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Tod im Polizeigewahrsam

Woran starb der Afrikaner Ousman Sey?

DORTMUND Warum erlitt ein 45-jähriger Schwarzafrikaner am vergangenen Samstag im Dortmunder Polizeigewahrsam einen Atemstillstand mit Todesfolge? Die Staatsanwaltschaft spricht von einer "ganz undurchsichtigen Geschichte".

Woran starb der Afrikaner Ousman Sey?

Kebba Yeng (l.) und Ebou Sey (r.) mit dem Foto ihres toten Freundes beziehungsweise Bruders Ousman Sey.

Ousman Sey aus Gambia hatte in seiner Wohnung randaliert - das deckt sich mit der bisherigen Darstellung der Polizei. Er hatte aber zuvor auch schon zwei Mal einen Krankenwagen gerufen, weil er sich schlecht fühlte. Das ist neu.

Der Tod des zweifachen Vaters beschäftigt nicht nur seine Familie und Freunde, sondern auch die Staatsanwaltschaft. „Eine ganz undurchsichtige Geschichte“, sagt Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel. Nur eines sei bislang klar: „Sein Tod hat nichts mit äußerer Gewalt zu tun.“Der Bruder des Toten, Ebou Sey (45), und der beste Freund Kebba Yeng (43) sitzen auf der Couch in Ousman Seys Wohnung in der Dortmunder Nordstadt und können das Geschehene noch nicht begreifen.

 Ebou Sey war vor einer Woche aus Hamburg gekommen, um seinen Bruder zu besuchen. Er schlief auf der Couch und wurde wach, als sich am Samstagmorgen gegen 6.30 Uhr zwei Rettungssanitäter über Ousman Sey beugten. Er hatte sie selbst gerufen, weil er sich sehr schlecht fühlte. Die Sanitäter machten ein EKG, bestimmten seinen Blutsauerstoff und stellten Herzrasen fest. Das sei noch nichts fürs Krankenhaus, sagten sie Ousman Sey. Er solle sich hinlegen und sich ausruhen. Falls es schlimmer werde, solle er sich noch einmal melden.  Eine halbe Stunde später rief er erneut die Rettungssanitäter. „Er krampfte“, erzählt sein Bruder. Er sei auch aggressiv gewesen und habe eine Scheibe zerschlagen. „Irgendwann war das ganze Haus wach.“ Jemand muss dann auch die Polizei angerufen haben, die zeitgleich mit den Sanitätern eintraf.

Die Rettungssanitäter erklärten ein zweites Mal, dass Ousman Sey, der immer wieder nach der Ambulanz rief, kein Fall fürs Krankenhaus sei. Doch eine Nachbarin, erfahrene Krankenschwester, wies die Polizei darauf hin, dass der Mann ins Krankenhaus gehöre.  Die Polizei nahm Ousman Sey, der sich heftig wehrte, in Handschellen mit. Man werde ihn vom Polizeiarzt untersuchen lassen, sagten sie. Auf der Wache ist der Mann dann sofort zusammengebrochen.Fraglich ist, ob der Tod eine Folge seiner Alkoholkrankheit oder des Entzugs war – sein Bruder und sein Freund sagen, Ousman Sey sei inzwischen trocken gewesen – oder ob es Herzversagen war. Das wird jetzt von der Staatsanwaltschaft untersucht.

 Ousman Seys Familie und seine Freunde haben die Vermutung, dass bei ihm Hilfe unterlassen wurde, weil er schwarz war. Sie wollen sich jetzt einen Anwalt nehmen und Organisationen gegen Polizeigewalt und Rassismus einschalten. 

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