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Jugendamt: Abmahnung und 20 neue Leute im Januar

DORTMUND Er wollte lieber einem Kind helfen, anstatt Akten zu verwalten, sagt verdi. Jetzt hat der Mitarbeiter der Jugendhilfe eine Abmahnung bekommen. 23 Kollegen solidarisierten sich mit ihm und erstatteten Selbstanzeige. Die Amtsleitung betont aber: Es gibt keinen Zusamenhang zwischen der Unterbesetzung im Amt und dieser Abmahnung.

Jugendamt: Abmahnung und 20 neue Leute im Januar

Amtsleiter Ulrich Bösebeck: Im Januar sitzen die versprochenen 20 neuen, zusätzlichen Mitarbeiter an ihren Schreibtischen.

Der Hintergrund ist brisant, weil man weiß, dass das Dortmunder Amt hoffnungslos überlastet ist. Gestern war Mitarbeiterversammlung. Und die, so betont Jugenddezernentin Waltraud Bonekamp, stimme sie trotz allem zuversichtlich: „Die Leute haben mitbekommen, dass wir uns bemühen." Mit den 23 Kollegen werde man reden, sagt Jugendamtsleiter Ulrich Bösebeck. Natürlich habe der Kindesschutz immer Vorrang vor irgendwelchen Akten.

Aber Bösebeck machte gestern ganz klar: „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen dieser Abmahnung und der Situation im Jugendhilfedienst.“ Und dann erklärt er „ganz grundsätzlich“: „Eine Abmahnung erfolgt immer dann, wenn man trotz vorherige Konfliktgespräche seiner Arbeit nicht nachkommt.“

Die Amtsspitze äußerte ansonsten Verständnis für Unmut und Reizbarkeit angesichts der Dauerbelastung, aber es gibt Licht am Horizont: 20 zusätzliche Vollzeitstellen hatte die Gemeindeprüfanstalt (beauftragt 2006 nach Mitarbeiterdemonstrationen) als notwendig erachtet, damit die bisher knapp 100 Mitarbeiter ihrer Arbeit vernünftig nachkommen können. 14 Stellen davon sind vergeben, sechseinhalb davon von außerhalb. Insgesamt gab es 180 Bewerbungen. Die restlichen sind nun ausgeschrieben. Sie beziehen sich auf Leitungsfunktionen. Auch diese Mitarbeiter sollen noch im Januar an ihren Schreibtischen sitzen.  Die neuen, aber auch alle bisherigen Mitarbeiter sollen geschult werden, um fit zu werden für ihre Arbeit: Jugendhilfe-Fachbereichsleiter Bodo Weirauch: Wir sind gut darin, zu erkennen, wenn jemand Hilfe braucht, und sie dann anzustoßen. Aber wir sind verbesserungsfähig, wenn es darum geht, nach- zuhalten, wie die Maßnahmen greifen.“ Das Geld werde in den Haushalt eingestellt.

Dass das Geld in jedem Fall gut angelegt ist, beweisen diese Zahlen: 1200 Kinder bekamen ambulante Hilfen des Jugendamtes im letzten Jahr, 590 Kinder wurden in einem Heim untergebracht, 750 kamen in Pflegefamilien. Weitere 3000 Kinder in Dortmund profitierten von einer „Beratungsarbeit“. Die tägliche Praxis sieht vor dem Hitnegrund dieser Fallzahlen manchmal so aus. Bodo Weirauch: Ich habe das Amt um 11 Uhr verlassen, bin zu einem Termin. Da hatten wir noch acht frei Plätze in Bereitschafts-Pflegefamilien. Als ich um 15. 30 Uhr wieder zurück kam, waren alle acht Plätze vergeben.“ Acht „Fälle“ , in denen die Mitarbeiter der Jugendhilfe Mädchen und Jungen aus akuten Notsituationen befreien mussten.

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