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Anis Amri

Spuren von Berlin-Attentäter führen in Dortmunder Moscheen

DORTMUND Anis Amri, mutmaßlicher Attentäter vom Berliner Weihnachtsmarkt, hat offenbar regelmäßige Kontakte nach Dortmund unterhalten. Nach Recherchen des Westdeutschen Rundfunks besuchte er insgesamt zwölf Dortmunder Moscheen und war dort teilweise als Vorbeter aktiv. An ihn erinnern kann sich innerhalb der muslimischen Gemeinschaft Dortmunds offiziell niemand. Die Spurensuche im tiefen Dickicht hat gerade erst begonnen.

Spuren von Berlin-Attentäter führen in Dortmunder Moscheen

Der vermeintliche Berlin-Attentäter Anis Amri besuchte wohl mehrere Moscheen in Dortmund.

Der mutmaßliche Berliner Attentäter Anis Amri war im Ruhrgebiet besser vernetzt als bislang angenommen. Nach Recherchen des WDR besuchte der in Mailand erschossene Tunesier während seiner Zeit in NRW ein Dutzend Moscheen im Ruhrgebiet. Wie berichtet hatte er zudem sehr gute Kontakte nach Dortmund. Er soll einen Schlüssel zu einer Moschee besessen haben, in der er übernachtete. Vorsitzende von drei der zwölf Dortmunder Moscheen bestreiten allerdings, etwas mit dem Attentäter zu tun gehabt zu haben. Die Bundesanwaltschaft hat unterdessen einen möglichen Kontaktmann des Tunesiers festnehmen lassen. 

Niemand gibt an, Amri gesehen zu haben

„Niemand, mit dem ich gesprochen habe, erinnert sich daran, ihn gesehen zu haben“, sagt Ahmad Aweimer, Vorsitzender des Rates der muslimischen Gemeinden in Dortmund. Fragt man im Umfeld der genannten Moscheen, ist die Antwort auf die Frage nach Amri ebenfalls meist ein Schulterzucken.

Unter den Moscheen, in denen Anis Amri aufgetaucht sein soll, ist auch die Abu Bakr Moschee an der Carl-Holtschneider-Straße. Hier war Ahmad Aweimer mehrere Jahre lang Imam. „Es ist schwer nachzuvollziehen, ob jemand einmal zum Beten da war“, sagt Aweimer. Die Tatsache, dass Amri zwölf unterschiedliche Orte aufgesucht habe, zeige, dass er „nirgendwo Rückhalt gefunden hat“, meint er. Dass Amri eine Vorbeter-Rolle eingenommen hat, hält der Vorsitzende der Dortmunder Muslime für wenig wahrscheinlich.

Acht Alias-Namen

Es sind insgesamt acht Alias-Namen bekannt, unter denen der spätere Attentäter unterwegs war: Ahmad Zarzour, Mohammed Hassa, Ahmed Almasri, Anis Amir, Ahmed Almasri, Mohammad Hassan, Ahmad Zaghoul und Anis Amri. Wie geht es jetzt weiter? Die Behörden ermitteln weitere Zusammenhänge. Ahmad Aweimer sagt: „Es geht jetzt nicht darum, jemanden zu beschuldigen, sondern darum, zu sehen, ob es irgendwo Lücken gibt.“ Die rund 40 gemeinsam organisierten muslimischen Gemeinden seien in einem regelmäßigen Dialog mit Polizei und Verfassungsschutz. „Aber wir müssen es wissen, wer die Gefährder sind, um uns zu schützen. Wir können ihnen nicht verbieten zu beten, das können andere Kirchen auch nicht. Aber wir können verhindern, dass sie Kontakte knüpfen.“ Dass es ausgeprägte salafistische Strukturen in Dortmund gebe, kann sich Aweimer „nicht vorstellen“. 

DORTMUND Nach dem Tod des mutmaßlichen Berlin-Attentäter Anis Amri rückt auch das radikal-islamistische Netzwerk, in dem sich der Tunesier bewegt hatte, immer mehr in den Vordergrund. Eine der wesentlichen Stützen dieses Netzwerks um den Prediger Abu Walaa war der 1980 in Dortmund geborene Deutsch-Serbe Boban S..mehr...

Recherchen dieser Redaktion zeichnen jedoch ein anderes Bild. Bereits bekannt sind die regelmäßigen Kontakte von Anis Amri zu einem Netzwerk um den inzwischen festgenommenen mutmaßlichen Salafisten Boban S. (wir berichteten).  An vielen weiteren Stellen ergeben sich zumindest Verdachtsmomente auf Strukturen, die es Menschen wie Amri einfach machen, hier unterzutauchen. Dazu zählt besonders das Umfeld an der Lindenhorster Straße, wo auch ein Verein und ein Verlag ihren Sitz haben, deren Inhalte vom Verfassungsschutz als kritisch beurteilt werden.

Sondersitzung

Amri und und seine Verbindungen nach Dortmund und in andere NRW-Städte werden nun auch zum politischen Thema. Dr. Joachim Stamp, Stellvertretender Vorsitzender der der FDP-Landtagsfraktion, fordert gemeinsam mit der CDU-Fraktion eine Sondersitzung des Innenausschusses noch in der ersten Januar-Woche. „Es müssen jetzt alle Hintermänner und Kontakte aufgedeckt werden. Denn offenbar ist es deutlich anders, als es Innenminister Jäger bisher dargestellt hat.“ Ein möglicher Termin für die Sondersitzung wäre der 5. Januar. Stamps übergeordnetes Ziel ist ein bundesweiter Untersuchungsausschuss zur Rolle der Behörden im Fall Anis Amri. 

Mit Material von dpa

Karlsruhe Gut eine Woche nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt hat die Bundesanwaltschaft einen möglichen Kontaktmann des mutmaßlichen Attentäters Anis Amri vorläufig festnehmen lassen. Der Zugriff erfolgte in Berlin.mehr...

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