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Spannendes Kapitel Geschichte:

Hohe Gebühren als Heeker „Rache“

Heek. In der „Abnabelung“ der Burgkapelle von der Kirche in Heek finden sich Ursachen für den alten Zwist zwischen beiden Ortsteilen. Diese Meinung vertrat Historiker Josef Wermert in einen Vortrag über die Nienborger Kirche.

Hohe Gebühren als Heeker „Rache“

Der Historiker Josef Wermert stammt aus Nienborg und hielt jetzt im Haus Hugenroth einen Vortrag. Foto: Rupert Joemann Foto: Rupert Joemann

Heeker und Nienborger gehen heute zuweilen augenzwinkernd miteinander um. Es ist ein Überbleibsel alter (ernster) Rivalitäten, die aus Sicht des Historikers Josef Wermert aus dem Verhältnis der beiden Kirchen seit dem Mittelalter herrühren. Der gebürtige Nienborger, der seit vielen Jahren als Stadtarchivar in Olpe arbeitet, hielt über die Entstehung und Entwicklung der Nienborger Kirche und deren Verhältnis zur Heeker Mutterkirche im Haus Hugenroth einen Vortrag.

Noch im 18. Jahrhundert prozessierten die Pfarrer der beiden Kirchengemeinden gegeneinander. Die Nienborger hätten es als Schmach empfunden, in Heek beerdigt werden zu müssen, so Wermert. Es war eine teure Schmach. Denn der Heeker Pfarrer knöpfte den Nienborgern deutlich mehr Geld für die Beisetzung ab als den Heekern. Erst 1808, nach dem Ende des Heiligen Reichs deutscher Nation, erhielt Nienborg einen eigenen Friedhof. Zuvor hatten die Heeker Pfarrer stets einen eigenen Nienborger Friedhof torpediert. Schließlich wäre damit eine wichtige Einnahmequelle der Kirchengemeinde weggefallen.

Sakramente gab es nur in Heek

Die Streitigkeiten hatten aber schon viel früher begonnen. Auf der Nienborger Burg gab es schon nach der Burggründung Ende des 12. Jahrhunderts eine Kapelle. Das gehörte zum Selbstverständnis dazu. Die Sakramente erhielten die Nienborger aber über viele Jahrzehnte ausschließlich in der Heeker Mutterkirche. „Das Dorf Heek gab es nicht. Es waren nur etwa 50 Bauernstände“, sagte Josef Wermert. Auf der Burg lebten dagegen dauerhaft rund 200 Menschen. „Im 14. Jahrhundert gab es mindestens drei Geistliche in Nienborg“, sagte Wermert. Das waren mehr als in Heek.

Nienborg wurde immer bedeutender. 1329 folgte die Trennung von der Heeker Mutterkirche. „Damals gab es in Nienborg schon eine selbstständige Kirche mit einem eigenen Pfarrer.“ Dennoch mussten die Nienborger in Heek beerdigt werden. Wermert: „Das gibt es im Oberstift Münster kein zweites Mal.“ Dennoch entwickelte sich die Burg immer mehr zum Mittelpunkt. Sogar der Heeker Pfarrer lebte zeitweise dort. „Da war einfach mehr los“, begründete Josef Wermert die Entwicklung.

Nienborger Kirche verlor an Bedeutung

Im 15. Jahrhundert existierte dann das Dekanat Nienborg mit den Gemeinden Nienborg und Heek. Eine für heute ungewöhnliche Praxis leitete aber den Bedeutungsverlust der Nienborger Kirche ein. Seit Ende des 14. Jahrhunderts verkaufte der Papst das Anrecht auf das Besetzen von Pfarrerstellen. Das nahm so sonderbare Züge an, dass ab 1448 der Papst in ungeraden Monaten den Pfarrer berief und der Bischof in geraden Monaten. „Das hatte negative Auswirkungen für Nienborg“, sagte Josef Wermert. Es habe wahrscheinlich Pfarrer gegeben, die nie in Nienborg gewesen seien. Sie hätten weniger qualifizierte Stellvertreter eingesetzt. „Das war auch ein Hauptkritikpunkt der Reformation.“ Von 1477 bis 1535 setzte der Nienborger den Heeker Pfarrer ein, danach übernahm das der Bischof von Münster. In Abwesenheit der Dekane verlor das Dekanat Nienborg an Bedeutung.

Trotz des Machtverlusts behielt die Nienborger Kirche das Vermögen der Heeker Kirche. So gehörte das Grundstück des Heeker Pastorats der Kirchengemeinde Nienborg. Erst viel später kaufte Heek Grundstück und Haus zurück. Die Heeker Pfarrer rächten sich mit hohen Gebühren. „Die Burgmänner haben sich gerne in Heek beerdigen lassen.“ Zuvor hatten sie schon mit Stiftungen an die Heeker Kirche etwas für ihr Seelenheil tun wollen.

Burgmänner in Heek bestattet

Bei einem 1870 geöffneten Grab in der Heeker Kirche fand sich ein Ritter mit Rüstzeug und Sporen. „Hunderte Burgmänner sind in der Kirche begraben worden“, sagte Josef Wermert. Später habe es ein Gebeinhaus gegeben. „Mit den zerschlagenen Grabsteinen sind die Wege zu den Nachbarn der Kirche aufgefüllt worden“, erklärte Pfarrer Josef Leyer. Er geht davon aus, dass auch in Zukunft weitere alte Fragmente auftauchen.

Josef Wermert ging auch auf die Namenspatrone der Nienborger St.-Peter-und-Paul-Kirche ein. Dazu hatte er eigens die alte Monstranz (1380/1390) mitgebracht. Auf der Vorderseite sind Paulus mit einem Schwert und Petrus mit einem Schlüssel zu sehen. Der Historiker hält es für „nicht unwahrscheinlich“, dass die spätestens 1323 fertige Kirche anfangs Johannes den Täufer als Namenspatron hatte. Johannes der Täufer und Maria hätten den zweiten Altar geziert, so Wermert. 1418 und 1461 tauchen dann in Quellen Petrus und Paulus auf, 1457 und 1465 kommt wieder Maria, die Gottesmutter hinzu. „Sie war vielleicht eine Co- oder Nebenpatronin“, glaubt Wermert.

Frage der Patrone

Im Jahr 1322 habe der Dekan einen Siegel genutzt, auf dem nur Paulus abgebildet war, so Wermert. Der Historiker vermutet, dass die neue Kirche (1323) als feste Grundlage für den christlichen Glauben angesehen worden sei. Deshalb sei Petrus, der Fels der Kirche, ein logischer Namenspatron. „Auch das Bistum und der Dom in Münster haben Paulus als Patron“, so Wermert.

Die beiden gestohlenen Nienborger Büsten von Paulus (um das Jahr 1280) und Petrus (um 1320) untermauern die These. Genauso wie die auf dem Taufbecken abgebildeten Paulus und Maria. Josef Wermert vermutet, dass Maria während der Reformationszeit als Patronin verschwand. Damals sei die Gottesmutter von vielen abgelehnt worden.

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