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Neuer Landschaftsplan kommt Nordwärts-Projekt in die Quere

Forsthaus Rahm als naturnaher Lernort gefährdet?

Der neue Landschaftsplan für Dortmund, der zurzeit den letzen Schliff erhält, weist alle Wälder künftig als Naturschutzgebiete aus. Das führt zu Interessenskonflikten mit den Jägern – und gleichzeitig mit einem wichtigen städtischen Projekt, bei dem es auch um das Forsthaus Rahm geht.

Dortmund

von Gaby Kolle

, 10.06.2018
Neuer Landschaftsplan kommt Nordwärts-Projekt in die Quere

Das Forsthaus Rahm soll zum außerschulischen Lernort werden. Doch es liegt im Wald und damit in einem künftigen Naturschutzgebiet. Naturnahe Schulungen abseits der Wege wären dann nach dem neuen Landschaftsplan aufgrund des eingeschränkten Betretungsrechts verboten. © Stephan Schütze

Jörg Tigges, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, ist alarmiert. „Der neue Landschaftsplan betrifft uns massiv“, sagt er. Wenn alle Wälder Naturschutzgebiete würden, sprich abseits der Wege nicht betreten werden dürften, sei es vorbei mit der Jagd auf Wasserflugwild und der Ausbildung der Jagdhunde am Hundeteich.

Geschossen werden darf dann erst 50 Meter von Gewässerrändern entfernt. Doch der Schrot trägt nur 30 Meter. Und außerhalb der Wasserzone flögen die Wasservögel zu hoch. „Damit wäre die Jagd auf Wasserflugwild in Dortmund automatisch tot“, erläutert Tigges.

Mindestens ebenso schwer könnten die Auswirkungen des Landschaftsplans auf die Hundeausbildung sein, für die die Kreisjägerschaft über Dortmunds Grenzen hinaus bekannt ist. 20 bis 40 Hunde im Jahr werden hier für die Jagd trainiert. Das Problem: Der Ausbildungsteich in Großholthausen liegt mitten im Naturschutzgebiet und könnte in Zukunft nicht mehr genutzt werden.

Teich wurde mit öffentlichen Geldern saniert

Dabei wurde der Teich 1979 eigens auf einer gepachteten Fläche mit öffentlichen Geldern künstlich angelegt, erinnert sich Karl Heinz Steinkühler, bei der Kreisjägerschaft zuständig für das Jagdhundewesen. Zudem wurde der Teich vor 14 Jahren für 60.000 Euro saniert, erneut zum größten Teil mit öffentlichen Geldern.

Um öffentliche Gelder geht es auch beim Forsthaus Rahm, dessen künftige Zweckbestimmung ebenfalls mit dem Landschaftsplan kollidiert. Das seit 2015 leer stehende und sanierungsbedürftige Gebäude im Rahmer Wald auf der Stadtbezirksgrenze von Mengede und Huckarde soll zu einem außerschulischen Lernort für Natur und Umwelt werden – als Teil des Generationenprojekts „Nordwärts“. Der Rat hat die Sanierungskosten genehmigt.

Kitas und Schulen sollen hier bei Schulungen und Lehrgängen in die Natur eingewiesen werden. Daran beteiligt sind die Kreisjägerschaft, der Imkerverein Derne sowie der Landesforstbetrieb „Wald und Holz“. Diese Einweisung in die Natur finde aber nicht auf den Wegen statt, „sondern im Wald“, sagt Jörg Tigges. „Ich muss den Wald nutzen können. Das geht aber nicht bei eingeschränktem Betretungsrecht eines Naturschutzgebietes.“

Nordwärts-Projekt übersehen?

Die Behörde, die den Landschaftsplan aufstelle – federführend ist das Umweltamt – habe „wohl übersehen, dass es das Nordwärts-Projekt gibt“, meint der Vorsitzende der Kreisjägerschaf – und fürchtet, dass sich das Forsthaus und Nordwärts in die Quere kommen. Diejenigen, die die naturnahen Schulungen machten, seien Jäger und ausgebildete Waldpädagogen, betont er, „wir wissen auf Brut- und Setzzeiten Rücksicht zu nehmen. Wir möchten das Projekt umsetzen, aber in dem Moment, in dem wir nicht in den Wald können, ist das für uns erledigt.“

Auf Nachfrage erklärt Stadtsprecherin Heike Thelen, der Hundeteich sei schon im alten Landschaftsplan ein „geschützter Landschaftsbestandteil gewesen“. Die angesprochenen Themen seien beim Landschaftsplanverfahren und im Landschaftsbeirat eingebracht worden, in dem auch der Landesjagdverband einen Sitz habe. Es habe bereits Gespräche dazu gegeben, weitere seien geplant. Die verschiedenen Belange würden gegeneinander abgewogen. Am Ende müsse der Rat entscheiden.

Zurzeit werden die drei Landschaftspläne Dortmund Nord, Mitte und Süd in einem Verfahren aktualisiert und zu einem Landschaftsplan zusammengefasst. Beschlossen wurde die Neuaufstellung des Landschaftsplans 2013 durch den Rat. Seinen ersten Vorentwurf lernten die Dortmunder 2015 bei Informationsveranstaltungen kennen. Dabei hatten sie die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. In den nun vorliegenden Entwurf sind Anregungen und Bedenken von Privatpersonen sowie von den Trägern öffentlicher Belange, wie zum Beispiel Nachbarkommunen, Verbänden oder Netzbetreibern, eingeflossen.
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