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Autoschieber steht vor Gericht

Teure Luxusautos für den Osten

Bielefeld/Dortmund Zwei teure Luxuskarossen sind im Mai vergangenen Jahres in Dortmund verschwunden. Dafür müssen sich seit Freitag ein 33-jähriger Lette und zwei Mitangeklagte vor Gericht verantworten. Die zwei Dortmunder Wagen waren bei weitem nicht ihre einzige Beute. Die Täter waren in großem Stil unterwegs.

Teure Luxusautos für den Osten

Eine dreiköpfige Autoschieberbande soll mindestens 19 Luxuskarossen gestohlen, mit neuen Papieren und Funkschlüsseln ausgestattet und anschließend weiterverkauft haben. Foto: dpa

Auf die 2. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld kommt ein Mammutprozess zu. 21 weitere Verhandlungstage sind angesetzt, bis Ende Oktober rechnet das Gericht mit der Dauer der Beweisaufnahme. Schon die Verlesung der Anklage gegen einen 33-Jährigen und zwei Mitangeklagte brauchte länger als eine Stunde.

Kein Wunder, denn die drei Angeklagten sollen von Januar bis Dezember vergangenen Jahres vorwiegend im Ruhrgebiet und im Rhein-Main-Raum gestohlene Fahrzeuge umfrisiert und nach Osteuropa weiterverkauft haben – sie müssen sich jetzt für insgesamt 19 Taten vor Gericht verantworten. Sie sollen gestohlene Luxusautos an andere Hehler verkauft und dafür 800.000 Euro eingestrichen haben.

So verschwanden in Dortmund im Mai ein 100.000 Euro teurer BMW X6 und im September ein BMW X5 im Wert von 60.000 Euro. Sie sollen in einer Halle in Papenburg für den Weiterverkauf vorbereitet worden sein, unter anderem mit neuen Daten versehene Steuergeräte erhalten haben.

Wer hat die Fahrzeuge gestohlen?

Als Drahtzieher der Bande gilt ein 33-jähriger Lette. Er soll die Halle angemietet und die von einer anderen Bande gestohlenen Fahrzeuge dort anliefern lassen haben. Dazu sollen ihm jeweils von den noch unbekannten Autodieben, die über einen Schlüssel zu der Halle verfügten, bestimmte Fahrzeuge zum Ankauf angeboten worden sein – diese wurden dann einfach in der Halle abgestellt.

Die beiden Mitangeklagten – ein ebenfalls 33-Jähriger aus Lettland und ein 39-jähriger Litauer – sorgten laut Anklage dafür, dass die Autos eine neue Identität erhielten.

Neue Fahrzeug-Identitäten aus den USA

In dem hochprofessionell agierenden Trio kaufte und verkaufte der Hallen-Mieter demnach die Luxusautos, während der andere Lette Daten wie etwa Fahrgestellnummern identisch ausgestatteter Fahrzeuge – zum Teil sogar aus den USA – sowie russische oder schwedische Fahrzeugpapiere und -kennzeichen beschaffte und zum Beispiel die Plaketten mit den Fahrgestellnummern fälschte.

Der Litauer gilt vor Gericht als Elektroniker der Bande: Er soll die Steuergeräte mit den falschen Fahrgestellnummern und weiteren passenden Informationen manipuliert und Nachschlüssel angefertigt haben, sodass die Autos einer normalen Überprüfung standhalten konnten. Nach Abschluss der „Umarbeitungen“ sollen die teuren Autos der Marken Range Rover, Porsche und BMW an weitere Hehler verkauft worden sein, die sie dann in Osteuropa weiterverschoben.

Hehler flogen bei der TÜV-Abnahme auf

Ins Visier der Polizei war die Bande geraten, als mehrere Autos im März 2017 in Bielefeld auffielen. Der Hauptangeklagte hatte sie dort durch die deutsche TÜV-Abnahme bringen lassen. Drei der Fahrzeuge wurden sichergestellt. Im Dezember griffen die Ermittler zu: In Papenburg wurden zahlreiche Autos sichergestellt. Der BMW X5 aus Dortmund war nicht dabei, er wurde kurze Zeit später in Berlin im Besitz eines anderen Hehlers aufgegriffen – von dem X6 fehlt bis heute jede Spur.

Die drei jetzt Angeklagten wurden in Berlin und auf der Autobahn bei Hamburg verhaftet. Nicht nur von dem X6, auch von mehreren weiteren gestohlenen Pkw fehlt jede Spur. Insgesamt beläuft sich der Wert der Autos auf etwa 1,7 Millionen Euro, der von dem Letten erzielte Verkaufserlös wird auf knapp 800.000 Euro geschätzt.

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