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Wasag-Gelände

Eigentümer kämpft gegen giftige Schadstoffe

SYTHEN Es ist seit den 1990er Jahren bekannt: Aus dem Gelände der ehemaligen Wasag-Chemie in Sythen wandern Schadstofffahnen im Grundwasser Richtung Stausee, die das Trinkwasserreservoir in wenigen Jahrzehnten erreichen werden. Auf dem Gelände betreibt der Eigentümer Sythengrund intensive Forschungs- und Sanierungsmaßnahmen, um die weiteren Einleitungen zu stoppen. Wir haben uns vor Ort über den aktuellen Stand der Arbeiten informiert.

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Wie in der Archäologie wurden einzelne Gebäudeteile aus dem Ersten Weltkrieg wieder freigelegt.

Michel van Lutterveld nimmmt eine Kontrollmessung an einem der Brunnen im Werksgelände vor.

Belastetes Grundwasser wird an die Oberfläche gepumpt. Die Schadstoffe zersetzen sich bei Sonneneinstrahlung.

Dr. Rolf Niepmann, Generalbevollmächtigter Sythengrund

Wir stehen an der Verladerampe im ehemaligen Wasag-Sprengstoffwerk in Sythen. Gleise führen mitten ins Gelände, verrottete Gebäudeteile werden zwischen Bäumen sichtbar, Betonbahnen durchziehen das Gelände. In beiden Weltkriegen produzierten hier tausende Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter Sprengstoffe für die deutsche Kriegsmaschinerie.

Das war Klein-Auschwitz hier", sagt Dr. Rolf Niepmann, Generalbevollmächtigter der "Sythengrund Wasagchemie Grundstücksverwaltungsgesellschaft Haltern mbH". Die Gesellschaft verwaltet das rund 300 Hektar große Gelände, auf dem seit 1896 Sprengstoffe produziert wurden, zur zivilen, aber auch zur militärischen Nutzung.

Produktion von Sprengstoffen

1976 hat die Sythengrund das Grundstück übernommen. Sie ist eine hundertprozentige Tochter der H&R AG, die aus einer Fusion der ehemaligen Wasag-Chemie und der SRS GmbH Salzbergen hervorgegangen ist. Auf einem Teil des Geländes produziert die Maxam Deutschland GmbH noch heute Sprengstoffe, ausschließlich zur zivilen Nutzung vorrangig im Bergbau.

Die Aufgabe der Sythengrund war zunächst die Vermarktung der Flächen des ehemaligen Werksgeländes, das für Nachnutzungen zur Verfügung gestellt werden soll. Bereits in den neunziger Jahren stellte sich heraus, dass die Schadstoffbelastungen vor allem aus der militärischen Sprengstoffproduktion ins Grundwasser eindringen und in Fahnen Richtung Halterner Stausee wandern.

Schadstoffe erreichen den Stausee

"Wir müssen davon ausgehen, dass die Schadstoffe zwischen 2050 und 2080 den Halterner Stausee erreichen", sagt Dr. Rolf Niepmann. Welche gesundheitlichen Auswirkungen dies haben könnte, weiß niemand. "Es gibt keine vergleichbaren Fälle", so Niepmann.

Seit 1993 ist die Sythengrund deshalb dabei, die Quellen der Schadstoffbelastungen zunächst zu lokalisieren und dann zu reduzieren. Das Auskoffern einzelner offensichtlich belasteter Flächen führte nicht zu den gewünschten Erfolgen. Die Belastungen stiegen weiter. "Uns wurde klar, dass es noch weitere Ursachen geben musste." Präventiv hat die Sythengrund eine Galerie von insgesamt 120 Messbrunnen errichtet, die im und außerhalb des Werksgeländes ständig die Kontrolle der Schadstoffkonzentration und der Ausbreitung der Belastungsfahnen möglich machen. "Wir messen auch außerhalb der bekannten Belastungen, um zu sehen, wie schnell sich die Fahnen ausbreiten", sagt Rolf Niepmann.

Pläne vom Werksgelände

Große Schadstofffunde gab es im Werk im Jahr 2010, auch 2013/14 wurden weitere Belastungen festgestellt. Sythengrund nahm umfangreiche historische Forschungen auf. In Archiven in Münster wurde man fündig: Dort existierten Pläne vom Werksgelände, auf denen auch Gebäude aus der Zeit des Ersten Weltkriegs verzeichnet sind, die allesamt 1922 von der alliierten Kontrollkommission zerstört worden waren.

Quasi mit "chirurgischen" Schnitten ins Gelände wird seitdem versucht, die verschütteten und oberflächlich nicht sichtbaren Gebäude aufzuspüren, von denen die Belastungen ausgehen. "Zum Teil wurden aus unterirdischen Kammern Produktionsabfälle direkt ins Erdreich geleitet, von der Oberfläche ist das nicht sichtbar gewesen", sagt Dr. Rolf Niepmann.

Belastetes Grundwasser

Die Sythengrund pumpt belastetes Grundwasser an die Oberfläche. "Unter Sonneneinstrahlung zersetzen sich die Schadstoffe", sagt Niepmann. Ein neues Schilfbecken soll zusätzlich die Zersetzung beschleunigen.

Etwa drei Millionen Euro hat Sythengrund bisher bereits in die Sanierungsmaßnahmen gesteckt. Mindestens weitere zwei Millionen werde man noch investieren müssen, so der Grundstücksverwalter. Wenn die Kosten die Höhe des Verkehrswertes des Grundstücks erreichen, ist Schluss. Ab dann muss die öffentliche Hand, sprich der Kreis Recklinghausen, die Mittel für zukünftige Sanierungsmaßnahmen aufbringen. Wann genau das sein wird, steht nicht fest. Über den genauen Verkehrswert des Grundstücks streiten die Partner noch.

Die Gelsenwasser AG hat dem Kreis Recklinghausen mitgeteilt, dass sie auch dann, wenn die Schadstofffahne den Stausee erreicht, gut gewappnet ist, weiterhin einwandfreies Trinkwasser zu liefern. "Auch wenn derzeit noch nicht mit letzter Genauigkeit gesagt werden kann, ob die Sprengstoffverbindungen im Seewasser überhaupt nachzuweisen sind, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, diese über Aktivkohle zu binden und damit aus dem Wasser zu entfernen. [….] Grundsätzlich setzen aber alle Beteiligten weiterhin auf Bemühungen, den Schaden an der Quelle zu beheben", heißt es in dem Gelsenwasser-Bericht. Durch die eingeleiteten Maßnahmen sei ein weiterer Eintrag von Sprengstoffrückständen inzwischen nahezu gestoppt worden.

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