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Nicole Heusinger aus Oespel schreibt über Lesben, Sex und Sadomaso

Erotik-Roman

Ein Jahr lang hat Nicole Heusinger neben ihrem Job den Erotik-Roman „In deinem Besitz“ geschrieben. Neben vielen positiven Erfahrungen seither gibt‘s auch eine Kehrseite.

Oespel

von Andreas Schröter

, 06.07.2018
Nicole Heusinger aus Oespel schreibt über Lesben, Sex und Sadomaso

Nicole Heusinger ist ein Vermarktungsprofi in eigener Sache. Sogar ihr Auto hat sie mit dem Titel ihres Buches versehen. Es gibt außerdem Flyer, Lesezeichen und Sektflaschen (auf dem Autodach) mit dem „In-deinem-Besitz“-Schriftzug. © Andreas Schröter

Nicole Heusinger hat gleich zwei Jobs: Zum einen arbeitet sie als Kaufmännische Angestellte in der Familien-Kfz-Werkstatt Wenda & Heusinger, zum anderen ist sie freie Schriftstellerin. Ihr erster größerer Roman heißt „In deinem Besitz: Unbekannte Sehnsucht“ und ist ein lesbischer BDSM-Roman.

Mit „Fifty Shades of Grey“ nicht zu vergleichen

„Spätestens seit ,Fifty Shades of Grey‘ ist das doch in der Gesellschaft angekommen“, sagt die 37-Jährige. Im Klappentext des Romans heißt es: „Alex ist Anfang zwanzig, neugierig und spürt eine immerzu wiederkehrende, unbekannte Sehnsucht. Auf ihrer Suche trifft sie Cass, die ihre Begierde gleich erkennt und sie auf eine Reise in die Tiefen ihrer Seele mitnimmt.“

Ihr Roman sei nicht mit „Fifty Shades of Grey“ zu vergleichen, sagt die Autorin. Ihr seien die zwischenmenschlichen Beziehungen ihrer beiden Hauptfiguren besonders wichtig. Sie wolle zeigen, dass BDSM nichts mit Gewalt oder Brutalität zu tun habe, sondern – im Gegenteil – mit einer besonders intensiven Form von Vertrauen und Offenheit.

Schreiben sei schon immer ihre Leidenschaft gewesen. Bereits als Kind habe sie Geschichten verfasst – zur Freude ihrer Deutschlehrer, die immer sehr zufrieden mit ihren Aufsätzen gewesen seien.

Nahe am Burnout

Nachdem sie in den vergangenen Jahren einige kürzere Texte verfasst hatte – zumeist Krimis – sei in ihr irgendwann der Plan gereift, einen Roman zu schreiben.

Und das habe sie dann eben ab 2016 ein ganzes Jahr lang in die Tat umgesetzt: tagsüber arbeiten, nachts bis 2 oder 3 Uhr schreiben.

Sie sei ein Mensch, der mit wenig Schlaf auskomme. Dabei habe sie das Schreiben nie als (selbst auferlegten) Zwang gesehen – eher im Gegenteil. Oft sei sie dem Schreibfieber derart verfallen gewesen, dass sie sich nur mit Mühe davon habe losreißen können.

Im Dezember 2017 war das Buch fertig – 400 Seiten. Sie selbst sei zu dieser Zeit untergewichtig gewesen und habe nahe am Burnout gestanden, sagt Nicole Heusinger heute. Und noch einen weiteren Preis musste sie zahlen: Viele ihrer Freunde haben sich von ihr abgewandt, weil sie keine Zeit für Treffen mit ihnen hatte. „Jetzt weiß ich immerhin, wer wirklich meine Freunde sind“, sagt sie.

Die eigene Familie als Testpublikum

Erstes Testpublikum bei einer kleinen Lesung in der Autowerkstatt sei die eigene Familie gewesen – was sicherlich angesichts des Themas etwas heikel gewesen sei. Aber alles sei gut gegangen und sie habe positives Feedback und einige Tipps bekommen, was sie beim Lesen noch besser machen könne.

Wobei: Eigentlich wollte Nicole Heusinger nie selbst an einer öffentlichen Lesung teilnehmen. Sie sei eher ein Mensch, der lieber im Stillen arbeite und sich nicht gerne vor Publikum präsentiere.

Einladung in die „L-Beaches“ an der Ostsee

Der Plan ging nicht auf. Irgendwann erhielt sie eine Einladung von den Veranstaltern des „L-Beaches“ am Weißenhäuser Strand an der Ostsee. Das ist ein Treffen in erster Linie für lesbische Frauen und Transpersonen. Nicole Heusinger sollte dort aus ihrem Roman lesen. „Ich bin total in Panik geraten“, sagt sie heute, „dann habe ich mich hingesetzt und das Lesen geübt.“

Am 13. April – ausgerechnet einem Freitag – war‘s soweit, und alles ging gut. Etwa 70 Frauen hörten zu – und das, obwohl nebenan die beliebte deutsche Band Balou spielte.

Nicole Heusinger hat das Taschenbuch über Amazon drucken lassen und arbeitet für das E-Book nun mit der Firma BOD (Books on demand) zusammen. Darüber habe sie innerhalb von drei Monaten immerhin 500 bis 600 Stück verkauft und 1500 Euro dabei verdient.

Ein Marketingprofi

Die Autorin legt großen Wert auf Werbung und Marketing. Es gibt Lesezeichen, Flyer, Sektflaschen mit entsprechendem Etikett, kleine Filme und mehr, die allesamt auf „In deinem Besitz“ hinweisen. Sogar ihr Auto hat sie mit entsprechendem Werbeschriftzug ausgestattet (siehe Foto oben), und in der Autowerkstatt gibt es Hinweise auf das Wirken der Autorin.

Das Buch allerdings liegt dort unter der Theke. Es zeigt auf dem Cover eine gefesselte Frau, und das wäre dann vielleicht doch nicht so gut, falls Kinder die Werkstatt betreten, sagt sie.

Ob es eine Fortsetzung von „In deinem Besitz“ gebe, sei noch nicht klar. Momentan verhindere ein Gefühlschaos in ihrem Leben das Weiterschreiben an diesem Thema. Aber vielleicht schreibe sie einen ganz normalen lesbischen Liebesroman. Sie wolle sich künftig ohnehin nicht auf ein Genre festlegen lassen.

„In deinem Besitz“: 400 Seiten, Independently published, Taschenbuch, 12,99 Euro, ISBN: 978-1973274520. Als E-Book: Books on demand (BOD), 8,99 Euro, ASIN: B07B4D8PCL.
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