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Zwei Geschädigte berichten

So täuschte der BVB-Fan-Betrüger seine Opfer

DORTMUND Er nutzte BVB-Fans eiskalt aus und betrog sie um viel Geld: Ein 23-Jähriger ohne festen Wohnsitz gab sich seinen Opfern gegenüber mal als Mitarbeiter, mal als Spieler des BVB aus. Dann stahl er ihr Geld. Wie er dabei vorging, haben uns zwei Geschädigte berichtet - darunter seine Ex-Freundin.

So täuschte der BVB-Fan-Betrüger seine Opfer

Der Betrüger besuchte mit seinen späteren Opfern mehrere BVB-Spiele, um Vertrauen aufzubauen.

Die Fahndung veröffentlichte die Polizei Dortmund am 4. Januar 2016: Ein Betrüger soll das Vertrauen zweier BVB-Fans missbraucht, ihre EC-Karte gestohlen und sie um 1000 Euro betrogen haben. Drei Tage später konnten die Beamten dank eines konkreten Hinweises die Identität des EC-Kartendiebs feststellen: Es handelt sich um einen 23-jährigen Serientäter - denn mittlerweile sind weitere Fälle bekannt. Erst baute er Vertrauen zu seinen Opfern auf, dann bestahl er sie. Diese Vorgehensweise ist laut Polizei sehr ungewöhnlich.

Das Opfer eine 36-jährige Frau, berichtet im Gespräch mit unserer Redaktion, wie sie von dem Täter getäuscht wurde. Ihr gegenüber gab er sich als Martin Stindl aus. Die 36-Jährige und ihr Mann ließen den Betrüger sogar über eine Woche bei sich wohnen.

Frau Maas, wann und wie haben Sie den Täter kennengelernt?

Über Twitter. Das muss ungefähr Ende Juli 2015 gewesen sein. Dort nannte er sich „@bvbmeineliebe“. Weil wir beide große Fans des BVB sind, verstanden wir uns ganz gut. Wir haben unsere Nummern ausgetauscht und sind mehrmals zusammen ins Stadion gegangen.

Hatte er auch Kontakt zu Ihrem näheren Umfeld?

Bei den Stadionbesuchen waren auch Freunde und natürlich mein Mann dabei. Einige haben sogar Karten für Bundesligaspiele für ihn mitbestellt, die er aber nicht abgeholt hat.

Wie hat er sich Ihnen gegenüber verhalten, bevor er Ihre EC-Karte stahl?

Er war sehr zurückhaltend und trank auch nie Alkohol. Wahrscheinlich hatte er Angst davor, seine wahren Absichten nicht mehr so gut verstecken zu können, wenn er getrunken hat.

Wie genau hat "Martin Stindl" Ihr Vertrauen gewonnen?

Wir waren beide Fans vom BVB. So etwas schweißt zusammen. Er hat uns auch erzählt, er wäre Mitarbeiter beim BVB. Außerdem machte er auf mich einen sehr ruhigen Eindruck, weshalb ich nie ernsthaft über schlechte Absichten bei ihm nachgedacht habe. Deshalb ist er ja auch bei uns eingezogen, als er uns von dem Wasserschaden in seiner Wohnung erzählte. Das war nach dem Europa-League-Spiel gegen Odds BK am 27. August.

Wie ist es ihm gelungen, Ihre EC-Karte zu entwenden?

Es war an einem Samstagmorgen. Mein Mann und ich waren am vorherigen Abend feiern und noch etwas kaputt. Das hat er ausgenutzt. Er hat behauptet, er müsste zur Arbeit und hat dann unsere EC-Karte mitgehen lassen. Als er wiederkam, legte er sie zurück. Deshalb ist mir der Diebstahl auch erst ein bisschen später aufgefallen.

Wie haben Sie auf den Diebstahl reagiert und hatten Sie ihn direkt im Verdacht?

Zuerst dachten mein Mann und ich, dass es EC-Kartenbetrug war. Wir haben nämlich zuvor am Bahnhof Geld abgehoben. Weil er aber kurz nach dem Diebstahl bei uns ausgezogen ist, haben wir uns schon gefragt, ob er etwas damit zu tun hat. Der Kontakt wurde immer schlechter. Er erfand Ausreden, warum er keine Zeit hätte. Über Twitter habe ich ihn gefragt, was denn bei ihm schief gehen würde. Darauf hat er mich bei Whatsapp blockiert und sein Twitteraccount vorübergehend gelöscht. Das war rund eine Woche nach dem Diebstahl.

Die Gewissheit, dass er es war, hatten mein Mann und ich eine Woche später, als wir die Überwachungsfotos der Bank erhalten haben, auf denen er zu sehen war. Dann habe ich in sozialen Netzwerken nach Hinweisen auf seine wahre Identität gesucht und Fotos von ihm ins Netz gestellt. Andere Nutzer haben ihn wiedererkannt, bei denen er die gleiche Masche abgezogen hat. So habe ich auch erfahren, dass er unser Zuhause als sein eigenes dargestellt hat, während er mit neuen potenziellen Opfern geschrieben hat.

Wie hoch ist der Schaden, der Ihnen entstanden ist?

Er hat 950 Euro von unserem Konto abgehoben. Dann wollte ich mit meinem Mann, ihm und einem seiner angeblichen BVB-Kollegen gemeinsam zu einem Auswärtsspiel der Europa League nach Saloniki fahren. Die Anzahlung, rund 250 Euro, hat er sich auch eingesteckt.

Können Sie Ihre Gefühle beschreiben, als Sie realisiert haben, was passiert ist?

Ich war natürlich schockiert, dass uns jemand so schamlos ausgenutzt und bestohlen hat. Mein Mann hat mir geraten, mit der Sache so schnell wie möglich abzuschließen. Jetzt, da die Medien dieses Thema behandeln, kommen die Erinnerungen aber wieder hoch.

Welche Konsequenzen haben Sie daraus gezogen?

Danach ist man natürlich viel misstrauischer. Und bei uns wohnen wird so schnell niemand mehr!

Suche nach 23-Jährigem läuft

Polizei identifiziert BVB-Fan-Betrüger

DORTMUND Ein junger Mann hat offenbar die Gutmütigkeit zweier BVB-Fans eiskalt ausgenutzt. Der Unbekannte soll das Ehepaar um knapp 1000 Euro betrogen haben. Eine Öffentlichkeitsfahndung mit Bildern nach dem Mann brachte der Polizei nun einen ersten Ermittlungserfolg.mehr...

Ex-Freundin: "Meine Eltern fanden, dass er sich komisch verhält"

Die 18-jährige Schülerin Lena Müller (Name von der Redaktion geändert) hat ebenfalls Erfahrung mit dem Betrüger gemacht. Sie war sogar mehrere Monate mit ihm in einer Beziehung. Auch sie lernte den 23-Jährigen Anfang Oktober über Twitter kennen. Er sei ihr gegenüber immer sehr höflich und zuvorkommend gewesen, sagt Müller im Gespräch mit unserer Redaktion. Deshalb habe sie begonnen, ihm zu vertrauen. Sie tauschten ihre Nummern aus, wenig später waren sie ein Paar.

Genau wie bei der 36-Jährigen behauptete der Betrüger ihr gegenüber, seine Wohnung hätte einen Wasserschaden. Deshalb trafen sie sich nur bei Lena Müller, die noch bei ihren Eltern wohnte. „Meine Eltern fanden, dass er sich komisch und manchmal auch schreckhaft verhalten würde, aber mir ist nie etwas in der Richtung aufgefallen“, sagt sie. Der Täter log ihr außerdem vor, dass er ein Spieler beim BVB sei. Wegen seines Trainingsanzugs mit den Initialen „MS“ glaubte Müller ihm.

Portemonnaie weg, Geld weg

Nach einigen Monaten Beziehung bemerkte Müllers Mutter, dass ihr Portemonnaie weg war. Als sie es im Haus nicht fand, fragte Lena bei ihrem Freund nach, da er kurz vorher zu Besuch war. Ihre Mutter habe ihn schnell in Verdacht gehabt, weil er oft über Geldnöte geklagt habe, sagt die Schülerin. Deshalb habe Müller ihm auch Geld geliehen. Das bekam sie nach eigenen Angaben jedoch nicht wieder.

Als die 18-Jährige ihren Freund nach dem verschwundenen Portemonnaie fragte, brach er den Kontakt plötzlich ab. „In den darauffolgenden Tagen hatte ich riesige Angst, ihm zu begegnen“, sagt Lena. „Diese Erfahrung hat dafür gesorgt, dass ich viel vorsichtiger bin.“ 

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