Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Fragen und Antworten

Wie Medien die Silvesternacht für Hass-Aufbau nutzen

DORTMUND 40 Gewalttaten, der gefährliche Umgang mit Pyrotechnik, Provokationen gegen die Polizei und Sachbeschädigungen - das Geschehen in der Silvesternacht in Dortmund war kein Kindergeburtstag. Ausländische Medien und Nutzer sozialer Netzwerke im Internet verwendeten unsere Online-Berichte für Fake-News, Hass und Propaganda.

/
Warnschuss aus dem Internet: Ein Twitter-Nutzer aus den Niederlanden schickte unserem Redakteur ein Galgen-Foto zu – das ist nur eine von vielen Drohbotschaften durch Hass- und Gewaltdarstellungen auch mit enthaupteten Köpfen als Reaktion auf Berichte auf das Geschehen in der Silvesternacht.

Was ist geschehen in der Silvesternacht in Dortmund?

Zwischen etwa 18.45 und 01.30 Uhr zogen überwiegend junge ausländische Männer in großen und kleinen Gruppen durch die Innenstadt. Am Platz von Leeds bildeten sie eine große Gruppe, bestehend aus mindestens 1000 Menschen. Pyrotechnik wurde in die Menschenmenge und auf Polizisten geworfen. Am Hauptbahnhof feuerte ein Unbekannter eine Silvesterrakete auf einen Obdachlosen ab und verletzte ihn schwer. Von der Kleppingstraße aus musste die Feuerwehr ein brennendes Bauzaun-Fangnetz an der Reinoldikirche löschen. Sexuelle Übergriffe wie vor einem Jahr in Köln gab es nicht.

Soweit die Fakten. Was sind „Fake-News“?

„Fake“ ist ein englisches Wort und steht für Fälschung. „News“, ebenfalls englisch, heißt Nachrichten. Fakenews-Produzenten nutzen Fakten, um sie mit dem Ziel der Meinungsmache zu verfälschen und einseitig zu interpretieren, oder sie erfinden Informationen, die, in seriösem Schreibstil aufgeschrieben, absolut glaubwürdig wirken können.

Wer hat das Geschehen in Dortmund für Fake-News genutzt?

Zum Beispiel der österreichische „Wochenblick“ im Internet. Ein namentlich nicht genannter Autor erweckt den Eindruck, dass „ein Mob von mehr als 1000 Männern“ (gemeint ist die Gruppe am Platz von Leeds) die Reinoldikirche mit Pyrotechnik unter „Beschuss“ genommen und in Brand gesetzt habe. Fakt ist: Die Feuerwehr sprach von einem kleinen und schnell gelöschten Feuer an einem Fangnetz. Der Einsatz war nach 12 Minuten beendet. Der „Wochenblick“ macht daraus: „Reinoldikirche fängt Feuer“. Sein publizistischer Anspruch: „Wir schreiben, was andere verschweigen“. Ein rechtspopulistisches amerikanisches Internetmedium („Breitbart“) schreibt, dass das Dach der Reinoldikirche in Brand gesetzt wurde. „Sogar die Reinoldikirche fing Feuer“, schreiben Dortmunder Neonazis.

Wer nutzte diese „Nachricht“?

Bei Facebook wurde der Text 820-mal geteilt – in den Kommentaren toben sich Nutzer auch mit Nazi-Jargon („Volksverräter“) aus oder schreiben von „Merkels Lebend-Waffen gegen das eigene Volk". Das Berliner Büro des Dortmunder CDU-Bundestagsabgeordneten Thorsten Hoffmann nutzte den „Wochenblick“-Bericht als Grundlage für eine Presseinformation und zitierte den „Beschuss“ der Kirche.

Am Platz von Leeds rief eine Gruppe „Allahu Akbar“. Wie wurde das genutzt?

„Allahu Akbar“ steht im Islam für „Gott ist groß“. Diese Aussage ist im muslimischen Glauben so normal wie das „Amen“ in der Kirche. Allerdings: Terroristen missbrauchen „Allahu Akbar“-Rufe vor Anschlägen. Fake-News-Produzenten bringen die Personengruppe vom Platz von Leeds in Verbindung mit den Attentätern von München, Würzburg und einem Priester-Mörder in Frankreich. Fakt ist: Es gab keine Anzeichen dafür, dass Terroristen in Dortmund feierten.

Ein wichtiges Medium ist der Kurznachrichtendienst Twitter. Wie wurde dort reagiert?

Twitter ist auch für Journalisten relevant, weil sie dort Nachrichten verbreiten und Zielgruppen erreichen. Die Formulierungen der Fake-News-Produzenten oder Kommentare bei Facebook sind im Vergleich zu Veröffentlichungen bei Twitter harmlos – allerdings bauen Twitter-Nutzer auf die Fakenews auf.

Was #Silvester in #Dortmund geschah, muss ich in österreichischen Medien lesen. Allahu Akbar und die Kirche brennt.https://t.co/0QicXJZbOX

— Libertas_Bavariae (@Zwitscherbier)

.@realDonaldTrump No 'F'ing way....Migrants burn the Liebfrau church in Dortmund Germany....So ANGRY!!!! and sad... https://t.co/L7wnmhDiFY

— Suzi S. (@CAoutcast)

Wie äußern die sich konkret?

Mit primitiven Gewaltraufrufen und Beleidigungen, vor allem aus dem englischsprachigen Ausland: Die Deutschen seien dumm und ihr Land am Ende, weil sie Moslems als Mörder, Vergewaltiger und Diebe dulden würden – schreibt ein mit Gewehr posierender Paul Ilwyd. Die Amerikanerin „Suzi S.“ berichtet davon, dass Migranten die Liebfrauen-Kirche niedergebrannt hätten. Ein anonymer Nutzer mit dem Namen „CSS“ fragt unseren Autor, warum die Polizei die „afrikanischen Bastarde“ nicht erschossen habe. Der Islam werde Deutschland vernichten. „Shoot them all dead“ (erschießt sie alle) schreibt auch die Amerikanerin Victoria Joyeuse.

Wer ruft zu Gewalt gegen Angela Merkel auf?

John Locke, vermutlich ein Amerikaner mit Vorliebe für Donald Trump, fordert mit Blick auf Dortmund bei Twitter dazu auf, die „verräterische“ Bundeskanzlerin Angela Merkel zu „lynchen“.

Screenshot: Peter Bandermann

Gibt es bedrohlich wirkende Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken gegen den Autor der Ruhr Nachrichten?

Ja, ein „Henk“, vermutlich aus den Niederlanden, hat unserem Autor ein Galgen-Foto zugeschickt. Auch abstoßende Bilder von abgetrennten Köpfen wurden per Twitter verschickt.

@RN_Bandermann pic.twitter.com/R2KYw51jzf

— henk (@henk_ram)

DORTMUND Großeinsatz für Polizei und Ordnungsamt auch in Dortmund: In der Innenstadt sind zwei Böllerverbotszonen errichtet worden. Die Polizei hat gegen aggressive Personen Platzverweise ausgesprochen. Hier eine Übersicht auf das Geschehen mit Bilanzen der Stadt Dortmund, Polizei und Feuerwehr sowie ein Video.mehr...

/
Warnschuss aus dem Internet: Ein Twitter-Nutzer aus den Niederlanden schickte unserem Redakteur ein Galgen-Foto zu – das ist nur eine von vielen Drohbotschaften durch Hass- und Gewaltdarstellungen auch mit enthaupteten Köpfen als Reaktion auf Berichte auf das Geschehen in der Silvesternacht.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

41-Jähriger starb nach Auseinandersetzung

Zwei Festnahmen nach gewaltsamem Tod in Huckarde

HUCKARDE. Gewaltsam zu Tode kam an diesem Wochenende ein 41-jähriger Mann aus Polen in Huckarde. Die Polizei nahm zwei seiner Landsleute fest, die unter dem Verdacht der Körperverletzung mit Todesfolge stehen.mehr...

Schutz vor Terroranschlägen

Wie sicher sind die Beton-Sperren am Weihnachtsmarkt?

Dortmund 2,5 Tonnen schwere Beton-Sperren sollen den Dortmunder Weihnachtsmarkt vor Terroranschlägen schützen. In einem Video auf Youtube ist jedoch zu sehen, wie ein Laster, der Tempo 50 fährt, einen ebenso schweren Betonklotz einfach zur Seite rückt. Wie sicher sind die Dortmunder Sperren also wirklich? Wir haben nachgefragt.mehr...

Großeinsatz in Dorstfeld

Rauch im Hannibal - Feuerwehr rückt aus

DORSTFELD Großalarm am Hannibal in Dorstfeld: Wegen einer größeren Menge Rauchs ist die Feuerwehr in der Nacht zu Dienstag zum riesigen Wohnkomplex ausgerückt. Einen Brand fand die Feuerwehr zwar nicht - aber warm wurde es im Gebäude trotzdem.mehr...

Übersichtskarte

Das wird aus den Ex-Filialen von Sparkasse und Volksbank

Dortmund 17 Filialen der Dortmunder Volksbank und 16 der Sparkasse Dortmund schlossen seit 2016. Gerade in den Stadtteilen gab es die Sorge, die Räumlichkeiten könnten lange leer bleiben. Nun sind einige sinnvolle Nachnutzungen in Sicht. Auf einer interaktiven Karte zeigen wir, was der aktuelle Stand an allen Standorten ist.mehr...

Übersicht

Hier wird in Dortmund geblitzt

DORTMUND Die Dortmunder Polizei und das Dortmunder Ordnungsamt verraten täglich, wo die Geschwindigkeit der Autofahrer kontrolliert wird. Auf unserer Übersichtskarte zeigen wir die Straßen, an denen Polizei und Ordnungsamt blitzen wollen.mehr...

Keine Anwohner betroffen

Bombenfund am Hafen - Blindgänger ist entschärft

DORTMUND Zweiter Bombenfund in drei Tagen: In Huckarde ist am Mittwoch am Rande des Hafens eine 125-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Im Gegensatz zum Bomben-Trio von Lindenhorst am Montag waren diesmal jedoch weder Anwohner noch größere Straßen betroffen. Die Entschärfung lief ohne Probleme.mehr...