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Ende der Saison

Spargel ist ein nachtragendes Gemüse

SYTHEN Am Sonntag ist das Jahr vorbei. Zumindest für den Spargel. Dann feiern die Bauern ihr „Spargelsilvester“. Doch in diesem Jahr fällt die Feier wohl nicht so euphorisch aus, wie noch im vergangenen Jahr.

Spargel ist ein nachtragendes Gemüse

Etwa 25 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegt die Spargelernte-Ausbeute des Sytheners Josef Sträter in dieser Saison.

Denn wegen des schlechten Wetters sind die Ernte-Erträge in diesem Sommer deutlich geringer. Auf rund ein Viertel weniger als 2011 schätzt der Sythener Spargelbauer Josef Sträter die Einbußen.Natürlich könne man auch nach dem 24. Juni noch weiterstechen. Natürlich könne man damit die Quote noch ein wenig aufhübschen. Doch einen Gefallen tue man sich damit nicht, sagt Sträter. „Denn der Spargel hat ein gutes Gedächtnis.“ Soll heißen: Wird der Spargel – vor allem junger – zu lange geerntet, ist er „sauer“ und bedankt sich im nächsten Jahr mit dünnen Stangen. „Und dünne Stangen lassen sich schlechter verkaufen“, erklärt der Sythener.

Also müssen die Spargelbauern in diesem Jahr in den sauren Apfel beißen und mit geringeren Erträgen leben. Eine Katastrophe sei dies aber nicht, sagt der Landwirt, der das Gemüse schon seit 24 Jahren anbaut. Es habe schon Jahre gegeben, da habe er Anfang Mai gerade einmal ein paar Kilo verkaufen können. „Da war es so kalt, da hätten wir mit Glühwein ein besseres Geschäft gemacht.“ Zum Ende der laufenden Saison wird die Ausbeute auf seinen vier Feldern bei etwa zwölf Tonnen Rohware liegen. „Optimal wären 16 Tonnen.“ Aber das ist nun nicht mehr möglich. Zu spät konnte mit der Ernte angefangen werden. Schuld ist das Wetter. Um den 25. April ging Sträter mit seinen polnischen Helfern auf die Felder, um das königliche Gemüse zu stechen. Gut eine Woche später als üblich, denn es war zu kalt. Erst bei 12 Grad Bodentemperatur an der Pflanze wächst der Spargel, erklärt der Landwirt Bei tieferen Temperaturen bewegt sich nix. Und bis es einmal so warm ist, dauert es eben seine Zeit. Denn über dem Gemüse liegt eine 40 Zentimeter dicke Erdschicht. Eine Woche später auf dem Feld, das klingt erstmal nicht so dramatisch, ist aber im Lauf der Saison nicht mehr aufzuholen. Denn eine weitere Weisheit sagt: „Was dir am Anfang fehlt, bekommst du hinten nicht wieder rein.“ Oder aber du riskierst ein „nachtragendes Gemüse“. Dies ist dem Sythener nur einmal passiert. Vor ein paar Jahren pokerte er zu hoch, stach ein paar Tage zu lang. Das Ergebnis: „Der Spargel hat mich fünf Jahre lang geärgert.“ So etwas will er nicht noch einmal riskieren. Denn der Verkauf der weißen Stangen sei sein Kerngeschäft. Mit dem Spargelsilvester endet am Sonntag die Saison. Dann werden auch die polnischen Erntehelfer wieder in ihre Heimat aufbrechen.

Die meisten von ihnen kommen seit Jahren und so pflegt der Landwirt engen Kontakt. Gemeinsam schauten sie die Partien der polnischen Fußball-Nationalmannschaft bei der EM. Und auch den Abschluss der knackigen Spargel-Saison feiert Sträter mit den Polen. Auf dem Geburtstag des Hof-Seniors wird mit einem Glas Bier ein letztes Mal auf das königliche Gemüse angestoßen.  Tobias Nordmann

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