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Serdar Somuncu

Hassprediger im Ruhr-Congress

BOCHUM Die Taktik funktioniert. Mit einer gnadenlosen Beleidigungsouvertüre generiert Serdar Somuncu Aufmerksamkeit. Um dann seine Botschaft zu vermitteln. Um die geht es. Nicht ums Pöbeln. Sein Credo: Selbstbestimmung, Hinterfragen von Mechanismen und Mut zur eigenen Meinung.

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Serdar Somuncu war am Freitagabend mit seinem Programm "Hassprediger" im Ruhr-Congress zu Gast.

Serdar Somuncu gibt gern den Wütenden. Vielleicht ist er es auch.

„Wir sind Hassisten. Wir sind gnadenlos, wir beleidigen jeden“, sagt Somuncu und schießt eine Salve an Beschimpfungen hinterher: Gegen das Fernsehen, gegen Comedians, gegen Türken, Juden, Deutsche, Schwule, Kurden, Heteros, Frauen, Katholiken, Politiker, Griechen... „Erst, wenn es alle trifft, ist es gerecht.“ Das Publikum lacht. Mal mehr, mal weniger. Bei den Juden weniger als bei den Türken. Bei den Katholiken lauter als bei den Frauen. „Jeder beschwert sich dann, wenn es ihn selbst trifft“, schreit Somuncu die Gäste im Ruhr-Congress an. Stille. 

 Da lohnt ein Blick auf Serdar Somuncus Homepage. In der Rubrik Klagemauer sind zahlreiche Einträge desselben Musters zu finden: Serdar, ich finde dich eigentlich super. Aber da hast du übertrieben. Da hast du eine Grenze überschritten. Es folgt eine Litanei, warum gerade diese Gruppe, diese Religion den Spott und die Häme nicht verdient hat. Und der Absender ist stets Mitglied dieser Gruppe, Anhänger dieser Religion. Ein Muster.   „Es hat sich noch nie ein Schwuler beschwert, dass ich mich über Türken witzig gemacht habe“, sagt Somuncu. „Ihr lacht, wenn ich Jude sage. Aber Jude ist kein Schimpfwort. Das wird es erst in eurem Kopf. Weil ihr ‚Drecksjude‘ denkt.“ Das hat gesessen. 

 Serdar Somuncu gibt den Wütenden. Vielleicht ist er es auch. Er schreit viel. Er frotzelt. Er brüllt und nutzt die gängigen Fäkalbegriffe höchst inflationär. Doch „Hassprediger“, wie er sein Programm getauft hat, trifft es nicht. Es verkauft sich nur besser als „Philosophisches Proseminar zur Selbstbestimmung und den gesellschaftsökonomischen Zusammenhängen einer globalen Weltordnung“. Auch der kleinere Saal des Ruhr-Congress ist am Freitag ausverkauft. Und Serdar Somuncu referiert (oder schimpft) über Medien, über Marktmechanismen, über Integration. Nicht allem muss man zustimmen. Das ist nicht sein Ziel. Nur Denken, das wäre schön.

„Wir leben in diesem Land, mit all den Möglichkeiten, uns zu bilden und uns in Kenntnis zu setzen“, sagt Serdar Somuncu. „Es ist kompliziert, aber es macht Spaß, immer weiter zu denken.“ Die Witze über Türken, Schwule, Frauen und Deutsche bekommen Lacher. Serdars Botschaft bekommt Respekt. Applaudierend erheben sich die Gäste von ihren Stühlen. 

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Serdar Somuncu war am Freitagabend mit seinem Programm "Hassprediger" im Ruhr-Congress zu Gast.

Serdar Somuncu gibt gern den Wütenden. Vielleicht ist er es auch.

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