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Schwester-Godoleva-Haus besteht 20 Jahre

Ein zweites Zuhause

Heek Das Schwester-Godoleva-Haus besteht seit 20 Jahren. Wie alles begann, daran erinnern sich drei Mütter, deren Kinder als erstes dort einzogen. Es war kein leichter Schritt. Bereut haben sie es aber nicht.

Ein zweites Zuhause

Die drei Mütter (v.l.) Maria Holtkamp Maria Terwolbeck und Anne Rölver erinnern sich noch gut daran, als ihre Kinder vor 20 Jahren ins Schwester-Godoleva-Haus zogen. Viele der Zeitungsberichte aus der Zeit haben sie aufgehoben. Foto Meiring

An das Gefühl vor 20 Jahren erinnern sich die drei Mütter noch genau. „Der Verstand sagte, es ist richtig, aber das Herz wollte noch nicht loslassen“, erzählt Anne Rölver. 22 Jahre war ihre Tochter damals alt, 22 Jahre folgte das Leben der Familie Rölver einem festen Rhythmus. Und dann stand schließlich der Umzug der Tochter an, am 23. Januar 1998 ins neue Schwester-Godoleva-Haus. Zusammen mit der Tochter von Maria Terwolbeck und dem Sohn von Maria Holtkamp, die eine ebenfalls 22 Jahre alt, der andere sieben Jahre älter. „Mit fünf Kindern aus Heek ist das Haus damals gestartet“, erzählt Maria Terwolbeck. Vor genau 20 Jahren. Und allen drei Frauen ist anzumerken: Die Entscheidung fürs Schwester-Godoleva-Haus haben sie nie bereut.

Das Haus war etwas Neues zu der Zeit in Heek, konzipiert bis heute als Wohnheim für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Behinderungen. Ganz aus dem Nichts war es damals nicht entstanden. Norbert Schlangen-Unger von der Caritas hatte sich für den Bau eingesetzt, hatte zahlreiche Gespräche mit den Eltern geführt und sie in den Familien besucht. Auch untereinander trafen die Eltern sich, freundeten sich mehr und mehr mit der Idee an, dass ihr behindertes Kind womöglich bald in eine eigene Wohnung ziehen würde.

Anerkennung für Eltern

Das war zu der Zeit alles andere als selbstverständlich. In der Gesellschaft wurde noch nicht so offen wie heute über das Thema Behinderung gesprochen, erinnern sich die Frauen. Manche wollten es nicht recht wahrhaben, wenn ihr Kind eine Behinderung hatte, öffentlich darüber reden ebenso wenig. Doch es gab auch jene, die den Eltern offen ihre Anerkennung zollten – auch für den Schritt, ihr Kind ins Wohnheim ziehen zu lassen.

Die ersten dezentralen Einrichtungen und Wohnheime entstanden zu der Zeit erst, mehr und mehr entschied man sich gegen Großeinrichtungen mit allumfassender Betreuung. Die Bewohner sollten so weit es geht selbst für sich sorgen, jeder mit einer eigenen Aufgabe – der eine übernimmt die Wäsche für den Monat, der andere das Spülen oder die Gartenarbeit.

Eine Bedingung gab es aber, die die Eltern zu Beginn stellten: Sie könnten ihr Kind immer wieder nach Hause holen, wenn es nicht klappte. Doch es klappte. Bis heute.

Die Zahl der Bewohner in dem alten Krankenhaus wuchs schnell, nur wenige Monate nach der Eröffnung entstand schon die zweite Gruppe in dem Wohnheim direkt neben der St.-Ludgeruskirche. Mittlerweile leben in dem Schwester-GodolevaHaus 21 Bewohner in drei Gruppen, alle haben ihr eigenes Zimmer. Jedes zweite Wochenende sind die Kinder noch auf Heimatbesuch, Freitag geht es hin zu der Familie, am Sonntag wieder zurück. Und auch Feiertage wie Weihnachten oder Ostern feiern viele der Bewohner zuhause mit Eltern und Geschwistern.

Auch mit Blick in die Zukunft entschieden sich die Familien Holtkamp, Terwolbeck und Rölver damals für das Wohnheim. So sollten sich die Kinder schon früh daran gewöhnen, nicht immer bei ihren Eltern zu sein. Und der Plan ging auf. Sie wurden selbstständiger, auch „lockerer und freier“, wie die Mütter sagen.

Geregelter Tagesablauf

Bis heute bietet das Wohnheim ihnen einen geregelten Tagesablauf. In der Woche fahren sie zu den Caritas-Werkstätten nach Ochtrup-Langenhorst, die einen gehen abends zum Reiten nach Heek oder Ahaus, andere zu Kreativangeboten. Und auch sonst sind die Bewohner viel unterwegs. Sie gehen zum Schützenfest, zum Stiegenfest, auch beim Bunten Abend der KFD ist stets ein Tisch für sie reserviert. „Die sitzen zusammen am Tisch, haben Spaß, singen, klatschen. Sie werden wirklich gut in der Gemeinde aufgenommen“, freut sich Anne Rölver. So gewinnen auch die Eltern ein wenig an Kraft und Freiheit zurück. „Die Kinder freuen sich, wenn sie nach Hause kommen. Aber sie freuen sich auch, wenn sie wieder zurückfahren“, sagt Maria Holtkamp. Ein beruhigendes Gefühl. So müssen sich die Eltern keine Sorgen machen, was mit ihren Kindern passiert, wenn sie selbst einmal nicht mehr da sind. Denn Wohnrecht haben ihre Kinder im Schwester-Godoleva-Haus bis zu ihrem Lebensende.

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