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Lebensmittelkontrollen in Dortmunder Gastronomien

Kontrolleure verteilen mehr als 2000 Verwarnungen

Dortmund Ob altes Frittierfett oder Zigarettenkippen in der Küche – beim Einblick in die Ekel-Akten der Lebensmittelkontrolleure dürfte sich bei vielen Verbrauchern der Magen umdrehen. In einer Studie zur Sauberkeit in deutschen Lebensmittelbetrieben schneidet Dortmund im Städtevergleich schlecht ab.

Kontrolleure verteilen mehr als 2000 Verwarnungen

In einer Kantine wird frittierter Fisch ausgegeben. Altes Fett in der Fritteuse zählt zu den Klassikern, die Lebensmittelkontrolleure in Küchen beanstanden. Foto: dpa

Auch wenn das Glas, das Besteck und der Teller sauber sind, sind Hygieneprobleme in Dortmunder Lebensmittel- und Gastronomie-Betrieben keine Seltenheit. Im Jahr 2016 überprüften die Dortmunder Lebensmittelkontrolleure 3141 der damals 7663 Betriebe in der Stadt. Bei mehr als der Hälfte hatten sie Beanstandungen.

Das ist das Ergebnis einer deutschlandweiten Studie des Produkt- und Preisvergleichsportals „billiger.de“. Die Studie stützt sich zum großen Teil auf Daten, die rund die Hälfte von 110 angefragten Städte selbst geliefert haben. Danach wurden im Schnitt 31 von 100 Betrieben bemängelt.

Platz 12 des Ekel-Rankings

Mit 53 Prozent beanstandeter Betriebe steht Dortmund schlechter als der Durchschnitt da und landete auf Platz 12 des Ekel-Rankings. Angeführt wird die Negativliste vom rheinland-pfälzischen Pirmasens. Hier wurden von je 100 geprüften Betrieben knapp 84 beanstandet. Mühlheim dagegen liegt mit einer Beanstandungsquote von drei Prozent deutlich unter dem ermittelten Studienschnitt.

Die Stadt bewertet die Dortmunder Zahlen anders als die Studie. Stadtsprecher Maximilian Löchter weist auf Anfrage darauf hin, dass kleinere Mängel, die in der Dortmunder Gastronomie bei den meisten Kontrollen festgestellt und als „Verstoß“ vermerkt werden, oft Bagatellen seien.

In 2016 stellten die Kontrolleure in Dortmund 1667 solcher Verstöße fest. Dagegen würden stadtintern nur solche Mängel als „Beanstandung“ klassifiziert, die eine Nachkontrolle erforderlich machten, erläutert Löchter.

61 Bußgeldverfahren

Die Lebensmittelkontrolleure des Dortmunder Ordnungsamtes sprachen im Studien-Jahr 2021 Verwarnungen (mit und ohne Verwarnungsgeld) aus und leiteten 61 Bußgeldverfahren ein. Geschlossen wurde kein Betrieb.

Die aktuelleren Zahlen für das Jahr 2017 ergeben nach Sichtweise der Stadt ebenfalls ein anderes, deutlich besseres Bild als das der Portal-Studie für 2016. Laut Löchter erfolgten in öffentlichen Gastronomiebetrieben (Speisegaststätten, Imbisse, Schankwirtschaften und Cafes/Milchbars/Eisdielen) 1993 Kontrollen, die 368 Nachkontrollen notwendig machten, teilweise mehrere in demselben Betrieb.

Nur 20 Prozent mit Nachkontrolle

Nicht einmal jede fünfte Kontrolle endete damit in einer Nachkontrolle, stellt Löchter fest. Im Umkehrschluss bedeute das, dass es in 80 Prozent keine „Beanstandungen“ im oben genannten Sinn gab. „Dies - und nicht etwa 53 Prozent - ist ein reeller Wert“, betont Löchter.

Von den insgesamt 2.361 Kontrollen in 2017 habe es in 928 Fällen bereits bei der Plankontrolle und der ersten Nachkontrolle keine Mängelfeststellung gegeben. Löchter: „Das sind immerhin fast 40 Prozent, was abermals darauf hindeutet, wie möglicherweise fragwürdig die Daten der Online-,Studie' sein dürften.“

Gastronomen sind kooperativ

Stuttgart - auf Platz 9 des Rankings - hat 84 seiner 5610 kontrollierten Betriebe (teil-)geschlossen. Dortmund ist in keinem Fall soweit gegangen. Eine Betriebsschließung stelle wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Gewerbetreibenden “einen erheblichen sanktionellen Eingriff dar“, erläutert der Stadtsprecher: „Hierzu müssen schon erhebliche Verstöße vorliegen und eine Gefährdung der Verbrauchergesundheit wahrscheinlich oder wenigstens sehr plausibel sein.“

Fälle dieser Größenordnung seien eher selten, sagt Löchter, „und meistens, so die Erfahrung in Dortmund, sind dann die Gewerbetreibenden kooperativ und schließen freiwillig.“

Die Datengrundlage

- Grundlage für die Rankingbildung waren zwei entscheidende Kennziffern: die Anzahl der Betriebe mit Verstößen sowie die Anzahl aller kontrollierten Betriebe einer Stadt.

- Aus beiden Angaben wurde anschließend die sogenannte Beanstandungsquote gebildet.

- Das Problem: Viele Städte konnten oder wollten die gewünschten Informationen nicht liefern, darunter Essen, Oberhausen und Bochum. Von 110 Städten legten nur 57 die Karten auf den Tisch und stellten entsprechende Daten zur Verfügung. - Dortmund gehörte zu den Städten, die Auskunft gegeben haben.

- Teilweise wurden für weiterführende Informationen auch die Verbraucherschutzministerien und Statistikämter der jeweiligen Länder kontaktiert.

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