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Kampf ums Überleben

Freie Kulturszene demonstriert gegen Sparzwang

BOCHUM Die Zukunft der Freien Kulturszene – sie liegt am Dienstag (21. Oktober) in den Händen des Verwaltungsvorstandes der Stadt Bochum. Denn der berät in seiner Sitzung, ob die freie Kulturszene von weiteren Sparmaßnahmen ausgenommen werden soll.

Freie Kulturszene demonstriert gegen Sparzwang

Ein symbolischer Glockenschlag gegen den finanziellen Kahlschlag: Vor dem Rathaus demonstrierten Vertreter der Freien Kulturszene gegen die Sparmaßnahmen.

175.000 Euro: Das ist die Summe, die die Stadt Bochum bei der freien Szene einsparen will. Eine vergleichsweise geringe Summe, gemessen am gesamten Kulturetat. Der beträgt 51,5 Millionen Euro – von denen die freie Szene etwa 3,4 Prozent erhält. Die freischaffenden Künstler erhalten also bereits eine nur geringe Förderung durch die öffentliche Hand – und haben eine Runde von Einsparmaßnahmen über sich ergehen lassen. Nun will die Stadt ein weiteres Mal den Rotstift ansetzen. Das hätte für viele schwerwiegende Folgen: „Wir kommen nicht um Kurzarbeit herum“, sagt Gerd Spieckermann vom Bahnhof Langendreer. Er ergänzt, dass es für viele freie Künstlergruppen nicht möglich sei, in den kommenden zwei Monaten das Sparziel der Stadt einzuhalten: „Sie würden mit einem Defizit in das neue Jahr starten“, sagt er und malt ein Schreckensszenario der Bochumer Kulturlandschaft: „Die Künstler werden abwandern.“

Die Demonstration, zu der er und andere Kulturschaffende am Montag vor dem Rathaus zusammen gekommen sind, ist nicht das erste Signal in Richtung der Stadtverwaltung. „Wir gewinnen den Eindruck, dass wir mit unseren Interessen in Bochum schlecht aufgehoben sind“, sagt er. Vor vier Wochen schickten er und andere Kulturschaffende einen Brief an Stadtdirektor Michael Townsend: „Wir warten immer noch auf eine Eingangsbestätigung“, sagt er enttäuscht. Enttäuscht ist Doro Schäfer, Mitbegründerin des Freien Kunstterritoriums (FKT), nicht von der Kulturpolitik der Stadt Bochum – aber genervt: „Es ist eine unerfreuliche Situation, dass wir mit viel Aufwand versuchen müssen, unseren Standard zu halten“, sagt sie. Für die Förderung von Projekten des FKT müssten immer häufiger Tochterunternehmen der Stadt einspringen.

Dabei will Doro Schäfer gar keine Unsummen aus städtischer Förderung erhalten. „Es geht uns um eine Minimalförderung.“ Ähnlich sieht es auch Hans Dreher vom Rottstr5-Theater: „Wir können verstehen, dass Bochum sparen muss. Aber man kann in der freien Szene nicht mehr sparen“, sagt er. Sollte Bochum den Trend des Sparzwanges fortsetzen, sieht er „keine Überlebenschance“. Dabei befindet sich die Kulturszene gerade in einem Wandlungsprozess. Mit einem Runden Tisch zur Kultur werden bereits die Gräben zwischen der institutionalisierten Kultur einerseits und der freien Szene andererseits abgebaut. Mit der Fortführung solcher Projekte könnte Bochum „zur Modellstadt bei der Verbindung von On- und Off-Kultur werden“, so Georg Mallitz von den Rottstr5-Kunsthallen.

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