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Teil 81

Gruß aus Bochum: Standbild in Stahlhausen erinnerte an Baare

BOCHUM Die wohl wichtigste Persönlichkeit des Bochumer Wirtschaftslebens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Louis Baare (1821-97). An ihn erinnern noch heute die Baarestraße und das nach ihm benannte Berufskolleg. Sein Denkmal und der Baareplatz sind dagegen verschwunden.

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Eine neuere Gedenktafel für Louis Baare und das Kosthaus des Bochumer Vereins.

Neben dem fast sechs Meter hohen Denkmal wirken die Menschen auf der Karte von 1910 beinahe winzig.

Hier befand sich früher der Baareplatz mit dem Denkmal. Das Gebäude rechts wird heute von der VHS genutzt.

Louis Baare wurde 1854 im Alter von nur 33 Jahren Direktor und später Generaldirektor des Bochumer Vereins (BV), der in jenem Jahr als neu gebildete Aktiengesellschaft aus der „Gußstahlfabrik Mayer und Kühne“ hervorging. Diese bestand seit 1842 und war von Jacob Mayer (1813-75), dem Erfinder des Stahlformgusses, und dem Kaufmann Eduard Kühne (1810-83) gegründet worden. Doch erst als AG unter Leitung von Louis Baare entwickelte sich der Betrieb zu einem Industrieunternehmen von weltweitem Ruf.

Mehr als 40 Jahre lenkte er die Geschicke des BV (bis 1895), und die Belegschaft stieg von 200 im Jahr 1854 auf rund 10 000 Mitarbeiter Ende der 1890er-Jahre. In der Entwicklungs- und Aufbauphase konnte sich der BV nicht zuletzt dank Baares Geschäftspolitik gegen den übermächtigen Konkurrenten Krupp behaupten. Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer saß Baare seit 1879 im preußischen Abgeordnetenhaus und fungierte als sozialpolitischer Berater Bismarcks. Die erste Reichsunfallversicherung ging 1881 mit auf seinen Entwurf zurück. Auch im öffentlichen Leben Bochums spielte Baare eine wichtige Rolle. Von 1863 bis zu seinem Tode war er Stadtverordneter und seit 1872 Präsident der Industrie- und Handelskammer. Schon zu Lebzeiten blieben die Ehrungen für Louis Baare nicht aus. So erhielt er 1888 die Bochumer Ehrenbürgerschaft – als zweite Person nach Bismarck. In der „Kolonie Stahlhausen“, deren Gründung in den 1860er Jahren auf Baares Initiative erfolgte, wurde eine Straße schon 1874 nach ihm benannt. An ihr lag auch der dreieckige Baareplatz, wo das „Kost- und Logierhaus“ des BV stand.

1899, zwei Jahre nach Baares Tod, errichtete ihm das Unternehmen ein Denkmal auf dem Baareplatz. Auf der Ansichtskarte von 1910 wird dessen Größe im Vergleich zu den beiden abgebildeten Personen deutlich. Die 17 Zentner schwere, überlebensgroße Bronzefigur maß 2,75 Meter, der Sockel aus poliertem schwedischen Granit war ebenso hoch. Der Entwurf stammte von dem Berliner Künstler Fritz Schaper (1841-1919). Sein Werk würdigte der „Märkische Sprecher“ anlässlich der Denkmals-Einweihung am 30. Juli 1899 als sehr gelungen. Der Bildhauer habe „das Wesen des verstorbenen Herrn Generaldirektors trefflich charakterisiert“, auch die „schlichte Einfachheit“ der Darstellung wurde gelobt.

Schaper hatte sich auf Standbilder berühmter historischer und zeitgenössischer Persönlichkeiten spezialisiert. 1889 war er bereits für die Konkurrenz des BV tätig gewesen, als er ein Denkmal für Alfred Krupp schuf, welches noch heute an der Essener Marktkirche steht. Mit dem Bochumer Denkmal war die Geschichte weniger gnädig: wie das Kost- und Logierhaus und der Baareplatz überstand es den Zweiten Weltkrieg nicht. Heute finden sich am ehemaligen Standort keine Spuren mehr, wie das aktuelle Foto zeigt. Allerdings erinnert an der Baarestraße eine jüngere Gedenktafel an Baare, sein Denkmal und das ehemalige Kosthaus. Sie wurde vor einigen Jahren von Krupp Thyssen Nirosta gestiftet und durch die Bezirksvertretung Mitte aufgestellt.

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