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Geplante Akademie für digitales Theater

"Wir sollen die Stadt sein, wo der heiße Scheiß gezeigt wird"

Dortmund Dortmund soll Vorreiter für digitales Theater in Deutschland werden: Schauspielchef Kay Voges plant ein Forschungslabor für digitale Techniken für das Theater. "Wir sollen die Stadt sein, wo der heiße Scheiß gezeigt wird", sagt er. Die Stadtverwaltung sieht das offenbar auch so - und sucht bereits ein passendes Gebäude.

"Wir sollen die Stadt sein, wo der heiße Scheiß gezeigt wird"

Szene aus der Oper „Einstein on the Beach“. Lämpchen in den Kostümen leuchten im Einklang mit der Musik. Das Schauspiel ist bei solchen Techniken Vorreiter.

Dortmunds Schauspiel ist schon länger ein künstlerisch forschendes Labor. In "Einstein on the Beach", einer Koproduktion mit der Oper zum Beispiel, wurde Live-Musik fast simultan als Licht auf Kostüme und Bühnenbild projiziert. Pionierarbeit, von der auch andere Theater profitieren sollen.

Der ehrgeizige Plan von Schauspielchef Kay Voges, in Dortmund eine Akademie für digitales Theater zu gründen, nimmt konkrete Formen an. Bereits im nächsten Februar soll das bundesweit einzigartige Labor zur Erforschung digitaler Techniken für das Theater seine Arbeit aufnehmen als Ort der Fortbildung und der Forschung.

Ein Vorhaben, bei dem sich auch andere Städte "anheischig" machten, formulierte Dortmunds Stadtdirektor und Kulturdezernent Jörg Stüdemann am Dienstag im Kulturausschuss. Dort hat Voges seine Vision als inzwischen weit gereiftes Gründungskonzept einer "Akademie für Digitalität und Theater" vorgestellt und die Politik infiziert. Es gebe bereits ähnliche Akademien in London und in Rotterdam, doch keine in Deutschland, aber "eine Sehnsucht danach", sagte Voges. "Es ist keine Frage, ob es sie geben wird, sondern nur eine Frage, wo."

Theater müssen für digitale Neuheiten aufstocken

Masken aus dem 3D-Drucker oder Hologramme auf der Bühne – es gebe Nachholbedarf bei den Techniken für das Theater, die sich an den heutigen Sehgewohnheiten der Zuschauer orientieren. Ein großer Weiterbildungsmarkt für ein Theater 4.0; denn 40.000 Menschen, so Voges, arbeiten in Deutschland fürs Theater, vom Regisseur bis zum Schauspieler, vom Social-Media-Redakteur bis zum Bühnenbildner.

Gleichzeitig erweitere und modernisiere die digitale Forschung die Palette des künstlerischen Ausdrucks. Voges: "Schauspieler auf der Bühne können durch Körperbewegungen das Licht steuern. Wir merken, dass es an Fachpersonal fehlt, und dass es auch einen Raum geben muss, wo geforscht werden kann, wie das Theater der Zukunft aussehen kann." Medienkunst und Digitalisierung lägen da nah beieinander. Und: "Wo geforscht wird, können auch neue Produkte herauskommen. Als eine der größten Digitalstädte Deutschlands würde das Dortmund gut zu Gesicht stehen."

Von der Bundeskulturstiftung gebe es Signale für eine Anschubfinanzierung des Dortmunder Forschungslabors, sagte der Schauspielchef, "auch das Land ist sehr interessiert, und in der Privatwirtschaft gibt es einige IT-Unternehmen, die Interesse zeigen."

Stadt sucht nach passenden Immobilien für Labor

Was es aber brauche, um Geld für das Labor einzuwerben, sei ein Klingelschild an einer Immobilie, die Raum für Büros, Probebühnen, Schnittplätze, Werkstatt, Konferenz- und Seminarräume, Tonstudio, ein Labor für künstliche Realität, Ausstellungs- und Lagerräume sowie eine Studiobühne mit 80 Plätzen vorhält.

Die Stadtverwaltung prüft zurzeit verschiedene Gebäude auf ihre Tauglichkeit. In der engeren Wahl ist die leer stehende Grundschule in Kley. Das Schulgebäude ist auch weiter als Domizil für den Bürgerschützenverein und als Bürgertreff im Gespräch.

Um die Bürokratie für die Akademie kleinzuhalten, schwebt Voges vor, sie als sechste Sparte ins Theater zu integrieren. Die Planung finde jetzt im kleinen Kreis hinter verschlossenen Türen statt, berichtete der Schauspielchef. Neben den Kosten trieben die Mitglieder im Kulturausschuss drei Fragen um: "Wie langfristig ist das Projekt angelegt, und wie sehr ist es mit der Person Kay Voges verbunden? Was passiert, wenn Voges Dortmund verlässt?"

"Ich hoffe, dass die Akademie gar nicht mit meiner Person verbunden ist. Ich treibe sie an. Doch sie ist eine hauptberufliche Aufgabe." Die Akademie solle nach Dortmund. Das sage er auch den Anrufern, versicherte Voges: "Das möchte ich. Die soll hier stehen." Und er appellierte an den Ausschuss: "Wir sollen die Stadt sein, wo das Spannendste, wo der heiße Scheiß gezeigt wird."

Voraberöffnung des Labors im Februar



 

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