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Teil 158

Gruß aus Bochum: Das Herrenhaus in Langendreer

BOCHUM Das Herrenhaus in Langendreer hat seit seiner Erbauung vieles erlebt: Vom ehemaligen Adelssitz bis hin zur Unterkunft für Bergarbeiter. Heute stehen auf dem Gelände drei Förderschulen - einige historische Baureste des ehemaligen Herrenhauses sind aber bis heute vorhanden.

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Als diese Karte 1913 verschickt wurde, war das Herrenhaus schon längst abgerissen.

Der Westbau vor dem Umbau 1907, hinten ein Wirtschaftsgebäude des 19. Jahrhunderts.

Blick von „Am Leithenhaus" auf die verbliebenen historischen Baureste.

Unweit der S-Bahn-Haltestelle Bo-Langendreer finden sich an der Straße „Am Leithenhaus“ noch historische Relikte von Haus Langendreer. Einst Wohnsitz des niederen Adels, war es zugleich landwirtschaftlicher Betrieb. Heute sind die Baureste in das LWL-Förderschulzentrum integriert.

Die ältere Heimat-Geschichtsschreibung beschrieb Haus Langendreer gerne als besonders alte und wehrhafte Burganlage, ohne dafür echte Belege vorweisen zu können. Erst die seit den 1980er Jahren veröffentlichten Forschungen von Clemens Kreuzer zeichneten ein realistischeres Bild. Danach wurde noch im Jahr 1266 lediglich ein „Hof Dreer“ erwähnt, von adeligen Bewohnern oder gar einer Burg jedoch nichts berichtet. Um 1300 traten dann die Herren von Dreer in Erscheinung, und aus dem Bauernhof entwickelte sich ein niederadeliges Anwesen.

Hausbesitzer

Nun dürfte es mit einer Gräfte (Wassergraben) umgeben und massive Steinbauten errichtet worden sein. Das damalige „Haus Deer“ war wohl identisch mit dem 1436 erstmals erwähnten „Leithenhaus“. Durch Heirat kam 1448 die aus Ostwestfalen stammende Familie von der Borch in den Besitz des Gutes. Unter ihrer Herrschaft entstanden die heute noch vorhandenen Bauten.

Das renaissancezeitliche Treppengiebelhaus, der sogenannte „Westbau“, verfügte über ein Tor mit Brücke über die Gräfte. Es diente als Scheune, soll aber auch Gerichtsräume beherbergt und somit eine hoheitliche und repräsentative Funktion erfüllt haben. Als ältester Teil gilt der Eckturm aus Bruchstein im Nordosten.

Schmucklose Anlage

Beide Bauten sind durch eine Umfassungsmauer verbunden, in der eine Tordurchfahrt liegt, welche heute noch den Hauptzugang bildet. Dieser „Vorburg“ mit weiteren Wirtschaftsgebäuden schloss sich im Südwesten das auf einer eigenen kleinen Insel liegende Herrenhaus an. Dieses war wohl seit dem 16. Jahrhundert baufällig geworden, denn 1642/43 kam es zum Abbruch und anschließenden Neubau.

Die 1913 gelaufene Karte zeigt eine zweigeschossige, relativ schmucklose Zweiflügelanlage. Im Winkel des Hofes ist ein Treppenturm mit geschweifter barocker Haube zu sehen. Die Familie von der Borch residierte im Lauf der Zeit immer seltener vor Ort und ließ den Besitz von Rentmeistern verwalten. 1792 gab sie Haus Langendreer endgültig als Wohnsitz auf. Während die Wirtschaftsgebäude instand gehalten wurden, verfiel das Herrenhaus allmählich, sodass in den 1890er Jahren der Treppenturm einstürzte.

Bergarbeiterhaus

1905 erwarb die Bergbaugesellschaft Louise Tiefbau (Zeche Bruchstraße) das Anwesen. Der Westbau und die Wirtschaftsgebäude wurden ab 1907 zur Unterkunft und Kantine für Bergarbeiter umgebaut, die Gräfte zugeschüttet. 1908 erfolgte der Abriss des inzwischen völlig baufälligen Herrenhauses. Als die Postkarte 1913 verschickt wurde, war es also schon seit fünf Jahren aus dem Ortsbild verschwunden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten die verbliebenen Gebäude zunächst als Notunterkünfte. 1969 erwarb der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Gelände und wollte sie abbrechen, weil sie der dort geplanten Behindertenschule im Weg zu sein schienen. Nun kam es jedoch zu Protesten aus der Bevölkerung und seitens der Denkmalpflege, worauf der LWL die Pläne änderte.

Mit dem Treppengiebelhaus, der Umfassungsmauer und dem Eckturm integrierte man die ältesten Teile von Haus Langendreer in das Neubaukonzept der insgesamt drei Förderschulen. Die Gräfte wurde teilweise freigelegt, wodurch am Westbau, der jetzt als Verwaltungsgebäude dient, die Steinbrücke wieder zum Vorschein kam. Den früheren Standort des Herrenhauses macht nun eine rot gepflasterte und mit Hecken umgebene Fläche auf dem Schulhof kenntlich. 

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