene Sarg wird dort auf einen Tisch gestellt, die beiden Zugänge für Fahrzeuge und Fußgänger werden mit einem Sichtzaun verstellt. Der Sarg sei als solcher nicht zu erkennen, da er seit drei Jahren aufgrund einer EU-Vorschrift mit einer schwarzen Folie umwickelt werden muss, so der Gemeindevorstand.

Das etwa 20-minütige Totengebet, zu dem die Gemeinde per SMS nach dem Mittagsgebet zusammengerufen wird, muss nach muslimischem Glauben unter freiem Himmel stattfinden. Das können Bewohner eines benachbarten Mehrfamilienhauses von den drei obersten Balkonen einsehen.

Klagen und Tränen

Häufig müssen sie das allerdings nicht tun; denn seit 1986 sind 115 Menschen in der Gemeinde gestorben, davon 85 Männer, für die das Totengebet abgehalten wird. Dabei kommt es auch schon mal zu lautem Klagen und Tränen. Im Schnitt geschieht das knapp dreimal im Jahr.

Anfang dieses Jahres, räumt der Gemeinde-Vorsitzende ein, sei eine Trauerfeier aus dem Ruder gelaufen, als während einer Hochzeit die Brautmutter im Krankenhaus gestorben war und 500 Menschen zum Totengebet kamen. Die Gemeinde ist sehr offen. Pazar hat Polizei und Friedhofsverwaltung beim Ortstermin angeboten, dem nächsten Totengebet beizuwohnen, um sich selbst ein Bild zu machen.

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