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Symptome bei Demenz

Nicht immer ist es Alzheimer

Dortmund Ein Patient berichtete dem Psychiater Dr. Harald Krauß, er befürchte, an Demenz erkrankt zu sein. Sein Gedächtnis würde immer schlechter. Was der Mann nicht wusste: Er war hochgradig zuckerkrank.

Nicht immer ist es Alzheimer

Demenz ist eine Krankheit, die jeden treffen und die ganz vielfältige Ursachen haben kann. Oft können hinter vermuteten Demenz-Erkrankungen auch ganz andere körperliche Ursachen stehen. Foto: picture alliance / dpa

Demenz ist nicht gleich Demenz, auch wenn 60 Prozent der Erkrankten an Morbus Alzheimer leiden. Bei dieser Form bilden sich im Gehirn des Betroffenen bereits viele Jahre, bevor erste klinische Symptome sichtbar werden, Plaques, stark veränderte Protein-Ablagerungen. Bisher ist nicht ganz geklärt, warum es zu diesen krankhaften Ablagerungen kommt. Der Patient, der Dr. Harald Krauß, Chefarzt der psychiatrischen Klinik am Marien-Hospital in Hombruch um Rat fragte, hatte keine Demenz. Er konnte jedoch gleich weitergeleitet werden zu Dr. Klemens Sondern, Diabetologe und Chefarzt der Inneren Medizin im Marien-Hospital. Der Blutzuckerwert bei dem Mann lag bei 500, normal wäre ein Nüchternwert bis 100 gewesen. Die Vergesslichkeit verschwand mit der richtigen medikamentösen Einstellung des Diabetikers.

Nicht immer ist es Alzheimer

Dr. Harald Krauß ist Chefarzt der Psychiatrie im Hombrucher Marien-Hospital. Foto: Archiv

Rund 1000 Demenzerkrankte jährlich werden von den Ärzten in der Institutsambulanz der Hombrucher Psychiatrie betreut. Wie wichtig zunächst gründliche Untersuchungen zur richtigen Einordnung der möglichen Erkrankung sind, zeigen auch diese Fälle: Eine 85-jährige Patientin wurde in der Psychiatrie stationär aufgenommen. Sie galt als hochgradig dement. Dr. Krauß veranlasste eine Untersuchung im Magnetresonanztomografen (MRT), bei der ein gutartiger Tumor festgestellt wurde. Dieser war bereits so groß, dass er das Gehirn zur Seite drängte. Die Frau starb daran. „Das zeigt, man braucht immer erst eine Bildgebung. Wäre die Patientin frühzeitig operiert worden, hätte sie keine Demenz entwickelt“, sagt Harald Krauß.

In einem anderen Fall wurde eine Frau aus einem Altenheim eingeliefert: Sie trinke und esse nichts mehr. Sie müsse hochgradig dement sein. Die Ärzte in der psychiatrischen Klinik bezweifelten dies und ordneten ein psychologisches Testverfahren zur Ermittlung von Depressionen an. Die Behandlung ihrer Depression war so erfolgreich, dass die Patientin wieder im Kirchenchor sang, so wie sie es immer gemocht hatte.

Blutanalyse und Messung der Gehirnströme

Um herauszufinden, ob ein Patient tatsächlich dement ist und unter welchen Formen er möglicherweise leidet, gehören neben bildgebenden Verfahren und der psychologischen Leistungstestung grundsätzlich eine Blutanalyse und gegebenenfalls die Messung der Gehirnströme sowie die Entnahme von Nervenwasser. Hinter demenzieller Symptomatik könnten auch Schilddrüsenerkrankungen, Durchblutungsstörungen, hoher regelmäßiger Alkoholkonsum, Medikamentenmissbrauch und mehr stecken, sagt Krauß.

Es gibt schnell verlaufende Formen wie die Lewy-Körper-Demenz, die eigenständig entstehen kann oder in Folge einer Parkinson-Erkrankung, und die sich langsam entwickelnden Formen. So können zehn Jahre und mehr vergehen zwischen ersten Anzeichen, dem Verlegen von Dingen und beginnender Vergesslichkeit, über zunehmende Orientierungslosigkeit und Nicht-mehr-Erkennen von Angehörigen bis zu kompletter Bettlägerigkeit und Inkontinenz. Anfangs könnten Betroffene ihren Alltag noch gut bewältigen, so der Psychiater, dann ändert sich plötzlich nur eine Kleinigkeit und alles läuft aus dem Ruder. Krauß nennt ein Beispiel: „Auf der gewohnten Fahrt zum Supermarkt gibt es unverhofft eine Baustelle, die mit einer kleinen Umleitung leicht umfahren werden könnte. Für einen Demenzkranken ist das eine Überforderung. Er findet sich statt vor dem Dortmunder Supermarkt plötzlich in Münster wieder.“

Demenz bleibt auf unabsehbare Zeit unheilbar

Die meisten Betroffenen sterben nicht an ihrer Demenz, sondern an den Folgen, an Immunschwäche wie Lungenentzündung oder an Komplikationen nach häuslichen Unfällen. Oder sie erleben eine Verschlimmerung ihrer Verwirrtheit infolge von OP-Narkosen.

Demenz bleibt auf unabsehbare Zeit unheilbar. Harald Krauß bezeichnet die Forschung als ein „einziges Fiasko“. Zwar wisse man immer mehr über die Entstehungsprozesse, doch von der Entwicklung wirksamer Medikamente sei die Pharmaindustrie noch weit entfernt.

Die Krankheit beschleunigt sich durch falsche Ernährung und zu niedrige Trinkmengen. Pflegenden Angehörigen empfiehlt Dr. Krauß, einem Demenzkranken besser über den ganzen Tag verteilt kleine Essensportionen hinzustellen und Gläser mit Wasser oder Tee. Der Chefarzt zieht gerade vor pflegenden Angehörige symbolisch den Hut: „Was sie leisten, ist heroisch und geht oft über die eigene Erschöpfungsgrenze hinaus.“

Demenz lässt sich nicht verhindern, aber durch Vorbeugung weit hinausschieben. Regelmäßige Bewegung hilft, mediterrane Kost ist gut, soziale Kontakte sind wichtig, ständig Neues erlernen ebenso.

Als extrem Demenz-fördernd gelten vor allem Alkohol und andere Drogen.

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