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Kulturhaus Thealozzi

Gastspiel "The Machine" überzeugt und überrascht

BOCHUM Ein außergewöhnliches Remake des Romans „Einer flog über das Kuckukucksnest“ gab es am Wochenende im Thealozzi zu sehen. Anglistikstudenten der Uni Duisburg-Essen haben in ihrer Schauspielgruppe „only connect!“ ein beklemmendes und sozialkritisches Stück auf die Beine gestellt: „The Machine“– auf Englisch versteht sich.

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Der Chief trauert um McMurphy.

The Machine - die weißen Frauen verbreiten eine gruselige Stimmung.

Ungewöhnlich werden die Zuschauer begrüßt: Auf den Treppen nach oben zur Bühne stehen Frauen in weißen Kitteln, weiß geschminkt und mit einem irren Blick nach vorne. Durch sie müssen sich die Gäste zwängen. Es ist totenstill. Niemand redet. Die gruseligen Frauen in weiß geleiten das Publikum zu den Plätzen.

Skurril geht es weiter. Sieben Männer betreten den Raum, nur mit Boxershorts bekleidet. Nacheinander stehen sie auf, ziehen sich an und erklären ihre Leiden: Der eine hat ein Kriegstrauma, ein anderer Angst vor den Brüsten seiner Frau, dann gibt es noch einen Paranoiden, einen Schizophrenen und einen mit Mutterkomplex. Sie alle tragen Hasenohren. Und sagen „Ich bin kein Mann, ich bin nur ein Hase.“ In der Mitte des Raumes steht der „Chief“ die ganze Zeit reglos da. Wir befinden uns in einer Irrenanstalt. Das Sagen hat die Oberschwester, die ihre Patienten triezt, wo es nur geht. Der Neue – McMurphy – passt ihr so gar nicht. Er hat kein psychisches Problem, lehnt sich gegen die Schwester auf und versucht, seine Mitinsassen wachzurütteln.

Eingewiesen wurde er, weil er den Vorstellungen der Maschine, einem Symbol der Gesellschaft, nicht genügte. Um zu provozieren, tanzt er lasziv vor der Oberschwester zu „Candy Shop“, benutzt Kraftausdrücke, schmeißt eine Party mit sehr leicht bekleideten Frauen. Sein Verdienst: Er befreit den Chief aus seiner Starre, erweckt ihn wieder zum Leben. McMurphy aber wird ruhig gestellt, kann weder reden noch handeln. Der Chief trauert – und schwört Rache. So schwierig die Thematik, so gut hat es die Truppe umgesetzt. Die Stimmung bleibt beklemmend. Unterstützt wird die Atmosphäre durch Musik auf einer E-Gitarre, die der Musiker Alexander Kupsch passend für dieses Stück komponiert hat. Die Frauen in weiß klopfen mit Zangen gegen Stuhlbeine und stellen so die Maschine dar. Auch die rund 30 Schauspieler machen einen guten Job. Die Oberschwester, gespielt von Christina Kreuzer, wirkt irre und gruselig und auch die Patienten wie McMurphy (Steffen Rix) überraschen mit dem ein oder anderen filmreifen Ausraster.

Die wenigen Zuschauer, die ins Thealozzi gekommen sind, werden Teil des Stücks, als die weißen Frauen die Gäste langsam in die Mitte der Bühne treiben und ihnen mit wirrem Blick Fragen wie „Was ist deine größte Angst?“ stellen. Die Zuschauer werden Teil der Maschine. „Es ist immer wieder erstaunlich, dass das Publikum das mit sich machen lässt. Jeder hat schließlich seinen freien Willen, darum geht es ja in dem Stück. Wir geben auch im Alltag viel zu viel von uns preis oder lassen uns viel zu stark lenken. Darauf wollte ich aufmerksam machen“, sagt Regisseurin Julie Stearns. Ein sehr gelungenes Stück mit der richtigen Mischung aus Ernsthaftigkeit, Komik und Sozialkritik, das auf jeden Fall mehr Zuschauer verdient hätte.

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