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Schulbusärger um 11-Jährige

Busunternehmen wertet Videoaufnahmen aus

HEEK Der Fall der Zwölfjährigen, die laut ihrer Mutter elf Kilometervon Ahaus nach Heek laufen musste, weil der Busfahrer ihr die Mitnahme verweigerte, schlägt hohe Wellen. Die Busgesellschaft RVM kann sich den Vorfall nicht erklären. Zur Überprüfung wurden die Videobänder der in dem Bus installierten Videokamera ausgewertet.

Busunternehmen wertet Videoaufnahmen aus

Eine zwölfjährige Schülerin aus Heek wollte am Dienstagnachmittag von der Ahauser Haltestelle Stadtpark (Foto) mit dem Schnellbus nach Heek. Der Busfahrer verweigerte die Mitnahme. Die Schülerin hatte nur den Monatsabschnitt der Fahrkarte dabei, nicht die Kundenkarte. Das Mädchen lief dann elf Kilometer nach Hause.gehring Foto: Markus Gehring

Unser Bericht über das Schicksal einer zwölfjährigen Schülerin aus Heek schlägt hohe Wellen. Das Mädchen musste am Dienstagnachmittag elf Kilometer von Ahaus nach Heek laufen, weil ein Busfahrer der RVM-Schnellbuslinie S 70 sie nicht mitnehmen wollte. Die Zwölfjährige hatte nur den Monatsabschnitt ihrer Fahrkarte dabei, nicht jedoch ihre RVM-Kundenkarte.

„Ein lächerlicher Formfehler“, sagt Dietmar Eisele (Grüne). Der Ahauser ist Kreistagsmitglied und zugleich Aufsichtsratsmitglied der RVM (Regionalverkehr Münsterland). „Dass ein zwölfjähriges Mädchen allein elf Kilometer nach Hause laufen muss, ist unter keinen Umständen zu akzeptieren.“ Den Busfahrer träfe eine Beförderungspflicht. Sanja Jotanovic ist die Mutter der Schülerin. Die Heekerin hatte am Mittwoch der Münsterland Zeitung den Vorfall geschildert – und erhält seitdem jede Menge Zuspruch. Es sei vollkommen richtig gewesen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Auf der Facebook-Seite der Münsterland Zeitung wird der Vorfall eifrig kommentiert – und kontrovers diskutiert. Ebenso auf verschiedenen Internetseiten, die den Beitrag teilten.

„Ähnliches passiert“

„Die allermeisten Reaktionen waren positiv“, berichtete Sanja Jotanovic am Donnerstagnachmittag im Gespräch mit unserer Redaktion. Kommentarschreiber erzählen von ihren Erfahrungen mit dem Busunternehmen RVM. Mal ist von Busfahrern zu lesen, die ihre Autorität bei der Fahrkartenkontrolle ausspielen, mal von „generell zu vollen Bussen auf der Linie S 70“. Eine Frau berichtet, dass ihrer Tochter vor einem Jahr ähnliches passiert sei. Die Tochter habe den aus Versehen gewaschenen Kundenabschnitt ebenfalls nicht dabei gehabt. Um Ärger zu vermeiden, habe sie ihr Kind am nächsten Tag selbst nach Ahaus zur Schule gebracht, schreibt die Mutter.

Eine andere Facebook-Nutzerin bezweifelt die Aussage der RVM, dass das Busunternehmen Kinder generell nicht stehen lasse. Sie schreibt: „Ich habe selber schon mal mitbekommen, wie ein Busfahrer ein Kind nicht mitnehmen wollte, weil es seine Karte vergessen hatte.“ Beim Blick über die Facebook-Kommentare fällt auf, dass die weiblichen Nutzerinnen schärfer mit der RVM ins Gericht gehen als die männlichen Kommentarschreiber. Deren Textbeiträge befassen sich eher pragmatisch mit der Geschichte. „Positiv denken, es ist nichts passiert“, heißt es. Und: „Aus Fehlern lernt man. Wenn man keine Karte hat, muss man nun mal laufen.“ Sanja Jotanovic hat auf viele Kommentare geantwortet, „aber manche muss man einfach offen stehen lassen.“

„Nur Floskeln“

Auf Antwort gespannt sind hingegen die Kreis-Grünen. Er habe vom RVM-Beschwerdemanagement nur Floskeln als Antwort bekommen, erklärte Dietmar Eisele über seine Kontaktaufnahme mit dem Unternehmen. Der Heeker Jens Steiner, ebenfalls von den Kreis-Grünen, fordert eine umgehende Entschuldigung des Busunternehmens bei der Schülerin. Die am Mittwoch abgegebene Stellungnahme der RVM sei „eine Unverschämtheit“. Die RVM hatte erklärt, dass sich der entsprechende Busfahrer auch nach Rücksprache nicht an einen solchen Vorfall erinnern könne. Am Donnerstag äußerte sich RVM-Geschäftsführer André Pieperjohanns in einer Pressemitteilung zum Fall. So seien zur Überprüfung der Aussage der Mutter die Videobänder der in dem Bus installierten Videokamera ausgewertet worden. André Pieperjohanns: „Auf den Aufzeichnungen ist zu sehen, wie zwei Schülerinnen an der Haltestelle einsteigen und die Treppe zum Obergeschoss des Doppeldecker-Busses hinaufgehen.“ Ein Mädchen, das wieder ausgestiegen sei oder Hinweise auf eine Diskussion mit einem Fahrgast, der außerhalb des Bildes stehe, ließen sich nicht erkennen. „Wir können uns die Aussagen nicht erklären.“ Laut Pieperjohanns hätten die Fahrer strikte Anweisungen, besonders im Umgang mit Schülern ihrer Sorgfaltspflicht nachzukommen. „Schüler unter 14 Jahren werden immer befördert.“

Sollten Kinder doch einmal stehengelassen werden, handele es sich um einen absoluten Einzelfall, erklärte Andreas Leistikow von der Westfälischen Verkehrsgesellschaft. „An einem normalen Schultag befördern wir im Münsterland 83.000 Schüler.“

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