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Loveparade: Streit um Zahlen-Schummelei

DORTMUND Unser Exklusiv-Bericht über die Schummelei um die Loveparade-Besucherzahlen sorgte am Mittwoch für viel Gesprächsstoff. „Ich hab‘ doch immer gesagt, das waren nie 1,6 Mio.“ , wird sich mancher im Nachhinein bestätigt sehen. Stadtdirektor Ulrich Sierau aber hält an der Zahl fest.

Loveparade: Streit um Zahlen-Schummelei

Auf die gesamte Veranstaltungsfläche passen keine 640 000 Menschen ? höchstens übereinander?

Erbost rief er in unserer Redaktion an und stellte das Experten-Gutachten, nachdem „nur“ rund 850 000 Menschen zur Mega-Technoparty nach Dortmund kamen, in Frage. Er selbst war mit dem Veranstalter über die Stadt geflogen, hatte knapp die doppelte Menge geschätzt. Bestätigt werden die 850.000, die ein Forschungsprojekt zum Thema „Risiko Großveranstaltung“ ermittelte, aber auch von den (geschätzten) Zahlen des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr. Angesichts der Tatsache, dass viele Züge völlig überfüllt waren, geht man dort von rund 800.000 transportierten Loveparade-Besuchern aus. Rechnet man die Autofahrer und Dortmunder Teilnehmer dazu, wäre eine Zahl von rund 1 Mio. realistisch. Polizei-Einsatzleiter Dieter Keil hält persönlich 850.000 Besucher als Minimum für realistisch, macht aber deutlich, dass es „für die Polizei keine Veranlassung gab, die offiziell genannte Zahl von 1,6 Mio. Besuchern in Frage zu stellen.“ Die Expertise kommt zum Ergebnis, dass „die vom Veranstalter genannten 1,6 Mio. Teilnehmer auch zeitversetzt keinen Platz auf den Flächen gefunden hätten“. Kleine Beispielrechnung: Nehmen wir an, dass auf der gesamten Float-Strecke (1,6 km) auf einer Breite von 100 Metern die Menschen extrem gedrängt gestanden hätten (vier auf einem Quadratmeter), hätten dort 640.000 Menschen Platz gefunden. Aber: alle B1-Spuren zusammen sind nicht einmal halb so breit. Der Streit um die Zahlen ist ein gefundenes Fressen für die FDP/Bürgerliste im Rat. Die Trickserei bei den Besucherzahlen sei ein weiterer Beleg, dass er es mit Zahlen und Fakten nicht so genau nehme. Dass sich Stadt und Veranstalter jetzt gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben sei unredlich, meint FDP-Ratsherr Thomas Gerber.

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