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Bedenkliche Entwicklung

Haltlose Jugend: Psychiaterin schlägt Alarm

WITTEN „Es gibt immer mehr junge Erwachsene, die nicht lebensfähig sind“, schlägt die Psychiaterin Dr. Rita Wietfeld Alarm. Sie könnten keine Absprachen einhalten und nicht zu einer bestimmten Uhrzeit aufstehen – oft landen sie bei ihr in der Praxis.

Haltlose Jugend: Psychiaterin schlägt Alarm

Dr. Rita Wietfeld und Achim Vogel vor einem Regal, das ein nach behördlichen Maßstäben nicht arbeitstauglicher Klient des Vereins Mit-Menschen angefertigt hat.

Dort zeigt sich: Nicht alle sind wirklich psychisch krank, sondern einfach unreif. „Die Eltern erziehen nicht mehr richtig, sind manchmal zu wohlwollend und nachgiebig“, zeigt die Psychiaterin einige der vielfältigen Ursachen dafür auf. Jugendliche müssten einfach lernen, dass das Leben nicht nur ein Zuckerschlecken ist: „Sie müssen lernen, Frustrationen auszuhalten.“ Erzieherische Kämpfe mit ihnen müssten die Eltern schon aushalten. Den Erziehungsberechtigten möchte Wietfeld keine Vorwürfe machen, sie möchte sie für das Problem sensibilisieren. Nach ihrer Erfahrung kommen betroffene Jugendliche durchaus auch aus den so genannten „besseren“ gesellschaftlichen Schichten. Andere natürlich aus Kreisen, in denen die Eltern keine Lust auf ihre Kinder haben.

„Viele Eltern stehen heute im Beruf unter Druck, sie sind allein erziehend, leben in Patchwork-Familien oder sind antiautoritär orientierte Alt-68er“, zählt Wietfeld Gründe auf, die zur Lebensuntüchtigkeit des Nachwuchses beitragen können. Manchen fehle die Zeit, anderen das Problembewusstsein: „Man kann Kinder nicht vor allem bewahren. Sie müssen lernen, Eigenverantwortung zu übernehmen.“ Die Psychiaterin sieht in ihrer Praxis, dass so viel individuelles Leid entsteht: „Viele landen völlig unnötig beim Psychiater, was immer noch mit einem Stigma versehen ist.“ Sie sorgt sich aber auch um die Gesellschaft als Ganzes: „Was soll in 20 Jahren werden?“

Neben der mangelnden Eignung zu einer geregelten Arbeit sei auch zu beobachten, dass immer mehr jungen Leuten die Fähigkeit fehle, mit anderen zu empfinden, sich auf andere einzustellen. Das führe auch zu Sachbeschädigungen und Gewalt. Die Schnelllebigkeit dieser Zeit und die allgegenwärtige Medienvielfalt leisteten wohl ihren Beitrag dazu. Wietfeld mahnt: „Wir müssen uns stark machen für eine Gesellschaft, die so etwas gar nicht erst entstehen lässt.“Doch vorerst bräuchten die Betroffenen Hilfe. Finden könnten sie diese in Witten beispielsweise bei dem Verein ,Mit-Menschen': „Er arbeitet ähnlich wie das Kolpingbildungswerk und leistet dazu noch eine hervorragende Beziehungsarbeit mit den Betroffenen. Wir überlegen, ob wir nicht gemeinsame Strukturen schaffen können, um die Arbeit auf eine breitere Basis zu stellen.“

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