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Saison klang mit Barockfest voller Überraschungen aus

Hommage an Vivaldi im Konzerthaus

Als der italienische Geiger Guiliano Carmignola vor fünf Jahren mit den «Vier Jahreszeiten» von Vivaldi die Klassikcharts stürmte, bewunderten die Konzertfreunde nicht nur die Klangfantasie des Geigers, sondern auch seine technische Virtuosität, mit der er die Geige flüstert, singen, jubilieren, klagen, lachen, tanzen, stöhnen und schluchzen ließ. Von den «Jahreszeiten» gab es beim Barockfestivals, mit dem das Konzerthaus drei Tage lang die Saison prachtvoll ausklingen ließ, nur einen kleinen Ausschnitt als Zugabe - die vielen Ausdrucksvarianten auf der Geige lieferte der 56-jährige Geiger mit dem «Venice Barock Orchestra» in allen anderen Werken des Programms aber auch im Überschwang. Ein Geiger, der enorm expressiv spielt, auch Mut zu kantigen Klängen und einem ruppigen Strich hat, ist Carmignola. Und ein brillanter Virtuose, der seiner Guarneri aus dem Jahr 1733, der Vivaldi-Zeit, in den langsamen Sätzen sanft singen ließ und ihm in den schnellen Sätzen der Concerti von Locatelli, Vivaldi und Tartini ungeheures Feuer und Brillanz entlockte. Eigenwillig war Carmignolas Spiel zuweilen, überraschte mit vielen Varianten in der Artikulation. Aufrüttelnd, packend und spannend sind die Interpretationen des Italieners allemal - selten klang Vivaldi so aufregend wie an diesem Abend. Das gerade zehn Jahre junge Venice Barock Orchestra spielte mit ebenso viel Klangfantasie, im Klang etwas weniger extrovertiert als der Solist. Einen drahtigen, trockenen, schlanken, aber immer voluminösen Klang entlockte Andrea Marcon als Dirigent am Cembalo den 13 Musikern, die im Stehen und mit viel Temperament spielten. Lebendig klangen die komprimierten, meist nur fünf bis zehn Minuten langen Sinfonien und Concerti von Vivaldi durch die vielen Affektwechsel, die Marcon dieser Musik gab. Der zweite Festivalabend war dann ein Zwiegespräch zwischen Carmignola und Marcon - ein Duoabend, in dem die Musiker Musik von Vivaldi und Albinoni der von Bach gegenüberstellten. Im Mittelpunkt der letzten «barocken Perle» gestern Abend stand dann Händels dramatische Kantate «Apollo und Dafne». Die Besprechung folgt. JG

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