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Video-Interview mit Künstler Wolfgang Sternkopf

Von den Pinien zu den Linien

Dortmund Seine Wandbilder sind so wild wie ein Fünf-Uhr-Tee, so chaotisch wie in englischer Garten und so exzessiv wie ein Mittagsschläfchen: Wolfgang Sternkopf ist ein Meister der klaren, ruhigen Bildsprache. Im Video erläutert er seine Kunst und seine Gedanken dazu.

Von den Pinien zu den Linien

Wolfgang Sternkopf mag es ruhig. In seinen Bildern und im Leben. Foto: Tilman Abegg

Wolfgang Sternkopf macht Konkrete Kunst, zurzeit zu sehen in der Galerie Dieter Fischer im Depot. In seinem Fall heißt das: Er steckt farbige Streifen aus Pappe, Holz oder Plexiglas in Nutplatten. Das sind dünne Platten aus Holz mit akkurat geschnittenen, gleichmäßig geraden Kerben.

So entstehen sehr geordnete, geometrische, übersichtliche Wandbilder.

Im Video spricht Sternkopf über seine Bilder:

“Jedes Bild ist ein Farbgedanke“

Theo van Doesburg, Mitbegründer des Stils Konkrete Kunst, formulierte es um 1924 in der Definition des Stils so: „“Die Farbe [...] bedeutet nur sich selbst. Jedes Bild ist ein Farbgedanke“.

Man kann es auch so sagen: Diese Bilder sind kein Code. Es gibt nichts zu entschlüsseln. Blaue Streifen sind kein Hinweis auf Vergänglichkeit, Depression oder Flussbegradigungen, sondern einfach blaue Streifen.

Diese Bilder sind wie Mahlzeiten für die Augen: Wenn das Hinschauen schmeckt, schaut man einfach etwas länger hin. Und wenn einem dazu ein Gedanke kommt, umso besser.

Erst Pinien, dann Linien

Als Jugendlicher, sagt Sternkopf, habe er ganz normale Dinge ganz normal gegenständlich gemalt. Pinien, zum Beispiel. „Mit 19 habe ich innerhalb einer Woche damit aufgehört.“

Als er eine Bauzeichnerlehre in einem Ingenieurbüro begann und die geometrische Art des Zeichnens kennenlernte.

Zudem war damals, 60er-Jahre, die Blütezeit der Op-Art: Künstler wie Josef Albers, Bridget Riley und Victor Vasarely entwickelten eine Bildsprache, die mit präzisen Formmustern, geometrischen Figuren und Farbkontrasten irritierende optische Effekte und Täuschungen hervorrufen. Ähnliche optische Effekte gibt es auch in Sternkopfs Bildern zu entdecken.

Klare Bilder, lyrische Texte

Wolfgang Sternkopf mag Ruhe. „Sich konzentrieren, hinschauen und nicht sofort den Mund aufmachen.“ Als Herausforderung versteht er es, seine Bilder nicht zu überfrachten, sondern aufs Wesentliche zu reduzieren.

Das probiert er auch in seinen kurzen Texten zu einigen Bildern. Ein Beispiel:

Seltenheit

sagen die einen

Abweichung

sagen die anderen

Warum weichen

die einen

so selten ab?

  • Die Ausstellung heißt Parallel im Quadrat“ und läuft in der Galerie Dieter Fischer im Depot, Immermannstraße 29, bis 17. Juni.
  • Geöffnet ist die Schau donnerstags von 17 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. 0171 - 2 64 79 72.
  • Dies ist die letzte Ausstellung in der Galerie Dieter Fischer, die Hartmut Gloger kuratiert. Gloger betreute die Galerie seit 2012 und hat in der Zeit rund 40 Ausstellungen kuratiert.
  • Der Eintritt ist frei, die Werke kosten 350 bis 1500 Euro.

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