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„Echte“ Halterner gibt es ab Samstag nur noch mit einer Hausgeburt

Schließung Geburtenstation

Ab Samstag ist die geburtshilfliche Station im Halterner St.-Sixtus-Hospital Geschichte. Müttern, die ihr Kind danach noch als echte Halterner auf die Welt bringen möchten, bleibt nur die Möglichkeit der Hausgeburt.

Haltern

von Eva-Maria Spiller

, 26.06.2018
„Echte“ Halterner gibt es ab Samstag nur noch mit einer Hausgeburt

Wer im Reisepass seines Kindes in Zukunft Haltern als Geburtsort stehen haben möchte, dem bleibt nur die Hausgeburt. © picture alliance / dpa

Die Zeit, in der Halterner die Seestadt als Geburtsort in ihren Pass gedruckt bekommen haben, geht dem Ende zu. Zumindest im St.-Sixtus-Hospital. Die geburtshilfliche Station des Krankenhauses schließt am Samstag (30. Juni). Eine Möglichkeit, sein Kind auch danach noch als echter Halterner zur Welt zu bringen, gibt es aber nach wie vor: die Hausgeburt. Redakteurin Eva-Maria Spiller hat mit der freiberuflichen Hebamme Diane Franke aus Recklinghausen gesprochen, die Hausgeburten im Kreis anbietet.

Wie viele Hausgeburten betreuen sie pro Jahr?

Das schwankt immer ein bisschen. In diesem Halbjahr hatte ich schon relativ viele Hausgeburten. Im Jahr sind es so etwa 10 bis 15 Hausgeburten, insgesamt betreue ich rund 40 Geburten pro Jahr.

Bieten Sie Hausgeburten auch in Haltern an?

Für eine Hausgeburt kommen ich und meine Kollegin Heike Kruner auch nach Haltern. Wir haben eine Praxis in Recklinghausen. Wenn die schwangeren Frauen dann bereit sind, für die Schwangerschaftstermine zu uns zu kommen, dann kommen wir auch für die Hausgeburt nach Haltern. Ich betreue die ersten Tage nach der Geburt, ab dann müssen sich die Frauen aber vor Ort auch eine Kollegin suchen, die die Wochenbettbetreuung übernimmt. Denn für die Wochenbettbetreuung ist die Wegstrecke zu lang.

Wie viele Frauen betreuen sie gleichzeitig?

Ich nehme maximal vier Frauen im Monat an. Das ist mein Gefühl, dass ich da eine gute Betreuung bieten kann. Das ist von Kollegin zu Kollegin unterschiedlich. Ich mache das Rundumpaket, Rückbildungskurse, Rückbildungsschwimmen, Säuglingspflegekurse etwa. Dadurch sind die Frauen sehr angebunden an die Hebamme und die Praxis.

Warum bieten verhältnismäßig wenige Hebammen eine Hausgeburt an?

Das liegt ganz klar an den Verhältnissen, die für Hebammen hersschen. An der gestiegenen Haftpflichtversicherung. Die Krankenkassen fordern jede Menge von uns, Qualitätsmanagement etwa. Man muss als Hebamme viel leisten. Aber die Bezahlung zieht nicht nach. Für so einen Aufwand lohnt es sich dann nicht mehr. Dabei ist die Nachfrage nicht verändert. Ich glaube nicht, dass es weniger Frauen gibt, die Hausgeburten wollen.

Wann sollten sich Eltern melden?

Möglichst sofort, wenn sie wissen, dass sie schwanger sind, weil wir so wenige sind, die Hausgeburten anbieten. Wenn eine Kollegin ausgebucht ist, ist sie ausgebucht. Versuchen soll man es natürlich trotzdem, aber wenn man schon im Vorfeld weiß, dass man eine Hausgeburt möchte, sollte man sich dann auch schon melden. Manchmal rufen mich die Frauen in der sechsten Woche an und ich bin schon ausgebucht.

Wie läuft eine Hausgeburt ab?

Im Grunde meldet sich die Frau, wenn sie regelmäßige Wehen hat. Wenn kräftige Wehen alle fünf Minuten kommen. Es kann auch gerade beim ersten Kind Situationen geben, wo wir erstmal nur telefonieren, wo die Frau einen Tipp braucht. Zwei Stunden vor der Geburt bei Mehrgebährenden bin ich da, beim ersten Kind auch schon mal zehn Stunden vorher. Wenn das Kind geboren ist, dann bin ich noch bis zu vier Stunden danach da und dann täglich zum Wochenbett, zumindest in Recklinghausen. In Haltern würde ich in der ersten Woche täglich kommen, danach würde Kollegin vor Ort übernehmen.

Gibt es bei Hausgeburten besondere Risiken, die es im Krankenhaus nicht gibt?

Generell kann man davon ausgehen, dass man eine Hausgeburt nur macht, wenn keine Risiken bestehen. Etwa, wenn es sich um eine Frühgeburt oder Zwillinge oder eine Beckenendlage handelt. Die sind von der Hausgeburt ausgeschlossen. Oder auch eine schwere Erkrankung der Mutter oder Bluthochdruck während der Schwangerschaft wären Gründe.

Ansonsten sind die Risiken bei einer Hausgeburt relativ klein. Wenn etwa die Frau nach der Geburt die Plazenta nicht gebärt, dann würden wir einen Krankenwagen rufen. Eigentlich passiert das 15 Minuten bis eine halbe Stunde nach der Geburt. Solche Dinge sind dann zu Hause nicht möglich. Die Hausgeburtshebamme kann dann rechtzeitig die nötigen Schritte einleiten.

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