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Erbarme dich

BOCHUM Einen Blick in die Seele der Menschen will Alain Platel werfen. Zum dritten Mal inszeniert er für die RuhrTriennale. "Pitié! Erbarme dich!" hat am 2. September in der Jahrhunderthalle Premiere.

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Anstoß für die Arbeit können kleine Erlebnisse oder auch eine Fotografie sein, wie Alain Platel hier zeigt. W-m

  Nach "vsprs" 2006, als Platel und der Komponist

(Foto) Monteverdi nachspürten, ist es nun Bachs Matthäuspassion, die die beiden Künstler inspirierte. Wie vor zwei Jahren werden die Zuschauer keine Originalkomposition erleben. RuhrTriennale-Dramaturg Thomas Wördehoff sieht in Cassols Bearbeitung den Geist und die Kraft des Jazz und der Komponist will sich selbst gar nicht festlegen. Was Bach dazu gesagt hätte? "Er ist ein guter Freund", lacht Fabrizio Cassol. Alain Platel ergänzt: "Wir gehen nicht von Bach aus, sondern kommen bei Bach an."

Innere Welt nach außen bringen Ihn reizte es, die Arbeit mit dem Team, die mit "vsprs" begann, fortzusetzen. Für "Wolf", das heute schon laut Wördehoff "zu den ikonographischen Produktionen der RuhrTriennale zählt", hatte er 2003 noch die politische und soziale Rolle der Menschen im Blick. Für "vsprs" entwickelte er eine sehr körperliche Sprache. Die innere Welt des Menschen nach außen zu bringen, interessiert den Theatermacher seit dieser Zeit. Das Individuum tritt dafür zurück. "Die religiösen Themen fordern dazu heraus", betont Platel.

Countertenor

Musikalischer Ausgangspunkt ist die Arie "Erbarme dich". Alain Platel erzählt lächelnd: "Cassol hat gesagt, er habe für jede Minute Bach 100 Stunden für die Bearbeitung gebraucht". Der Komponist hat den Schmerz der Mutter (eine Rolle, die im Original der Matthäus-Passion nicht existiert) in den Mittelpunkt gestellt. Die Rolle des Christus wird auf zwei Figuren verteilt - neben einem Alt/Mezzosopran-Part übernimmt der Countertenor Serge Kakudji den zweiten Part. Platel freut sich über die Entdeckung dieser außergewöhnlichen Stimme: "Er ist so gut, nächstes Jahr wäre er für uns unbezahlbar".

Zehn Tänzer

Die zehn Tänzer werden die Geschichte des Leidens und des Opfers kommentieren. "Einige wehrten sich gegen die Idealisierung von Schmerz", erzählt Platel, berichtet von Widerstand und von Lebenslust. So ist "Pitié" für ihn letztendlich trotz aller Traurigkeit auch ein optimistisches Werk.

Mit auf der Bühne, die mit ihren von der Decke herunter hängenden Fellen auf die Atmosphäre eines Schlachthofs anspielt, steht außerdem ein Orchester. Dessen Kern bildet das Trio Aka Moon.

"Pitié! Erbarme dich!", Jahrhunderthalle, Premiere 2. September, weitere Aufführungen: 3.,4.,6.+7. September, jeweils 20.30 Uhr. www.ruhrtriennale.de

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