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Erinnerungsschatz gefeiert

BOCHUM Als eine Liebesgeschichte bezeichnete Schauspielhaus-Intendant Elmar Goerden gestern die Beziehung zwischen Kurt Dörnemann und dem Bochumer Theater. Genau am rechten Ort fand deshalb die Feierstunde zu dessen 95. Geburtstag statt.

Erinnerungsschatz gefeiert

Manuela Alphons (r.) beschenkte Dörnemann mit Stücken aus ihrem Brecht-Abend.

Seit den 30er-Jahren war Dörnemann als Theaterkritiker tätig, veröffentlichte viel beachtete Bücher über das Bochumer Schauspiel oder das Shakespeare-Theater. In die Speisekammer vor den Kammerspielen trafen er und seine ebenfalls 95-jährige Ehefrau Ilse auf mannigfaltige Glückwunsch-Überbringer. Als erstes durfte Elmar Goerden aufs Podium, der mittlerweile achte Intendant, den Dörnemann aktiv miterlebt. Gern erinnerte der von der aktuellen Kritik viel gescholtene an dessen Schreib-Tradition: "Da konnte man sich beim Lesen noch vorstellen, wie der Abend gewesen ist. Heute fehlt das ein wenig."

In die Zukunft blicken

Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz, die kürzlich 60 Jahre alt wurde, schöpfte selbst neue Kraft aus Dörnemanns 95. Geburtstag: "Ich kann scheinbar noch voller Hoffnung in die Zukunft blicken!" Auf dem Podium warf sie jedoch erst einmal einen Blick in die Vergangenheit des aus Witten stammende Kritikers, der - so sagt es die Legende - erstmals bei einer Vorstellung von "Peterchens Mondfahrt" mit dem Bochumer Schauspielhaus in Berührung kam.

Wie sich der Träger des Bundesverdienstkreuzes um die Stadt verdient gemacht hat, wurde auch mit der Ansprache des Germanisten Ralph Köhnen deutlich: Köhnen ist unter anderem Leiter der Theatergeschichtlichen Sammlung Kurt Dörnemann, die der Kritiker der Ruhr-Universität 1987 stiftete. Dass diese Sammlung lebt, soll bald mit einer Ausstellung zur Bedeutung Schillers für das Schauspielhaus Bochum bewiesen werden.

Als letzter Redner betrat Dörnemann selbst das Podium. Hellwach und klar schöpfte er aus einem reichen Erfahrungsschatz, erzählte Anekdoten zu den großen Intendanten: Wie er mit Schalla eine Sartre-Premiere im Beisein des Autors durchstand. Oder wie der Querkopf Peymann mit einem Schlafsack bewaffnet die Jahrhunderthalle "besetzen" wollte. So zeigte sich das Altersjubilar als Teil lebendiger Erinnerung. Es bleibt nur, ihm noch viele weitere gute Jahre zu wünschen!

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