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IS-Propaganda-Video

Mutmaßlicher Dortmunder ruft zu Anschlägen auf

DORTMUND In einem am Freitagabend im Netz veröffentlichten Propaganda-Video in deutscher Sprache ruft ein jüngerer Mann zu Anschlägen in Europa auf. Zuvor beteiligt er sich in dem rund achtminütigen Film an öffentlichen Bestrafungen auf dem Gebiet des Islamischen Staates. Der Mann stellt sich in dem Film als "Christian aus Dortmund" vor. Was wir wissen - und was nicht.

Mutmaßlicher Dortmunder ruft zu Anschlägen auf

Der mutmaßliche Dortmunder Christian tritt in einem Propagandavideo des sogenannten "Islamischen Staats" auf.

Um was geht es in dem Video?

Es ist ein klassisches Propagandavideo des IS und professionell gestaltet. „Christian aus Dortmund“ gibt in dem Video an, im Oktober 2012, nach einem Gebet in der Nähe seiner Wohnung, zum Islam konvertiert zu sein. Zuvor hätte er sich einer lebensbedrohlichen Bauchoperation unterziehen müssen, in dieser Situation sei er zum Islam gekommen. In dem Video beteiligt er sich dann an den genannten Bestrafungen und erklärt, warum der Islamische Staat der einzig richtige, weil rechtgeleitete Staat sei.

Zum Ende hin ruft der Mann, der sich inzwischen Abu Issa al-Almani nennt, zu Attacken von Einzeltätern auf. Er erwähnt Anschläge in Deutschland, Frankreich, in Brüssel und in Orlando. Mit gewählten Worten und in einem nicht unsympathischen Tonfall spricht er seine letzten Sätze in dem Video: „Diese Menschen eilten zur Tat. So nimm sie dir zum Beispiel und zur Hilfe für die Religion.“ Alleine in Orlando starben in einem Club 49 Menschen.

Gibt es Hinweise, von wann dieses Video ist und wo es gedreht wurde?

Im Abspann gibt es eine arabische Datumsangabe, ihr zufolge wurde der Film zwischen Oktober 2015 und September 2016 gedreht. Die genannten Bezüge auf die Attentate in Brüssel oder Orlando machen es wahrscheinlich, dass das Video wenige Wochen oder Monate alt ist. Wahrscheinlich wurde es im syrisch-irakischen Grenzgebiet gedreht.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Mann aus Dortmund kommt?

Unklar. Die Polizei kennt das Video und ermittelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass er im Bezug auf seinen Herkunftsort die Wahrheit sagt, scheint allerdings nicht groß. „Leute, die es wagen, in solchen Videos aufzutreten, gehen in jedem Fall davon aus, identifiziert zu werden“, sagt Heiner Vogel. Vogel ist Politikwissenschaftler aus Freiburg, er betreibt den Fachblog „Erasmus Monitor“ und beschäftigt sich seit Jahren mit dieser Szene.

Seit wann gibt es solche Propagandafilme? Und: Ist an diesem etwas besonders?

Propagandafilme in deutscher Sprache gibt es schon länger. So professionell allerdings erst seit Anfang 2013. Das sagt Heiner Vogel. Damals seien mehrere Deutsche in den Irak oder nach Syrien gereist, um dort islamistische Gruppen zu unterstützen.

Einige von ihnen sind mittlerweile tot, andere haben sich verschiedenen Gruppen, unter anderem eben auch dem IS, zugewandt. Und auch dort wird weiter Propagandamaterial produziert, das heute nur ein paar Klicks entfernt auf dem Handy oder dem Rechner abrufbar ist.

Wie stark ist die islamistische Szene in Dortmund?

In Dortmund, heißt es von offizieller Seite, gebe es keine feste oder sich verfestigende radikale islamische Szene, wie sie etwa in Wuppertal, Dinslaken und Solingen bestehen oder bestanden. Und doch gibt es Hinweise. So wurde vor fast genau drei Jahren im September 2013 ein sogenanntes Brunnenfestival in der Nähe des Fredenbaumparks gefeiert. Dort traten die damaligen Stars der salafistischen Szene, unter anderem Pierre Vogel und Sven Lau, auf.

Seit Jahren wird in der Innenstadt der Koran verteilt. Durch diese „Lies-Kampagne“ werden Neumitglieder geworben. Diverse Koranverteiler der bundesweiten Verteilaktion reisten später in den Irak oder nach Syrien aus, einige starben. Ums Leben kam in den Kampfgebieten Iraks oder Syriens in der jüngeren Vergangenheit auch ein junger Bochumer. Der Deutsche war zum Islam konvertiert und hatte sich in einer Moschee in der Nordstadt radikalisiert.

Inzwischen sollen sich radikale Islamisten eher in Wohnungen treffen, um dort weitgehend unbeobachtet missionieren zu können – am 10. August dieses Jahres wurde die Wohnung eines Predigers in der östlichen Innenstadt durchsucht, zeitgleich gab es Durchsuchungen in weiteren NRW-Städten und in Niedersachsen.

Was wird in Dortmund unternommen?

In Dortmund gibt es seit Ende 2015 eine Geschäftsstelle des Präventionsprogramms „Wegweiser“ des NRW-Verfassungsschutzes. Zwei Sozialarbeiter dienen als Ansprechpartner für Lehrer, Mitschüler und auch Angehörige von Jugendlichen und jungen Menschen, die dabei sind, in die radikal-salafistische Szene abzurutschen. Dass die Geschäftsstelle in Dortmund eröffnet wurde, sei, so Dortmunds Ordnungsdezernentin Diane Jägers, ein „Glücksgriff für die Stadt“. Es gebe zahlreiche Anfragen.

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