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Jetzt stehen die Frauen im Fokus

„Phoenixsee“-Set

Eineinhalb Jahre nach der Ausstahlung der ersten Staffel dreht der WDR an der Fortsetzung der Serie „Phoenixsee“: Die Lebenswelten zwei Hörder Familien prallen darin aufeinander.

Hörde

von Hannah Schmidt

, 27.06.2018
Jetzt stehen die Frauen im Fokus

Nach über einem Jahr Pause geht die Serie „Phoenixsee“ weiter – mit den gleichen Darstellern, jedoch dramatischen Wendungen. © Oliver Schaper

In Bertram Jockes Wohnzimmer ist es eng. Rund zwei Dutzend Menschen stehen oder hocken hinter Vorsprüngen, auf der Treppe und in Türrahmen und halten angespannt Ruhe für den nächsten Take. Bertrams Darsteller Robert Dölle und Stephan Kampwirth, Darsteller von Birger Hansmann, warten derweil in der Einfahrt. Auf jeden zusätzlichen Menschen in dem Gedränge am Set reagieren die Produzenten gereizt, verständlicherweise, da bleibt jeder, der kann, lieber unten.

Die beiden Hauptdarstellerinnen, Birgers Frau und Bertrams Liebhaberin Katharina (Nike Fuhrmann) und Mikes Frau Sybille (Anna Stieblich), sprechen dort oben, beim Blick über den spiegelglatten See, nur wenige Sätze in das an einer Angel herabhängende Mikrofon: „Er muss doch irgendetwas gesagt haben“ – „Er sagte, ich soll die Palmen gießen“ – „Er hat doch gar keine Palmen“ – „Alles, was grün ist, sind bei ihm Palmen“.

Nur mit Handkameras

Es ist die zweite Einspielung der kurzen Szene an diesem Dienstagmittag, Darsteller und Filmteam arbeiten jetzt seit dem Morgen und voraussichtlich noch bis spät am Abend. Die Produzenten drehen die insgesamt rund 270 Minuten „Phoenixsee“ in sportlichen 42 Tagen – was deshalb geht, weil nur mit Handkameras gearbeitet wird, und immer mit zwei Geräten gleichzeitig. Beginn der Dreharbeiten war am 4. Juni, gerade ist Halbzeit.

Drehbuchautor Michael Gantenberg zieht in den neuen Folgen die Daumenschrauben am Schicksal der Figuren fester und fester. Schon mit jeder zusätzlichen Episode der ersten Staffel schlug man als Zuschauer mit immer größerer Geste die Hände über dem Kopf zusammen über die unverständlichen Entscheidungen der Figuren. Doch: „Es geht noch schlimmer“, verrät Gantenberg. Am Mittagspausen-Klapptisch bemüht er sich, nicht allzu sehr zu spoilern, wenn er die neuen Entwicklungen grob umreißt:

Mike Neurath (Felix Vörtler), der in der Hoffnung aufs große Geld die Abfindungen seiner ehemaligen Kollegen verzockt hat, geht – ein fiktives Jahr nach der letzten Folge der ersten Staffel – wieder zur Schule, um seinen Meister zu machen und so seine Existenz zu retten.

Birger Hansmann wurde inzwischen von seiner Frau verlassen, die ihr Studium beendet hat und als Diplom-Betriebswirtin ein neues Leben beginnt. Standen in der ersten Staffel die Männer im Vordergrund, geht es in der zweiten eher um die Frauen. Denn: „Ja, es stimmt, das Frauenbild der ersten Folgen war durchaus konservativ“, sagt Gantenberg. „Jetzt gehen sie Wege, die extrem überraschend sind, sie nehmen das Zepter in die Hand. Vor allem Katharinas Geschichte ist eine Geschichte der Emanzipation“ Diese Umfokussierung sei von Anfang an geplant gewesen, und „selbstverständlich“ laufe alles auf eine dritte und möglicherweise noch weitere Staffeln hinaus.

Heimat, Sinnkrise, Emanzipation

Für die Darsteller bedeutet das, an den Entwicklungsstand ihrer Figuren von vor über einem Jahr andocken zu müssen und sie gleichzeitig in verschärften Extremsituationen weiterzuentwickeln. Birger beispielsweise „ist ein Mensch, der alles verloren hat, und den wir am tiefsten Punkt seines Lebens treffen“, sagt Stephan Kampwirth.

Die Figur des Rückkehrers, der sich in seiner alten Heimat als ein Fremder wiederfindet, gar in eine tiefe Sinnkrise stürzt, ist dabei hochaktuell: „Er verkörpert eine Spurensuche: Wo ist deine Heimat? Kann das nach 20 Jahren der Ort deiner Kindheit sein? Birger scheitert vor allem daran, in seiner alten Heimat nicht wahrgenommen zu werden.“

Die Herausforderung für seine Ex-Frau Katharina besteht dagegen vor allem darin, ihr Leben als „moderne“ Frau neu zu managen: „Das muss sie erst lernen: Es bedarf irre viel Kommunikation und Konzentration – denn alle beginnen, an ihr zu zerren“, sagt Nike Fuhrmann. Sybille dagegen, die ebenfalls eine neue Arbeit antritt, „gibt ihre Wertvorstellungen nicht auf“, sagt Anna Stieblich.

„Wenn Emanzipation bedeutet, dass sich die Vorzeichen ändern, dann ist Sybilles Geschichte mit Katharinas nicht vergleichbar. Da trifft eher Tradition auf New Wave.“ Was aus Mike wird, dem „Ruhrgebiets-Peter-Pan“, wie ihn Gantenberg nennt? Laut Gantenberg verliert er „seine Frau aus den Augen und riskiert seine Ehe, und als er es merkt, ist es zu spät“. Felix Vörtler ist aber überzeugt: „Entliebt hat er sich nie.“

Die neuen Folgen von „Phoenixsee“ sollen im April 2019 laufen. Wieder werden es nur sechs Folgen sein, die aber voraussichtlich nicht in Zweierpaketen, sondern einzeln gesendet werden. Auch sind die Folgen wenige Minuten kürzer: etwa 45 Minuten. Weitere Informationen unter www.wdr.de
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