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"OurCenturY"-Projekt

Fußgänger-Autobahn um die Jahrhunderthalle

BOCHUM Noch eine alte Schrankwand im Keller oder Bretter, die über Jahre vergeblich auf ihren Einsatz warten? Dann nichts wie hin zur Kunst-Baustelle an der Jahrhunderthalle.

Fußgänger-Autobahn um die Jahrhunderthalle

Folke Köbberling und Martin Kaltwasser zeigen das Modell ihres Projekts "Our CenturY".

„Our CenturY“ heißt das Projekt von Folke Köberling und Martin Kaltwasser, das sie für die Ruhrtriennale entwickelt haben. Und das nur dann funktioniert, wenn möglichst viele Menschen mitmachen. Aus 5000 Europaletten werden die beiden Künstler ein Wegenetz, eine Art Fußgängerautobahn rund um die Jahrhunderthalle bauen. Für die Ritzen in den Paletten sind dann andere zuständig. Betriebsausflug, Familienpicknick, Training mit dem Sportverein – das alles könnte nach den Vorstellungen der Ruhrtriennale mit dem Kunstprojekt verbunden werden. „In den Spalten soll eine Intarsienarbeit entstehen“, beschreibt Folke Köbberling ihre Idee: „Jede Palette wird ein Kunstwerk für sich.“ Material liefert der USB aus seinen Sammlungen. Wer aber unbedingt einen Meter ganz blau oder gelb wie seine Vereinsfarben gestalten will, kann entsprechend farbiges Holz auch selbst mitbringen. Am Ende gibt es ein Fähnchen, damit jeder „seine“ Strecke jederzeit wiederfinden kann.

Vor der Jahrhunderthalle selbst wird eine Art Podest entstehen, der auch nach Veranstaltungen der Ruhrtriennale zum Verweilen einlädt. Ein anderer Teil des Weges führt über eine 4,50 Meter hohe Brücke hinter die Halle. Hier wird ein Teil der Wasserwelten überbaut, um so einen weiteren Treffpunkt zu schaffen. Vorbild ist die Cola-Oase im Centro in Oberhausen. Beim Westendfest am vergangenen Wochenende auf dem Springerplatz wurde das Projekt anhand der ersten Paletten bereits den Anwohnern präsentiert und um Teilnahme geworben. „Wir sind von Haus zu Haus gegangen“, beschreibt Dramaturgin Marietta Piekenbrock. Beteiligt an der Aktion sind auch Studierende der Bochumer Hochschule.

Alltagselemente in einen anderen Zusammenhang zu bringen, unsere Alltagsästhetik zu hinterfragen, das ist ein Anliegen von Köbberling und Kaltwasser. In der Vergangenheit haben sie mit vielen Bauten an einer Ästhetik des Widerstands gegen unsere konsumorientierte Lebensumwelt gearbeitet. Ausgehend von dem Gedanken, dass viele Innenstädte im Ruhrgebiet verwaisen, wollten die beiden Künstler für die Ruhrtriennale ursprünglich ein alternatives Kaufhaus inszenieren. Dann aber ließen sie sich von den vielen Autobahnen inspirieren, die das Ruhrgebiet durchziehen und entschieden sich, eine Autobahn für Menschen zu bauen.

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