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Tierschutz

Nach Angriffen auf Herde: Schäfer bittet Hundehalter um Rücksicht

WICKEDE / KURL Vermutlich ein Husky hat auf einer Weide in Wickede 12 Schafe angegriffen. Ein Tier musste sterben - ein trächtiges Schaf verlor ein Junges. Die Eigentümer der Herde haben jetzt eine Bitte an Hundehalter.

Nach Angriffen auf Herde: Schäfer bittet Hundehalter um Rücksicht

Martin Rudack zeigt ein Foto, das ein schwer verletztes Schaf zeigt. Der Schäfermeister musste das Tier töten, um es zu erlösen: Keime waren durch die große Wunde eingedrungen und hatten eine Infektion ausgelöst. Der Hund hatte dem Muttertier das Fell abgerissen.

Die Kriminalpolizei fahndet jetzt nach dem oder den unbekannten Hundehaltern. Mehr Infos:

WICKEDE / KURL Der tödliche Angriff eines Hundes auf eine Schafherde am 30. Januar war nicht die erste Attacke auf Schafe in diesem Jahr in Wickede. Bereits Anfang Januar hatte ein Hund eine kleinere Herde eines anderen Schäfers angegriffen und mehrere Tiere schwer verletzt. Jetzt fahndet die Polizei nach den Hundehaltern.mehr...

Der Angriff auf die Herde von Ute und Martin Rudack war nicht der erste Angriff auf Tiere des Zuchtbetriebs aus Kurl. Im Februar 2012 jagte ein Hund eine Herde von Sölde bis Aplerbeck. Im Herbst 2013 folgte ein frei laufender Hund in Asseln seinem Jagdtrieb - und jetzt der Angriff auf die Herde trächtiger Tiere in Wickede. Ute und Martin Rudack wollen nicht länger schweigen. In einem Videofilm richten die Schäfermeister an Hundehalter auch diese Botschaft:

Am 30. Januar 2014 saß das Ehepaar um 22.30 Uhr im Wohnzimmer vor dem Fernseher, als das Telefon schellte. Ein Landwirt aus dem Nachbar-Stadtteil Wickede meldete sich und informierte die beiden Schäfermeister darüber, dass ein frei laufender Husky eine Herde des Kurler Zuchtbetriebs auf seinen Hof getrieben habe. Die jugendlichen Söhne des Bauern hinderten die 100 verängstigten Tiere an der weiteren Flucht.

Die Hunde-Halterin hatte ihren Husky "aus den Augen verloren", wie sie den beiden Jugendlichen berichtete - dann soll sie ihren Hund wieder angeleint haben und davon gegangen sein. Erst am nächsten Tag stellten Ute und Martin Rudack das Ausmaß des Angriffs fest: Mehrere Tiere hatten tiefe Bisswunden erlitten. Einem Schaf hatte der Hund Teile des Fells abgezogen. Ein trächtiges Tier verlor später sein Junges.

Die Herde stand auf einer abgezäunten Weide, als der Hund auf entlegenem Terrain zur Jagd ansetzte. Dann sei Panik ausgebrochen. "Die Tiere müssen Todesangst gehabt haben", berichtet Martin Rudack. Mit aufgerissenen Mäulern hätten sie, auf dem Bauernhof angekommen, kauernd in einer Ecke nach Luft geschnappt. Der Schäfermeister: "Ein großer Teil der Herde war mit Blut überschmiert. Die Tiere hatten Wunden am Kopf und auf den ersten Blick nicht erkennbare Wunden unter der Wolle."

Bei einer anschließenden Suche entdeckte das Ehepaar, das 1978 mit zwei Schafen einen eigenen Zuchtbetrieb aufgebaut hat, eine weiteres Schaf an einem Waldrand. "Es stand apathisch auf einem Weg, wurde mehrfach gebissen und blutete stark", berichtet Ute Rudack. Die Schäfermeisterin kann die unbekannte Hundehalterin nicht verstehen: "Wegen der schlechten Erfahrung mit Hunden informieren wir die Polizei immer darüber, wo unsere Herden stehen. Hätte die Frau uns über die Polizei verständigt, hätten wir schwer verletzte Tiere sofort erlösen können."

"Auch bei solchen drastischen Bildern, die wir ansehen müssen, geht es uns nicht um den wirtschaftlichen Verlust", sagt Ute Rudack, "vielmehr wollen wir Hundehaltern, die ihre Tiere nicht anleinen, mit auf den Weg geben, dass sie Verantwortung auch gegenüber anderen Tieren haben." - "Aber offenbar hört die Tierliebe an der eigenen Hundeleine auf", ergänzt Martin Rudack. Er betont, dass eine Schafherde einem jagenden Hund schutzlos ausgeliefert sei.

Eine angegriffene Schafherde bildet vor einer Flucht zunächst in kreisförmigen Bewegungen eine Traube, um die innen stehende Mehrheit zu schützen. "Keins der Schafe will außen stehen", sagt Ute Rudack. Dann sei die Herde über einen Elektrozaun geflüchtet. "Die vordersten Tiere werden von hinten durch das Hindernis geschoben", berichtet Martin Rudack über die Panik der "hochtragenden" Schafe, die etwa zehn Tage später im Stall in Kurl ihre Jungen "lammen" (Fachbegriff für die Geburt) sollten. Wie es in dem Stall der beiden Schäfermeister aussieht, zeigt diese Fotostrecke:

Ein Blick in den Schafstall von Ute und Martin Rudack

Kurz nach dem Angriff eines Hundes hatte ein trächtiges Schaf der Herde zehn Tage vor dem eigentlichen Geburtstermin dieses Lamm verloren.
Blick in den Stall der Schäfermeister Rudack in Kurl.
Vereinzelt sind auf diesen Schafen Farbspuren zu erkennen. Dabei handelt es sich um einen Farbabrieb, den der Bock bei der Paarung hinterlassen hat. Der Bock ist zuvor markiert worden. So können die Schäfer die Schwangerschaften besser zuordnen.
Betreten Unbekannte den Stall, ziehen sich die Tiere fluchtartig zurück. Nach einigen Minuten dominiert die Neugierde. Vorsichtig tasten sie sich heran.
Die 750 Rudack-Schafe sind in Dortmund im Münsterland unterwegs, um die Landschaft abzugrasen. Anders als Rasenmäher verbrauchen sie keinen Strom und kein Benzin.
Die trächtigen Tiere leben während der fünf Monate dauernden Schwangerschaft im Freien. Kurz vor dem "Lammen" kommen sie in den Stall. Das Tier links hat über der Schulter noch einen Blutfleck, der von einem Hind verursacht worden ist.
Diese Schafe sind auch als Landschaftspfleger unterwegs: Sie halten in der Natur die Grasnarbe kurz und verdichten den Boden.
Die Lämmer wachsen bei den Muttertieren auf. tagsüber dösen sie gerne, abends drehen sie im Stall auf und toben einmal den Akku leer, bevor Nachtruhe einkehrt.
Die Schäfermeister Ute und Martin Rudack besitzen 750 Tiere. Sie stehen im Stall und leben frei auf Weiden.
Schafe sind Herdentiere. Lock- und Leitschafe - wie dieses neugierige Schaf - laufen an der Spitze der Herde.
Ein neugieriges Schaf im Stall Rudack in Kurl.
Der Hund, der dieses Schaf angefallen hat, hatte sich regelrecht in dem Tier verbissen.
Ein Lamm im Stall der Familie Rudack.
Erst schüchtern, dann neugierig: Die Lämmer im Stall der Familie Rudack.
Diese Lämmer sind zehn Wochen alt.
Diese Lämmer sind zehn Wochen alt.
Martin Rudack zeigt das Bild eines schwer verletztes Schafs.
Ein zehn Wochen junges Lamm im Stall in Kurl.
Dieses Lamm ist zehn Wochen alt.
Viel fressen und gemütlich durch den Tag gehen: Die Wiederkäuer sind friedliche Tiere.
Martin Rudack im Stall in Kurl. Der Schäfermeister ist täglich bei den Tieren.
Diesem Schaf hat ein Hund im vergangenen Jahr ein Ohr abgebissen.

Die Polizei hat inzwischen eine Anzeige aufgenommen. Juristisch handelt es sich um eine Sachbeschädigung. Den wirtschaftlichen "Schaden" beziffern die Züchter auf 120 Euro für das tote Muttertier, 50 Euro für das tot geborene Jungtier und 200 Euro für den beschädigten Elektrozaun. Viel wichtiger ist den beiden Schäfermeistern die Bitte an die Hundehalter: "Leint die Hunde an, wenn Schafe in der Nähe sind."  





 

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