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Wie Pädagogik zu einem Heimatgefühl beiträgt

Schule hilft, Wurzeln zu schlagen

Haltern Die Grundschule Sythen bildet seit August 2008 gemeinsam mit der Grundschule Lavesum den Grundschulverbund Sythen-Lavesum. 215 Schüler in Sythen und 80 Schüler in Lavesum werden von insgesamt 19 Lehrkräften unterrichtet. Über das Thema „Schule und Heimat“ sprachen wir mit Schulleiter Hans Hatebur.

Schule hilft, Wurzeln zu schlagen

215 Kinder gehen in Sythen zur Grundschule. Foto: Marcel Witte

Welche Bedeutung hat das Wort Heimat für Sie?

Für mich ist das erst einmal ein Gefühl. Ein Gefühl des Verwurzelt-Seins und des Vertrautseins mit der Umgebung, mit Menschen, Dörfern und Natur. Ein Gefühl des Zuhause-Seins. Es ist nicht festzumachen an einem Teil.

Haben Grundschüler auch schon eine Vorstellung von Heimat?

Ich glaube, grundsätzlich ist dieses Heimatgefühl gegründet in der familiären Situation. Da hat man feste Bezugsgrößen. Erweitert durch den Freundeskreis und den Erlebensraum. Und spätestens wenn die Kinder in die Schule kommen, erweitert sich das bisher Bekannte um ein Vieles. Um fast 30 Menschen gleichen Alters mit unterschiedlichen Positionen, um einen Klassenlehrer. Um das Gefühl, in dieser neuen Gemeinschaft angenommen zu sein. Und um das Wissen, dass das, was jetzt neu dazukommt, ungefährlich und gut begleitet zu erobern ist.

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Welche Rolle spielen die Lehrer dabei?

Die Kollegen versuchen, das Umfeld der Kinder so zu gestalten, dass sie Wurzeln bilden können. In Bildern gesprochen, bearbeiten die Lehrer das Erdreich mit verschiedenen Herausforderungen. Sie stellen verschiedene Erlebnisräume, Gebräuche, Lokalitäten und verschieden Geschichtliches vor. Wenn die Kinder da gefestigt sind, ist es leicht, sich anderen zu öffnen. Durch die Migration werden sie auch mit fremden Kulturen konfrontiert. Sie lernen, verantwortungsbewusst und rücksichtsvoll zu sein.

Ist die Auseinandersetzung mit Heimat aus pädagogischer Sicht sinnvoll?

Das ist sehr wichtig. Das Gefühl und die Sicherheit zu haben: Da bin ich zu Hause. Und diese Sicherheit macht dann auch offen für andere Eindrücke.

Wie wird das Thema Heimat im Unterricht, in der Schule allgemein angegangen?

Zunächst mal durch die Zusammenführung der verschiedenen kleinen Menschen, die alle aus verschiedenen Erlebniskreisen kommen. Dadurch, dass man achtsam miteinander umgeht und sich als Gruppe versteht, die eine Verbundenheit darstellt. Eine Klassengemeinschaft ist auch ein Stück Heimat. Und das vernetzt man mit all dem, was Schule sonst noch bietet – Sachunterricht, Ort Schule, Umgebung, Straßenzüge, Geschichte des Ortes, Eindrücke...

Wir haben auch den Heimatverein als lebendigen Ansprechpartner. Es wird Plattdeutsch mit den Kindern gesprochen. Auch die Krippenausstellung des Fördervereins Schloss Sythen, an der die Schule teilnimmt, ist so eine Verästelung. Wir haben eine Kooperation zwischen Offenem Ganztag und Altenheim. Oder wir besuchen und pflegen Streuobstwieden. Es gibt ganz viele Verbindungen zur Heimat.

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Es geht also nicht ohne den direkten Bezug?

Es geht immer um die Lebenswirklichkeit der Kinder. Das ist das, was sie erfragen. Sie können lange einen Apfelbaum an die Tafel malen und sagen: „So funktioniert das mit dem Apfel.“ Aber wenn der Apfelbaum vor der Tür steht, sollte man den ein Jahr lang mit den Kindern beobachten. Dann entsteht so etwas wie Heimat. In Lavesum sind wir Mint-ausgezeichnet (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Da sind wir mit den Schülern auch sehr stark im Ort vertreten – bei der Feuerwehr, beim Nabu, dem Vogelschutz usw. Und das genau bildet Gefühl für Heimat aus.

Wie sieht es mit Exkursionen in der Umgebung aus?

Das ist an der Tagesordnung. Das gehört zum Sachunterricht dazu. Biologische Station, Tierparks, Schafhirten in der Westruper Heide, der Flugplatz Borkenberge und all das, was in der Umgebung angeboten wird.

Brauchen wir das Fach Heimatkunde an Grundschulen?

Nein. Das wäre künstlich. Alles, was Kinder hier tun, tun sie aus ihrer Lebenwirklichkeit. Und das bildet ab, was Kinder als Heimat verstehen. Heimatkunde – das wäre von außen aufoktroyiert und würde zu aufgesetzt wirken.

Hat sich der Heimatbegriff verändert? Wie sind Sie aufgewachsen?

Im Mief der 50er-Jahre. Ich war auf der katholischen Grundschule. Und da gab es auch so etwas wie eine evangelische Grundschule. Die war unerreichbar. Das waren völlig andere Menschen. Und die taten auch etwas, was man nicht kannte. Das war kein Begriff von Heimat, wie ich ihn gerade definiert habe. Das war Enge, das war nicht offen und das war Angst machend. Als Kind hatte man da ein merkwürdiges Gefühl. Aber heute: Katholisch, evangelisch, muslimisch – das ist keine Frage mehr. Kein Kind wird hier wegen seines Glaubens gemieden.

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