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Polizei will Dialog mit Rasern und Anwohnern

Bürgerdialog in der Boxengasse am Ostwall in Dortmund

Illegale Rennen, schwere Unfälle - aber noch kein Todesopfer: Raser machen verstärkt die Dortmunder Innenstadt unsicher. Die Polizei verfolgt sie und geht selbst hohe Risiken ein. Anwohnern fordern Repressionen. In der „Boxengasse“ am Ostwall will die Polizei mit ihnen ins Gespräch kommen.

Dortmund

von Peter Bandermann

, 15.06.2018
Polizei will Dialog mit Rasern und Anwohnern

Die Polizei will Raser vor den schweren Folgen eines Unfalls warnen. © Peter Bandermann (Symbolbild)

Kein Wochenende vergeht, ohne dass die Polizei in Dortmund illegale Autorennen abbrechen oder illegal getunte Autos stoppen muss. Unterwegs sind die Raser auch unter der Woche nachts. Die Polizei berichtete mehrfach über schwere Unfälle. Erneut will sie mit Rasern und vom Lärm gestressten Anwohnern ins Gespräch kommen. Der Termin: Samstag (16.6.2018, 16.30 Uhr) in der „Boxengasse“ neben dem Ostwall in der Dortmunder Innenstadt. Dazu Fragen an Polizeioberkommissar Sven Schönberg.

Herr Schönberg, warum gibt es am Samstag ein Dialog in der Boxengasse neben dem Ostwall?

Die Dortmunder Polizei hat ihre Bemühungen im Kampf gegen die Raserszene in den letzten Monaten noch einmal deutlich verstärkt. Rasen ist gefährlich, in anderen Städten hat es bereits Tote gegeben. Das wollen wir unter allen Umständen verhindern und gehen sehr repressiv gegen die Raserszene vor. Interessierten Bürgern und auch den Anwohnern des Innenstadt-Wallrings, die besonders belastet sind, möchten wir unsere Strategie gegen die Raserszene erläutern. Wir wollen aber durchaus auch mit Tunern und potenziellen Rasern ins Gespräch kommen. Vielleicht zeigt sich der ein oder andere ja doch einsichtig. Zumindest den Versuch wollen wir starten.

Für die Dortmunder Polizei ist das nicht der erste Termin dieser Art: Sie war schon mit Trucks und getunten Autos vor Ort. Ist nicht längst alles gesagt?

Repression ist die eine Seite, wir sollten aber nicht aufgeben, als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen. Dortmunderinnen und Dortmunder werden mit Sicherheit Fragen zu diesem Thema haben. Wir bieten aber auch an, über andere Bereiche der Verkehrsunfallprävention zu reden. Darüber hinaus kam der Wunsch tatsächlich auch aus der Tunerszene. Über die sozialen Medien wurde geäußert, man möchte mit der Polizei ins Gespräch kommen: Diesem Wunsch werden wir uns auf keinen Fall verschließen.

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Melden sich Innenstadt-Anwohner bei der Polizei? Und wenn ja: Was fordern die?

Es melden sich tatsächlich Anwohner bei uns mit Beschwerden. Sie beklagen die Lärmbelästigung, die Vermüllung und die potenziellen Gefahren durch die Raserszene und bitten die Polizei regelmäßig, etwas gegen dieses Problem zu unternehmen. Diese Anschreiben werden in unserem Beschwerdemanagement bearbeitet.

Rechnen Sie damit, dass Raser und Besitzer illegal getunter Autos am Samstag für den Dialog mit der Polizei bereit sind und erscheinen werden?

Es gab vereinzelt den Wunsch auf einen Dialog, den wir unter anderem hier anbieten.

Ersetzt der Dialog am Samstag und in der Nacht zu Sonntag die Kontrollen?

Nein. Wir sind nicht blauäugig und hoffen, einen Großteil der Szene kommunikativ überzeugen zu können, solche gefährlichen Verhaltensweisen abzulegen. Die Kommunikation ist die eine Seite, aber Kontrollen werden weiterhin notwendig sein. Uns ist wichtig der Raserszene zu zeigen: Wir sind präsent und haben ein Auge auf die Raser – gerade die Ereignisse der letzten Wochen haben die Notwendigkeit noch einmal verdeutlicht. Wir haben mehrere Wettrennen im Innenstadtbereich feststellen müssen - und haben jedes Mal die Möglichkeiten, die uns seit der Fassung des Paragrafen 315d im Strafgesetzbuch gegeben wurden, ausgenutzt und Fahrzeuge und Führerscheine sichergestellt oder beschlagnahmt.

Paragraf 315d im Strafgesetzbuch sagt:

Wer im Straßenverkehr ... 1. ein nicht erlaubtes Kraftfahrzeugrennen ausrichtet oder durchführt, 2. als Kraftfahrzeugführer an einem nicht erlaubten Kraftfahrzeugrennen teilnimmt oder 3. sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Wer in den Fällen des Absatzes 1 Nummer 2 oder 3 Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (3) Der Versuch ist in den Fällen des Absatzes 1 Nummer 1 strafbar. (4) Wer in den Fällen des Absatzes 2 die Gefahr fahrlässig verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (5) Verursacht der Täter in den Fällen des Absatzes 2 durch die Tat den Tod oder eine schwere Gesundheitsschädigung eines anderen Menschen oder eine Gesundheitsschädigung einer großen Zahl von Menschen, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren, in minder schweren Fällen Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.
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