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SOS Kinderdorf bald in Dortmund

Noch in diesem Jahr ziehen die ersten Kinder ein

DORTMUND An der Kronprinzenstraße im Dortmunder Kaiserstraßenviertel entsteht ab Mai das erste SOS-Kinderdorf-Zentrum im Ruhrgebiet. Es soll Familien, Kindern und Gruppen dienen. Möglichen Bedenken von Anwohnern steuern die Verantwortlichen bereits entgegen.

Noch in diesem Jahr ziehen die ersten Kinder ein

An der Kronprinzenstraße entsteht ab Mai das SOS-Kinderdorfzentrum. Noch steht das ehemalige Verwaltungsgebäude einer Bau-Genossenschaft leer, doch noch in diesem Jahr – nach einer grundlegenden Sanierung – werden hier die ersten Kinder einziehen. Im Flachbau (rechts) soll die Kita entstehen, im Hauptgebäude ist Platz für die Familien- und Klärungsgruppe sowie für Büroräume. Foto: Dieter Menne

Die zukünftigen Nachbarn sind informiert. In den Briefkästen entlang der Kronprinzenstraße lagen zu Beginn dieser Woche Zettel, verteilt vom SOS Kinderdorf, darauf einige Informationen unter der Überschrift: „Wir bauen ein neues Zuhause für Kinder.“ Gemeint ist damit ein Kinderdorfzentrum, das im leer stehenden Gebäude-Ensemble an der Kronprinzenstraße 89-93 entstehen wird. Es wird die erste Einrichtung dieser Art im gesamten Ruhrgebiet sein.

Bis Mai 2019 ziehen unter dem Dach von SOS Kinderdorf eine Kindertageseinrichtung, eine Kinderdorffamilie, eine Klärungsgruppe und eine Begegnungsstätte zusammen. „Wir erhoffen uns dadurch eine Aufwertung des Stadtteils“, sagt Einrichtungsleiterin Gabriele Polle. Doch was bedeutet diese Ansiedlung konkret für die Stadt und das Kaiserstraßenviertel?

Noch in diesem Jahr ziehen die ersten Kinder ein

Das SOS Kinderdorf eröffnet an der Kronprinzenstraße im Kaiserstraßenviertel sein erstes Kinderdorfzentrum im Ruhrgebiet. Einrichtungsleiterin Gabriele Polle freut sich auf die Eröffnung. Foto: Michael Nickel

In der Kita soll Platz für knapp 60 Kinder von 0 bis 6 Jahren sein, die 25, 35 oder 45 Stunden pro Woche betreut werden können. „Die Kinder werden eine feste Zuordnung zu einer Gruppe haben, sich aber in der Kita frei bewegen können“, sagt Gabriele Polle. Gesunde Ernährung spiele eine große Rolle, es werde frisch gekocht – und Inklusion sei nicht nur möglich, sondern erwünscht. „Wir haben schon sieben Anfragen von Nachbarn“, so Polle.

Zwar laufe der offizielle Vergabeprozess noch nicht, Eltern können aber schon per Mail ihr Interesse bekunden. Im Mai 2019 sollen die Kinder in die Kita einziehen. Und ungefähr zeitgleich sollen auch Räume für ein Begegnungszentrum inklusive Stadtteilcafé fertig sein. „Hier sollen zum Beispiel Müttergruppen oder auch ältere Menschen hingehen können. Als unkomplizierte Möglichkeit, sich zu begegnen“, sagt Gabriele Polle. Man sei noch auf der Suche nach Kooperationspartnern, die die Räume zukünftig nutzen möchten.

Die Bauarbeiten am Gebäudekomplex sollen schon im Mai beginnen. SOS Kinderdorf nimmt für das Projekt mehrere Millionen Euro in die Hand, das Gebäude wird saniert und erweitert, es wird eine Außenanlage geben. Ende 2016 ist der Vertrag mit der Stadt geschlossen worden, die eine Anfrage dieser Zeitung zur Bewertung des Projektes unbeantwortet ließ.

Dortmund schnell in der engeren Auswahl

Schon seit rund drei Jahren befasse sich der eingetragene Verein laut Polle mit Plänen, ins Ruhrgebiet zu expandieren. Und Dortmund sei nach den üblichen Analysen von Bedarf und Sozialstruktur schnell in die engere Auswahl gerückt. „Uns war aber klar, dass wir in den Innenstadt-Bereich wollen“, so Polle. Eine entsprechende Immobilie in diesem dicht bebauten und begehrten Bereich zu finden, ist aber gar nicht mal so einfach. Dann aber ist das ehemalige Verwaltungsgebäude der Bau-Berufsgenossenschaft frei geworden, in das die Einrichtung nun einzieht.

Nicht nur Heimat für Waisenkinder

Bekannt dürfte SOS Kinderdorf vor allem als Heimat für Waisenkinder sein. „Das ist heute aber anders als früher“, sagt Polle. Denn mit Kinderdorffamilien und Klärungsgruppen ist SOS Kinderdorf schon länger in deutschen Großstädten angekommen.

So werden auch im Kaiserstraßenviertel sechs Kinder ab zwei Jahren dauerhaft bei einer Kinderdorfmutter aufwachsen. Diese Familie zieht kurz nach der sogenannten Klärungsgruppe ein, die noch Ende dieses Jahres hier ihr neues Zuhause finden soll.

„Es handelt sich bei der Klärungsgruppe um Kinder, bei denen das Jugendamt der Einschätzung ist, dass sie vorerst nicht in ihren Familien bleiben sollen“, so Polle. Und bis geklärt ist, wo die Vier- bis Zehnjährigen dauerhaft unterkommen, finden bis zu sieben von ihnen für einige Monate im Kinderdorf-Zentrum ein Zuhause – inklusive Aufklärung, Diagnostik und Zusammenarbeit mit den Eltern.

Es könnte laut werden

Ob die Jungen und Mädchen aus schwierigen Verhältnissen für Unruhe im Viertel sorgen könnten? Gabriele Polle verneint mögliche Bedenken von Anwohnern: „Bisher haben wir zum Beispiel in Frankfurt und Berlin nur positive Erfahrungen gesammelt. Es gab nie nennenswerte Probleme und auch keinen Ärger mit der Nachbarschaft“, sagt sie. Einziger Knackpunkt, der auch gleich sechs bis neun Monate andauert: „Wir können nicht verhindern, dass es während der Bauarbeiten laut wird.“ Dafür jedenfalls bittet SOS Kinderdorf via Zettel schon einmal um Verständnis bei den zukünftigen Nachbarn.

Der Bauantrag für das Zentrum ist eingereicht, aber noch nicht genehmigt.

Das Kinderdorf grenzt direkt an das Kronprinzenviertel an, in dem bis zu 600 Wohnungen entstehen sollen.

Wer sich für einen Kita-Platz interessiert, kann sich bei Nicole Gabriel unter Tel. (02351) 67 24 02 96 oder per Mail an nicole.gabriel@sos-kinderdorf melden. Interessenten, die vorhaben, das Begegnungszentrum zu nutzen, melden sich bei Gabriele Polle unter Tel. 53 47 19 90 oder per Mail: kd-dortmund.kinderdorfzentrum@sos-kinderdorf.de.

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