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Spiegel-Artikel

Spur aus Dortmund zu Olympia-Attentat 1972

DORTMUND Vor 40 Jahren schockierte das Attentat auf die Olympischen Spiele in München die ganze Welt. Jetzt gibt es Anzeichen, dass der Terroranschlag damals womöglich auch in Dortmund vorbereitet worden ist.

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Aus dem Spiegel: Ausschnitt einer "kriminaltaktischen Anfrage" der Polizei an übergeordnete Sicherhietsbehörden.

Das Park Inn Hotel heute. 1972 hieß es noch Römischer Kaiser.

Die Dortmunder Kriminalpolizei hatte wenige Wochen vor der Geiselnahme Hinweise auf palästinensische Terroristen an übergeordnete Sicherheitsbehörden weitergegeben. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ stieß bei der Lektüre von freigegebenen Akten des Verfassungsschutzes auf ein Fernschreiben der Dortmunder Polizei vom 15. Juli 1972. Darin wird auf die vermutlich konspirative Tätigkeit palästinensischer Terroristen hingewiesen.

„Der Spiegel“ berichtet außerdem, einer der Hintermänner der Attentate, Abu Daud (Deckname „Saad Walli“) habe Monate vor den Anschlägen im Dortmunder Hotel „Römischer Kaiser“ logiert. Dort soll er einen Helfer namens Willi Pohl eingespannt haben. Daud starb im Juli 2010 in Syrien. Pohl war laut Bericht ein Mitglied der „Nationalsozialistischen Kampfgruppe Großdeutschland“ und soll später mit Drohbriefen gegen einen Richter versucht haben, die Ermittlungen des Massakers von München zu beeinflussen. Bei seiner Festnahme entdeckte die Polizei seltene Waffen, die auch im Besitz der Terroristen waren. Jener Neonazi Pohl stand dem Spiegel Rede und Antwort. Der Mann ist heute 78 Jahre alt und Kriminalbuchautor auch für die ARD-Reihe „Tatort“.

Sein in Dortmund verabredeter Auftrag: Dem Terroristen mehrere Mercedes-Limousinen zu besorgen. Angeblich sollen Pohls Kameraden aus der Nazi-Kampfgruppe die Treffen im „Römischen Kaiser“ der Polizei verraten haben, was im Präsidium eine „kriminaltaktische Anfrage“ („bei vermittlung auf dem funkwege verschluesseln“) ausgelöst habe.Dieses Telex der Polizei vom 15. Juli 1972 ist Bestandteil einer 2000-Seiten-Akte, aus der, so der „Spiegel“, nicht hervorgehe, ob die von der Polizei verständigten Sicherheitsbehörden (Landes-/ Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz) „etwas unternommen hätten, um den verdächtigen“ Terroristen Abu Daud aufzuspüren. Hätte der Hinweis aus Dortmund den Anschlag in München also verhindern können, wenn der Drahtzieher des späteren Terrorakts ins Visier genommen worden wäre?

Der Artikel sei „reine Spekulation. Daran beteiligen wir uns nicht“, so das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln. Bereits am Montag forderte das Landeskriminalamt die Dortmunder Polizei auf, im Archiv nach Unterlagen zu suchen. Pohl und ein weiterer Komplize wurden 1974 wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu 26 bzw. 8 Monaten Haft verurteilt. Der Spiegel: „Nur vier Tage nach dem Richterspruch war Pohl wieder frei und setzte sich nach Beirut ab.“

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