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Feuerwehr-Pressesprecher Uli Gehrke zu der unvorbereiteten Evakuierung

WITTEN Am Montag sorgte ein Bombenfund für den wohl größten Katastrophenschutz-Einsatz seit Jahrzehnten. RN-Redakteurin Lisa Timm sprach darüber mit dem Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Uli Gehrke.

Feuerwehr-Pressesprecher Uli Gehrke zu der unvorbereiteten Evakuierung

Feuerwehr-Pressesprecher Uli Gehrke.

Es gibt Richtlinien der Bezirksregierung für die Feuerwerker. Darin heißt es, wenn eine Bombe beim Auffinden bewegt wurde, in diesem Fall durch einen Bagger, muss sie sofort entschärft werden. Wir konnten also gar nicht anders handeln. Eine andere Situation ergibt sich, wenn gezielt Luftaufnahmen nach Blindgängerabwürfen überprüft werden, wie das Ende letzten Jahres an der Brauckstraße der Fall war. Dann kann man nach entdecken einer nicht explodierten Bombe nach einem Zeitplan vorgehen.

Es wurden selbstverständlich vor Baubeginn alte Luftaufnahmen ausgewertet. Doch deren Auswertung ist sehr schwierig, weil die Trichter der nicht detonierten Bomben von Gebäudeschatten der Kriegsruinen verdeckt sein können oder vom Krater einer direkt nebenan explodierten Bombe.

Bei einem Einsatz in dieser Dimension ist das sicherlich nicht möglich. Dabei gibt es immer irgendwelche Unwägbarkeiten. So auch am Montag, als sich Bürger weigerten, ihre Wohnungen zu verlassen. Das hat den Zeitpunkt der Entschärfung um eine Stunde nach hinten verschoben. Dennoch meine ich, dass wir in der Kürze der Zeit, die uns zur Verfügung stand zügig die Evakuierung abgewickelt haben, wenn man bedenkt, dass wir für die vielen Liegendtransporte noch Kapazitäten von anderen Städten aus dem EN-Kreis heranschaffen mussten. 98 Prozent der Räumung hatten wir nach zwei Stunden erledigt. Das Problem waren definitiv die Leute, die sich weigerten, ihre Wohnungen zu verlassen. Wir hatten uns auf 20 Uhr eingestellt, daraus wurde dann ja bekanntlich 21.40 Uhr.

Sehr gut, wenn man bedenkt das Einsatzkräfte, insbesondere des Sanitätsdienstes, aus dem ganzen EN-Kreis dabei waren. Insgesamt waren 250 Hilfskräfte von DRK, Arbeiter Samariterbund, Johanniter, Maltesern, dem Technischen Hilfswerk und der Feuerwehr vor Ort.

Der Fundort der Bombe wird eingemessen, dokumentiert und in den Plänen eingezeichnet. Ohnehin ist für Donnerstag ein Termin vorgesehen, bei dem eine von der Bezirksregierung beauftragte Fachfirma das 3000 Quadratmeter große Gelände mit einer Sonde absucht. Das war schon im Vorfeld abgeklärt, der Bombenfund von Montag ist der Gelände-Sichtung nur zuvor gekommen.

Dann können wir selbstverständlich geplant entschärfen und die Leute vorher rechtzeitig über den Evakuierungs-Termin informieren, der dann natürlich auch nicht in die späten Abendstunden fällt.

Es war natürlich eine Geduldsprobe für die Bürger, aber auch für uns. Wir haben aber den Eindruck gewonnen, dass die Leute Verständnis für die Sicherheitsmaßnahmen aufbrachten und sie verhielten sich sehr vernünftig. Auch nach der Entwarnung gestaltete sich die Rückkehr der Bewohner in ihre Wohnungen sehr diszipliniert. Man sah viele, die ältere Nachbarn stützten. Fast alle Leute gingen zu Fuß zurück zu ihren Quartieren, so dass die bereit gestellten Rücktransporte fast überflüssig wurden. Aufreger unter den Evakuierten waren ganz deutlich Einzelfälle.

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